Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Valentina Stauner am 28. Januar 2010
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Mobilität und Verkehr

Wir brauchen ein bezahlbares Semesterticket!

Sehr geehrter Herr Ude,

Ich studiere an der LMU und habe wie viele andere Studenten auch an der Abstimmung zum Semesterticket teilgenommen.
Daraus ist ja bekannterweise nichts geworden, da dieses Modell für LMU-Studierende bzw. Studenten, die im Innenraum wohnen und studieren viel zu teuer ist.
Aus vorherigen Antworten und Zeitungsartikeln habe ich vernommen, das evtl. ein zweijähriges Pilotprojekt (mit diesem Modell?) an TU und HM durchgeführt werden soll und danach evtl. auch an der LMU. Das ist für mich und viele anderen Studenten viel zu spät! Bis dahin haben wir unser Studium schon beendet.
Kann oder will die STADT bzw. der MVV nichts unternehmen, um ein bezahlbares Ticket einzuführen?
Denn schließlich gibt es ja auch günstige Sozial- und Seniorentickets und viele Studenten haben auch nicht mehr Geld als Rentner/Sozialhilfeempfänger.
(Bitte nicht immer die ganze Schuld auf der Landesregierung abwälzen, man könnte ja auch die Vorstandsgehälter des MVG etwas kürzen, um so das Ticket zu finanzieren.)
Ich hoffe, dass in dieser Frage BALD etwas geschehen wird, damit sich München zurecht "Weltstadt mit Herz" nennen kann und sich nicht vor allen anderen großen Studentenstädten in Deutschland blamieren muss.

Mit freundlichen Grüßen,

Valentina Stauner

+58

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Antwort
von Christian Ude am 31. März 2010
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Stauner,

wenn es nur so einfach wäre – wir kürzen ein bisschen die Vorstandsgehälter und schon ist das Semesterticket finanziert. Da unterschätzen Sie leider den Finanzierungsaufwand ganz erheblich und Sie unterschätzen auch das außerordentliche Engagement Ihrer Kommilitonen im AK Semesterticket, die jahrelang zusammen mit dem Studentenwerk und dem MVV daran gearbeitet haben, auch unter der schwierigen Münchner Ausgangslage ein Semesterticket-Modell zustande zu bringen, dem eine breite Mehrheit der Münchner Studentenschaft insgesamt zugestimmt hat. Diese Arbeit darf nicht umsonst gewesen sein, auch wenn an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die erforderliche Mehrheit leider verfehlt worden ist.

Kurz zur „Geschichte“ des Semestertickets: Die Forderungen nach einem Semesterticket wurden immer lauter, als durch die Zuschuss-Kürzungen des Freistaates die Ausbildungstarife im MVV angehoben werden mussten und durch die Studiengebühren eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Studenten entstand.

Bei einem Semesterticket werden die Kosten, die durch die ÖPNV-Nutzung der Studenten und Studentinnen entstehen, solidarisch auf alle Studierenden umgelegt, auch auf diejenigen, die die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht nutzen. Würde man nicht so verfahren, müssten die Mehrkosten von den übrigen Fahrgästen getragen und folglich die allgemeinen Preise angehoben werden. Das ließe sich kaum durchsetzen und wäre auch nicht gerecht.
In vielen deutschen Universitätsstädten lag der Anteil der studentischen ÖPNV-Benutzer bei Einführung des Semestertickets bei etwa 20 bis 25 Prozent. In München dagegen, mit seinem bundes- und europaweit hervorragenden Angebot, liegt dieser Anteil bei 60 bis 70 Prozent. Damit war es ungleich schwieriger, ein Ticket zu einen Preis anzubieten, der auch den Nicht-Nutzern zumutbar ist und von Gerichten akzeptiert werden kann.

So paradox es klingt: In Städten mit geringerer ÖPNV-Nutzung durch Studenten sind entsprechende Lösungen leichter auf die Beine zu stellen. Ein Ausweg aus dem Dilemma wäre natürlich ein finanzieller Beitrag des Landes. So ermöglicht beispielsweise in Nordrhein-Westfalen der jährliche Landeszuschuss von 21 Millionen Euro ein preisattraktives Semesterticket. Warum sollte ich diesen Hinweis unterschlagen? Der Freistaat hat seine Zuschüsse im Ausbildungstarif gekürzt, die Studenten mit Studiengebühren erheblich belastet, viele Institute ins Umland verlegt und damit die Wege verlängert – und im Gegensatz zur NRW leistet er (bisher) keinen Beitrag zum Semesterticket.

Für die TU München und die Hochschule München sehe ich noch Möglichkeiten. Es geht jetzt darum, das Semesterticket – mit Unterstützung durch die Stadt und Freistaat - wenigstens an der Technischen Universität und der Hochschule München zum Beginn des Wintersemesters 2010/11 zu verwirklichen. Für die LMU bleibt die Tür natürlich weiter offen. Die Lösung, die derzeit mit den beiden anderen Hochschulen intensiv verhandelt wird, ist so konzipiert, dass die LMU der Vereinbarung zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls beitreten kann, wenn die Mehrheit ihrer Studenten dies wünscht. Aber natürlich erst dann!

Mit freundlichen Grüßen