Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Stephan Hannemann am 27. September 2010
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Politik und Verwaltung

Wiesn-Gaudi?

Sehr geehrter Herr Ude,

mitten zur Wiesn-Zeit erlaube ich mir, mich einfach einmal als Betroffener zu Wort zu melden. Als Betroffener deshalb, da ich seit 11 Jahren direkt an der Theresienwiese wohne und damit zwangsweise zwei lange Wochen im Jahr mit den besonderen Umständen leben muss. Ich melde mich - mehr oder weniger - in der Absicht, ein Spielverderber zu sein.

Großartig ist in diesem Jahr auf jeden Fall die großzügige Absperrung nebst angenehmer Polizeipräsens. Dafür bedanke ich mich, auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob damit auch die Sicherheit gestiegen ist.

Für den direkten Anwohner - und ich denke ich kann hier tatsächlich für alle Anwohner sprechen - sind diese sehr langen zwei Wochen mit einem großen Maß an Freiheitsentzug, zumindest mit Horror verbunden: taumelnde, randalierende, kriechende, leblos daliegende Menschen. Dazu Scherben, Müll, Erbrochenes, menschliche Sekrete aller Art - Menschen außer Rand und Band. Natürlich auch viele unauffällige, nette menschen. Nur die fallen eben kaum auf.

Als Autofahrer hat man es als Anwohner nicht leicht. Aber auch als Fahrradfahrer und Fußgänger werden die zwei Wochen zur Hölle. Beim Auto hat man fast immer mit ärgerlichen Schäden zu rechnen, zumindest dann, wenn man über keine Garage verfügt. immer wieder kommt es dann zu Lackschäden, Scheibenbrüchen, abgebrochenen Außenspiegeln und Antennen. Fahhrräder wedren vermehrt gestohlen, mutwillig verunstaltet und bei der Fahrt durch herumliegende Scherben platt. Der Fußgöänger schließlich wird zum Slalomläufer verdammt, und wenn er einmal nur nicht aufpasst, steigt er mitten rein: in die Sekrete der Wiesn-Lustigen.

Kurioserweise entschuldigen sich die Veranstalter des Tollwood vorab für mögliche Unannehmlichkeiten durch das verschicken von Eintrittskarten (Freikarten) an die unmittelbaren Bewohner der Theresienwiese. Sehr freundlich, aber im Prinzip völlig unangemessen, da gerade diese Veranstaltung die wohl friedlichste in ganz München ist - eine Veranstaltung, die das Leben kaum nennenswert berührt.

Aber wer denkt an die Anwohner der Theresienwiese während des Oktoberfestes? Wie kann es angehen, dass ein Teil der Münchner diesen hohen Freiheitsentzug einfach so hinnehmen muss, ganz ohne Entschädigung? Es ist im Übrigen auch anzunehmen, dass viele an der Theresienwiese angesiedelte Gewerbetreibende in dieser Zeit Schaden nehmen. Wie kümmert sich die Stadt um diese Bevölkerungsgruppe? Ist es nicht längst an der Zeit, dieses lustige Fest an den Stadtrand zu verlegen, allein auch schon aus Gründen der Sicherheit?

Man könnte das Fest beispielsweise an den Flughafen verlegen. das wäre auch sehr komfortabel für viele internationale besucher: landen, saufen, wieder abheben. Am Prinzip würde sich nichts ändern, der Umsatz wäre ebenfalls garantiert.

Ich bin mir sicher: die Menschen machen mit. Sie haben sich längst daran gewöhnt, reglementiert zu werden. Vielleicht könnte man ihnen nach dem Rauchverbot ja auch noch das Saufverbot zumuten. Eine Alternative.

Sehr geehrter Herr Ude, wenn Sie noch während Ihrer Amtszeit die Wiesn verlegen, würden Sie sich sicherlich unvergesslich machen und sich vielleicht sogar ein Denkmal setzen können. Bitte, denken Sie darüber nach!

Mit freundlichen Grüßen von der Theresienwiese,

Stephan Hannemann

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