Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Michael Wollny am 05. November 2013
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Gesellschaft und Soziales

Wie sozial ist München?

Sehr geehrter Herr Ude,

eine Frage an Sie, den Sozialdemokraten:

Wie sozial ist München? - Ich denke, ich kenne Ihre Antwort: "Sehr!". Denn das ist die Theorie der Amtsstube.

Leider haben die Entscheidungsträger zu wenig Bezug zur Realität des Alltags, speziell des Alltags von Familien. Von Vätern und Müttern, die ihr Kind nicht morgens im BMW X5 in die Privat-KiTa fahren und es dann im Porsche Cayenne am Nachmittag wieder abholen.

Ist München also noch sozial? - Nein, ist es nicht. Die Hoffnung auf einen Platz in einer städtischen Kinderbetreuungseinrichtung ist utopischer als eine Deutsche Meisterschaft für Ihre "Sechzger", Herr Ude. Und so machen sich private Träger breit und kassieren ab, auf eine Art und Weise, die einem nicht nur das Gehalt, sondern auch den Atem raubt.

Ob in Freimann oder jüngst in Pasing, wo allein die Aufnahmegebühr 420 € beträgt, mehr als in jedem Edel-Golfressort. Dazu 630 € im Monat für die Unterbringung - und zwar HALBTAGS! Und weil Kinder so unglaublich viel essen und das ja auch irgendwie wieder rauskommen muss, liegt die Verpflegungs- und Windelpauschale bei günstigen 120 € zusätzlich pro Monat. Macht also 750 € für 5-6 Stunden Kinderbetreuunng.

Es betrifft Alleinerziehende und Familien mit mittleren (ich sage NORMALEN!) Einkommen! Es gibt keine Alternative: Vogel friss, oder stirb! Wir konnten uns München nach 17 Jahren Heimat in dem Moment nicht mehr leisten, in dem wir beschlossen, eine Familie zu gründen. Unbezahlbare Mieten und horrende Betreuungsgebühren eskalieren in einschneidenden Entscheidungen: Wir mussten die Stadt mit unseren zwei Münchner Kindln verlassen.

Es herrscht wohl immer noch die Annahme, man wolle seinen Wohlstand mehren, wenn Mann und Frau arbeiten. Aber Doppelverdienen ist kein Luxus, sondern existenzielle Notwendigkeit. Und deshalb ist bezahlbare Kinderbetreuung so außerordentlich wichtig.

Bezahlbar sind private Träger nicht, sie nehmen Ihnen, Herr Ude, also nicht die Arbeit ab.

Und deshalb noch einmal: wenn die oben genannten Fälle asoziale Abzocke sind, wie sozial ist dann noch München?

Mit freundlichen Grüßen

Michael Wollny

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