Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Bernhard Wehle am 22. Dezember 2010
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Bildung und Kultur

Weihnachtliches zur Konzertsaaldiskussion

Sehr geehrter Herr Ude,

jedes Jahr bildet der Besuch des Weihnachts Oratoriums von Bach den Übergang von der hektischen Vorweihnachtszeit zu der ruhigen Weihnachtszeit. Dabei besuche ich immer die Aufführung des Münchener Bachchors, nicht nur weil dies so zur Tradition geworden ist, sondern auch weil der Bachchor eine Münchner Institution ist, zu deren Kuratorium Sie ja auch gehören.
Dieses Jahr nun hat mich ein ungünstiges Schicksal diese Aufführung im Block R der Philharmonie erleben lassen und es war dadurch die schlechteste Aufführung, die ich je erlebt habe. Auch in anderen Blöcken hört man manches mehr oder weniger gut, so hängt es meist entscheidend davon ab, in weiche Richtung ein Solist singt,
In der Presse wird nun berichtet, daß unter anderem Ihre Schwägerin die Philharmonie für eine sehr gut geeigneten Konzertsaal hält.

Hier nun meine Farge: Ist es Ihnen nicht doch möglich die Stadt München zu einer Kooperation mit den Befürwortern eines neuen Konzertsaales zu bringen? Das würde sicher auch die Rezeption von Konzerten des Münchner Bachchors verbessern, dem Sie ja als Kurator in gewisser Weise verpflichtet sind.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Wehle

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Antwort
von Christian Ude am 15. März 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Wehle,

es stimmt zwar, dass ich mich dem Münchner Bach-Chor verbunden fühle und mich für den Gasteig besonders einsetze, aber die Geschäftsführerin des Gasteigs, Brigitte von Welser, ist nicht meine Schwägerin. Ich bin mit ihr weder verwandt noch verschwägert. Zur Konzertsaal-Frage habe ich erst kürzlich in einer Pressekonferenz ausführlich Stellung genommen. Zur Vermeidung von Wiederholungen erlaube ich mir daher, Ihnen meine Presseerklärung vom 04.03.2011 zur Kenntnis zu bringen:

Die Münchner Konzertsaaldiskussion:
(4.3.2011) Gemeinsam mit Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers, der Geschäftsführerin der Gasteig GmbH Brigitte von Welser, dem Intendanten der Münchner Philharmoniker Paul Müller und dem Mitglied des Orchestervorstands der Münchner Philharmoniker Stephan Haack nahm Oberbürgermeister Christian Ude in einem Pressegespräch zur Münchner Konzertsaaldiskussion Stellung:

„In der Münchner Konzertsaal-Diskussion, die 2003 mit der Forderung nach einem weiteren Neubau eingeleitet wurde, ist verschiedentlich der Eindruck erweckt worden, der Freistaat Bayern arbeite mit Tatendrang und Schaffenskraft bereits am Neubau, während die Stadt das Problem verkenne und untätig geblieben sei. Die Realität sieht anders aus.

I. Die Philharmonie am Gasteig
Die Stadt hat vor über einem Vierteljahrhundert einen Konzertsaal mit 2.400 Sitzplätzen geschaffen, in dem wir seither national und international beachtete Konzerte der Münchner Philharmoniker, des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und zahlreicher gastierender Orchester hören konnten. Die bedeutendsten Dirigenten der Welt standen dort am Pult. Das musikbegeisterte Publikum sorgt bis heute für eine Auslastung von 90 Prozent. Der künftige Chefdirigent der Münchner Philharmoniker Lorin Maazel erklärte erst vor kurzem: ,Ich liebe diesen Saal’. Das haben Sie selbst in der Presse lesen können. Bereits heute steht fest, wie viel die Stadt mindestens noch in den Gasteig investieren muss:

- Bis ins Jahr 2030 werden noch rund 60 Millionen Euro an Leasingraten fällig.

- Anschließend ist eine Restwertablösung von rund 15 Millionen Euro zu zahlen, erst dann geht der Gasteig ins Eigentum der Stadt über.

- Über elf Millionen Euro hat der Stadtrat Ende letzten Jahres zur Verfügung gestellt, um durch Erfüllung von Auflagen und durch technische Verbesserungen die weitere Bespielbarkeit des Gasteig zu gewährleisten.

Mit anderen Worten: Die Stadt muss noch mindestens 86 Millionen Euro aufbringen, um den Gasteig erwerben und bespielen zu können. Diese finanzielle Größenordnung muss bewusst sein, wenn über weitergehende Umbaupläne oder Neubaupläne diskutiert wird.
Die städtische Gasteiggesellschaft hat fünf Gutachten international angesehener Akustiker eingeholt, die das akustische Potenzial des Saals bestätigen. Auf dieser Grundlage wurde durch ein international angesehenes Architekurbüro (Speer&Partner) eine Machbarkeitsstudie erstellt, die einen optimalen Konzertsaal für zwei Orchester oder für nur ein Orchester sowie weitere Varianten untersucht. Geschäftsführerin Brigitte von Welser wird dies näher erläutern.
Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die vor allem akustische Optimierung der Philharmonie für ein Orchester rund 60 Millionen Euro und für zwei Orchester rund 70 Millionen Euro kosten würde.

II. Das städtische Angebot: Kooperation
Bereits wenige Tage nach seiner Wahl am 28. Oktober 2008 habe ich dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer geschrieben, dass ,ein abgestimmtes Vorgehen von Stadt und Staat in dieser Frage wünschenswert und kulturpolitisch dringend geboten’ wäre. Bei einer Unterredung in der Staatskanzlei am 26. Januar 2009 habe ich bekräftigt, dass die Stadt München bei einem entsprechenden Engagement des Freistaates Bayern die akustische Optimierung für einen Zwei-Orchester-Betrieb in Angriff nehmen würde, dass dabei auch die in der Vergangenheit schmerzlich vermissten Nebenräume für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks geschaffen werden könnten und dass die Münchner Philharmoniker, die ein Erstbelegungsrecht haben, zu einem kompromissbereiteren Verhalten als in der Vergangenheit bereit seien. Der Ministerpräsident nahm dies mit Interesse auf, verwies aber darauf, dass er sich zunächst bei einer Besichtigung des Marstalls ein Bild von den dortigen Möglichkeiten machen wolle. Bei einem Gespräch im Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hatte ich bereits zuvor am 20. Januar 2009 Staatsminister Wolfgang Heubisch gegenüber das städtische Angebot näher erläutert. Die Stadt war stets an einem Miteinander statt Gegeneinander interessiert und hat dies mit eigenen Initiativen untermauert.

Vor einer Klärung, ob der Gasteig künftig weiterhin zwei Orchestern oder nur noch einem Orchester als Hauptspielstätte dient, wäre es schlicht unverantwortlich, vollendete Tatsachen im Sinne eines Ein-Orchester-Betriebs oder eines Zwei-Orchester-Betriebs zu schaffen. Die gegenwärtige Phase der Unsicherheit, wann im Gasteig welche Lösung verwirklicht wird, geht also allein auf die Neubaudebatte und ihren ungewissen Ausgang zurück. Diese Debatte wurde nicht von der Stadt begonnen. Die Stadt muss aber darauf drängen, die Neubaudebatte zu einem baldigen Abschluss zu bringen, damit im Gasteig das Notwendige und Sinnvolle getan werden kann. Kühne Visionen beflügeln den Fortschritt keineswegs immer, sie können – wie das Beispiel Transrapid schmerzlich gezeigt hat – auch dazu führen, dass jahrelang realistisch mögliche Schritte unterlassen werden und das Publikum entsprechend lange hingehalten wird. Heute können die Münchner Philharmoniker, denen aus ureigenstem Interesse an einer schnellen Klärung gelegen ist, ihr Angebot einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präzisieren und näher erläutern, wofür ich mich herzlich bedanke. Auch der künftige Chefdirigent der Münchner Philharmoniker Lorin Maazel, der heute nicht persönlich anwesend sein kann, erklärt seine Bereitschaft, an der Optimierung der Philharmonie mitzuwirken und bemerkt: ,Wir können durch Veränderungen des Saales zu einem sehr guten Ergebnis kommen und wir werden gemeinsam daran arbeiten, weil das doch sehr wichtig ist!’.

III. Das Scheitern des Marstall-Projektes
Einige Jahre lang hatten die Befürworter einer Neubaulösung einen Standort im Auge: den Marstall. Wer auch nur Zweifel andeutete, wurde im Schnellverfahren als Musik-Banause verurteilt. Nur am Marstall sei Weltklasse- Akustik möglich, hieß es immer wieder. Der Weltklasse-Akustiker Dr. Yasuhisa Toyota kam dann allerdings im Mai 2010 in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, das der Marstall als Standort für einen Konzertsaal aus akustischen Gründen (!) nicht in Betracht komme und ein Neubau für voraussichtlich mindestens 200 Millionen Euro nur an anderer Stelle in Betracht komme.

Der Vorgang zeigt unwiderleglich, wie sorgfältig ein Standort untersucht werden muss, bevor öffentliche Gelder und Spendengelder in großem Stil verausgabt werden und um welche Immobilienkosten es im Falle einer Neubaulösung für den Steuerzahler tatsächlich geht:
- Neubaukosten mindestens 200 Millionen Euro
- Leasing- und Investitionskosten Gasteig 86 Millionen Euro
- Optimierung für ein Orchester 60 Millionen Euro
Summe: 346 Millionen Euro

Dabei sind Kostensteigerungen, deren aufschlussreiche Potenziale man bei der Hamburger Elbphilharmonie studieren konnte, noch nicht enthalten (die Kosten des Konzertsaal-Neubaus stiegen dort von ursprünglich 77 auf 351,3 Millionen Euro).

IV. Die Stadt und der Neubau
Angesichts ihres eigenen Konzertsaals kann die Stadt kein Interesse an einem Neubau haben, der die Auslastung und die Mieteinnahmen des Gasteig dramatisch senken würde. Gleichwohl habe ich in den Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten und dem zuständigen Ressortminister bereits zugesagt, dass die Stadt als Planungs- und Genehmigungsbehörde ein Neubauprojekt selbstverständlich wohlwollend begleiten und keineswegs behindern würde. Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion Alexander Reissl hat sich in der öffentlichen Stadtratsdebatte über die Konzertsaal- Frage entsprechend geäußert. Die folgenden Ausführungen sind deshalb nicht als Einwendungen zu sehen, sondern als Fragen, die aber unverzichtbar geklärt werden müssen:

V. Besteht der politische Wille tatsächlich?
Warum gibt es auch nach siebenjähriger Neubaudebatte noch keinen Grundsatzbeschluss der Landtagsmehrheit, dass ein Konzertsaal-Neubau tatsächlich gewünscht wird und im Wesentlichen vom Freistaat Bayern finanziert werden soll? Bei der unabweisbar notwendigen Sanierung des Gärtnerplatztheaters hatte sich in der CSU-Landtagsfraktion bereits beträchtlicher Widerstand erhoben, obwohl diese Rettungsmaßnahme für ein wichtiges Kulturinstitut und Baudenkmal unbestritten unerlässlich war. Ebenso müsste längst geklärt sein, welchen Betrag der Bayerische Rundfunk, um dessen Symphonieorchester es in erster Linie geht, beisteuern möchte und tatsächlich auf Kosten des Gebührenzahlers in ganz Bayern beisteuern darf.
Schließlich fehlt jede klare Aussage, mit welchem Betrag von privater Seite gerechnet wird, ganz zu schweigen von rechtsverbindlichen Zusagen, wer für welchen privaten Beitrag geradesteht.

VI. Auswirkungen auf bestehende Konzertsäle
Die Formulierung vom ,zweiten Konzertsaal’ soll offenbar davon ablenken, dass es in München bereits eine Vielzahl von Konzertsälen gibt. Das Gutachten von Roland Berger für den ,Konzertsaal Marstall e.V.“ nennt
- neben dem Gasteig mit 2.400 Sitzplätzen
- das Nationaltheater mit 2.000 Sitzplätzen
- den Herkulessaal mit 1.270 Sitzplätzen
- das Prinzregententheater mit 1.183 Sitzplätzen
- das Staatstheater am Gärtnerplatz mit 890 Sitzplätzen
- den Kaisersaal der Residenz mit 800 Sitzplätzen
- die Allerheiligen-Hofkirche mit 400 Sitzplätzen
- dem Max-Joseph-Saal mit 330 Sitzplätzen
- den Hubertus-Saal mit 240 Sitzplätzen
Summe: 9.513 Sitzplätze

Dabei haben schon in der Vergangenheit die großen Münchner Orchester in den fünf größten Sälen Konzerte aufgeführt. Die Frage lautet also nicht nur, welche Betriebskosten ein Konzertsaal-Neubau Jahr für Jahr auslöst, sondern auch, wie stark sich der Zuschussbedarf des städtischen Gasteig sowie des Nationaltheaters, des Herkulessaals, des Prinzregententheaters und des Staatstheaters am Gärtnerplatz erhöht und welche Auswirkungen diese Mehrbelastungen auf die Förderung der Musik und musikalischen Lebens in München haben.

Auch wenn ein attraktiver neuer Saal zunächst zusätzliches Publikum anzieht und international renommierte Klangkörper und Dirigenten und Solisten zusätzliche Konzertabende bestreiten, kann die europaweite Feststellung, dass beim Publikum klassischer Musik nicht mit Zuwächsen zu rechnen ist oder dieses sogar stagniert, nicht für kommende Jahrzehnte einfach ignoriert werden.

VII. Immer noch kein Standortvorschlag
Nach siebenjähriger Neubaudebatte gibt es immer noch keinen verbindlichen Standortvorschlag für die Situierung des Konzertsaal-Neubaus. Der Apothekenhof der Residenz dürfte an unüberwindlichen Hindernissen des Denkmalschutzes als Bauplatz eines modernen Gebäudekomplexes scheitern. Warum gibt es noch keine Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalschutz, warum wurde der Münchner Ehrenbürger Professor Otto Meitinger, der den Wiederaufbau der Residenz nach dem 2. Weltkrieg leitete, nicht zu diesem Plan befragt, den architektonischen Charakter der Residenz grundlegend zu verändern? Oder werden vorliegende Stellungnahmen der Öffentlichkeit vorenthalten?

Der Finanzgarten an der Galeriestraße liegt zwar zentral und verkehrsgünstig, eine Bebauung begegnet aber städtebaulichen und naturschützerischen Bedenken, die Akustik könnte dank des nahen Altstadttunnels mehr Probleme aufwerfen, als sie neuerdings im Gasteig beklagt werden. Zum LMU-Gelände an den Pinakotheken übergebe ich Ihnen eine Stellungnahme der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen vom 24. Februar 2011, in der betont wird, dass ,dieses Gelände unbedingt für den weiteren Ausbau der Pinakotheken vorbehalten werden muss. Die einzigartige Situation der weltberühmten Sammlungen und ihrer Häuser, die wie auf einem Campus einander zugewandt liegen, bedarf gerade auch in der langfristigen Perspektive beispielsweise für die fehlenden Wechselausstellungsräume, das gewünschte Zentrum für Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit, für einen modernen Vortragssaal zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Universitäten unbedingt dieses Geländes’. Das Schreiben ist vom Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Professor Dr. Klaus Schrenk unterzeichnet.

Ausdrücklich nicht in seiner Eigenschaft als Kabinettsmitglied, sondern als Wahlkreisbürger hat Kultusminister Spaenle das Areal der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität in der Veterinärstraße vorgeschlagen. Das zuständige Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sieht diesen Vorschlag kritisch und betont, dass auf diesem Gelände künftig Teile der Physik untergebracht werden sollen. Ein Kultusminister müsste wissen, dass in diesem Sommer erstmals zwei Abiturjahrgänge gleichzeitig in die ohnehin aus allen Nähten platzenden Universitäten kommen und so den schon bisher unbefriedigten Raumbedarf sprunghaft weitersteigern. Es ist nicht nachvollziehbar, dass unter diesen Bedingungen ein unzuständiger Minister über dringend benötigte Hochschulareale anderweitig verfügen will.

Immerhin hat die Süddeutsche Zeitung einen bedeutenden Standortvorteil entdeckt: ,Der Vorschlag Spaenles hat einen gewissen Charme. Denn im Sommer könnte man einfach die Fenster des neuen Konzertsaals öffnen und darauf warten, dass die Blasmusik vom Chinaturm herüber weht. Kostenlos.’
Für das Gelände gegenüber dem Circus Krone hat sich bisher noch kein Liebhaber klassischer Musik stark machen wollen. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Vermischung der Besucherströme mit dem Oktoberfest und dem Circus Krone vom Klassik-Publikum tatsächlich dem Miteinander von Philharmonie, Stadtbibliothek und Volkshochschule unter einem Dach vorgezogen wird.

VIII. Fazit
Im Interesse der Musikstadt München sollte, nachdem eine siebenjährige Debatte bislang nur einen Arbeitskreis und noch nicht einmal eine Standortentscheidung, geschweige denn einen Grundsatzbeschluss, ein belastbares Finanzierungskonzept oder einen Masterplan oder gar einen Architektenwettbewerb hervor gebracht hat, jetzt so schnell wie möglich, aber auf jeden Fall noch in diesem Kalenderjahr eine Klärung herbei geführt werden, ob sämtliche Hindernisse auf dem Weg zu einem Neubau überwunden werden können oder ob es zu einer gemeinsamen Nutzung der ausgebauten und optimierten Philharmonie und anderer Konzertsäle kommen soll. Am abträglichsten wäre es für die Musikstadt München, wenn ihre Protagonisten ein Raumangebot selber öffentlichkeitswirksam madig machen, auf das sie am Ende dann doch zurückgreifen müssen.“

Position der Münchner Philharmoniker zur aktuellen Diskussion um einen neuen Konzertsaal für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

1) Die Münchner Philharmoniker wünschen sich optimale Proben- und Konzertbedingungen für sich selbst und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO).

2) Bevor durch einen zusätzlichen Konzertsaalbau neue Ressourcen gebunden werden und Vorhandenes beschnitten wird, müssen vorher alle Alternativen geprüft werden, die bestehende Säle Philharmonie und Herkulessaal zu nutzen und zu ertüchtigen.

3) Anfang 2010 haben das BRSO und die Münchner Philharmoniker in einer Arbeitsgruppe im Auftrag der Gasteig GmbH untersucht, ob eine Parallelbespielung beider Orchester in einer umgebauten Philharmonie möglich wäre. Das Gutachten liegt seit Juni 2010 vor.

4) Das Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass eine Parallelbespielung unter bestimmten Bedingungen möglich ist, wenn beide Orchester bereit sind, gewisse Kompromisse bei der Terminplanung zu akzeptieren.

5) Der Umbau der Philharmonie zu einem Spitzenkonzertsaal ist ohne einen Eingriff in die tragenden Strukturen für zirka 70 Millionen Euro zu realisieren. Die Kubatur ist groß genug, um alle Anforderungen eines modernen Spitzenkonzertsaals zu erfüllen und die Sitzplatzkapazität von rund 2.300 Plätzen beizubehalten. Es liegen Pläne vor, die zeigen, dass auch die Nebenräume für ein zweites Spitzenorchester realisiert werden können.

6) Wenn die Stadt München unter Mitwirkung des BR und privater Förderer den Umbau der Philharmonie im Gasteig zu einem Spitzenkonzert saal mitfinanziert und ernsthaft voran treibt, sind die Münchner Philharmoniker nach wie vor bereit, das in der Arbeitsgruppe erarbeitete Modell eines mit dem BRSO geteilten Erstbelegungsrechts kooperativ mit dem BRSO umzusetzen.

7) Die Philharmonie im Gasteig kann damit aus Sicht der Münchner Philharmoniker dauerhaft Heimatspielstätte für zwei internationale Spitzenorchester sein und böte auch noch privaten Veranstaltern Raum für Konzerte von Nicht-Münchner Gastorchestern."

Mit freundlichen Grüßen