Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Carolin Potthast am 20. Juni 2013
7231 Leser · 249 Stimmen (-30 / +219) · 1 Kommentar

Umwelt und Gesundheit

Was sind uns Kinder und Umwelt wert?

Sehr geehrter Herr Ude,

mein Sohn geht in die städtische Kinderkrippe Grafinger Straße 96. Diese hat einen wunderschönen, riesigen Garten. Alte Kastanienbäume schirmen ihn von Lärm und Abgasen des Innsbrucker Rings ab. Es gibt einen Wasserlauf im Garten, Findlinge, jede Menge Möglichkeiten, sich zu verstecken, viel grüne Wiese und Büsche, Häuschen und Klettermöglichkeiten - ein Paradies für Kinder.
Dieser Garten soll zerstört werden. Auf dem Gelände wird in zwei Blöcken entlang des Rings und der Grafinger Straße ein Supermarkt entstehen, mehrere Einzimmerapartments für Azubis der Stadt und eine neue Krippe. Diese sieht allerdings nur noch eine winzige Grünfläche für die Kinder vor.
Meine Frage an Sie, Herr Ude, ist, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt, für Azubis günstigen Wohnraum zu schaffen und den Krippengarten zu erhalten?
Dieser ist unglaublich wertvoll für Kinder, Mensch und die Natur! Was nützen Feinstaubplakettenpflicht, die Einrichtung von Umweltzonen und Luftreinhaltepläne, wenn wir eine Vielzahl von Bäumen am Mittleren Ring abholzen? Die zulässigen Grenzwerte für Feinstaub werden ohnehin schon jährlich überschritten. Die Krippenkinder dürfen bei den momentanen Temperaturen jetzt schon nur zeitweise in den Garten, da die Ozonwerte zu hoch sind. Wie soll das erst werden, wenn die Bäume rings um die Krippe gefällt sind?
Abgesehen von den Umwelt- und gesundheitlichen Folgen der Pläne sollte außerdem bedacht werden, dass gerade für Kinder der Stadtteile Ramersdorf und Berg am Laim ein großes Stück Natur sehr wertvoll ist. Denn diese Kinder - viele davon mit Migrationshintergrund - haben i.d.R. keinen Garten zu Hause und erst recht keine Möglichkeit, Ausflüge in die Berge oder in die Natur zu machen. Der Krippengarten bietet ihnen die unschätzbar wertvolle Möglichkeit, Natur direkt und im Alltag zu erfahren.
Was sind uns Kinder und Umwelt wert? Gibt es eine Möglichkeit, den Krippengarten zu erhalten?

Mit freundlichen Grüßen,
Carolin Potthast

+189

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Antwort
von Christian Ude am 27. September 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Potthast,

Wie Sie sicher wissen, wird bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende, Seniorinnen und Senioren, kinderreiche Familien oder Personen, die sich auf dem Münchner Wohnungsmarkt keine Mietwohnung leisten können, dringend benötigt.

Der Münchner Stadtrat hat deshalb mit dem Programm “Wohnen in München” Deutschlands umfangreichstes Wohnungsbauprogramm aufgelegt, in dem die Stadt unter anderem zusätzlich zur staatlichen Förderung Gelder für den Mietwohnungsbau auf städtischen Grundstücken bereit stellt.

Diese Grundstücke werden aber zunehmend knapp. Wir sind deshalb darauf angewiesen, die zur Verfügung stehenden städtischen Grundstücke so optimal wie möglich und unter Ausschöpfung des vollen Baurechts zu nutzen. Das Areal an der Grafinger Straße bietet bei optimaler Ausnutzung die Chance, mehrere dringend notwendige Nutzungen zu vereinen. Dadurch können zukünftig eine sechsgruppige Kinderkrippe, dringend benötigte Wohnungen für Auszubildende, Wohnungen für Seniorinnen und Senioren, für Familien mit Kindern sowie Einzelhandelseinrichtungen für den täglichen Bedarf auf dem Gelände untergebracht werden.

Die Spiel- und Freiflächen der jetzigen Kinderkrippe werden sich dadurch zwar reduzieren, erfüllen aber weiterhin die gesetzlichen Vorgaben in Größe und Ausstattung. Bei diesem Bauvorhaben wird selbstverständlich darauf geachtet, den alten Baumbestand zu erhalten und in Einzelfällen Ersatzpflanzungen vorzunehmen.

Um ein für alle verträgliches Nutzungsmaß festlegen zu können, hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG einen Planungswettbewerb ausgelobt, bei dem, unter Mitwirkung des Bezirksausschusses als Vertretung der Bürgerinnen und Bürger, ein erster Preis prämiert wurde, der sich in Maßstab und Duktus sehr gut in das Gesamtquartier einfügt. Diese Planungen werden derzeit durch das beauftragte Architekturbüro überarbeitet und zur Baueingabe vorbereitet.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Silvia Schupp
    am 20. Juli 2013
    1.

    Unsere Familie kann sich diesem Schreiben nur anschließen.
    Der Krippengarten ist unglaublich wertvoll für unsere Kinder. Es ist wohl durch nichts zu ersetzen - wenn Kleinkinder bei einem 8Std. Krippentag sehr viel Zeit in einer natürlichen Umgebung verbringen können. Die Kinder der Grafingerstr. 96 sind sehr glücklich und ausgeglichen und das liegt nicht nur an den sehr guten Erziehern sondern eben auch an diesem unglaublichen Garten. Alter Baumbestand, ein Hügel auf dem im Winter Schlitten gefahren wird, Projekte bei denen Kinder Blumen pflanzen und wachsen sehn. Auch wenn die Gärtner vorbei kommen und an den Seilen in den Bäumen hängen um die Äste zu pflegen, die Kinder sind mit dabei und lernen soviel dazu. Bitte erlauben sie sich noch ein Bild zu machen - damit dieser Garten soweit wie möglich erhalten bleibt.

    Die zukünftige Krippenplanung - Die Räume sind sehr begrenzt - die Sanitären Einrichtungen wie geplant sind nicht funktional im Umgang mit Kleinkindern. Hier wäre es sehr sinnvoll - Erzieher und Ihre Meinung anzuhören und auch ernst zu nehmen. So könnte etwas nachhaltiges und gewinnbringendes für all diese Kinder entstehen.
    Diese Beobachtung sollte bei einem 30MIo. Projekt der Gewofag mit einfliesen.

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