Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Georg Bichler am 09. Dezember 2013
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Mobilität und Verkehr

Verkehrsinfarkt rote Welle B304 Bereich Karlsfeld

Stauchaos auf der B304 Karlsfeld / München / Höhe MAN

Sehr geehrter Hr. Ude,

wie ich den Stadtratsbeschlüssen (2007) entnehmen kann, plädiert dieser für ein grüne (Ampel) Welle um den Verkehrsfluss nicht über Gebühr zu verzögern.
In Karlsfeld auf der B304 morgens kann ich leider nicht feststellen, dass hier die Ampeln entsprechend zugunsten eines zügigen Fahrzeugflusses in der früh zwischen 7 und 08:30 Uhr geschaltet sind. Wenn ich bei rot an einer Ampel stehe und dann bei grün losfahre, stehen die nächsten Ampel noch auf rot, d. h. man fährt schon auf das Stauende auf. Meines Erachtens wäre durch eine intelligente Ampelschaltung eine Verringerung des morgendlichen Staus verringerbar.
Auch Nächtens ist es auch nicht möglich eine "grüne Welle" mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit zu erreichen. Sie müssen mindestens vorschriftswidrige ca. 70 km /h fahren um ohne rote ampel nach München zu kommen. Auch Kollegen bemängeln das tägliche Staudrama und die nicht einleuchtende Ampelschaltung im morgendlichen Berufsverkehr.

Meine Bitte an Sie, stossen Sie die Verbesserung der Verkehrsflusses mit sinnvollen Ampelschaltungen an.
Laut dem Stadtratsbeschluss ist das gewünscht, aber leider nicht erkennbar. Dass es im Berufsverkehr eine Herausforderung ist, kann ich nachvollziehen. In der Nacht aber bei sehr wenig Verkehr, leider nicht.

Mit freundlichen Grüssen
Georg Bichler

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Antwort
von Christian Ude am 23. Januar 2014
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Bichler,

die von Ihnen beschriebene Problematik auf der Bundesstraße B304 bezieht sich aufgrund der Stadtgrenze zwischen München und Karlsfeld auf unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche.

Nördlich der Stadtgrenze ist das Landratsamt Dachau für die Lichtzeichenanlagen und deren Betreuung und Koordinierung zuständig.

Die Landeshauptstadt München bzw. das Kreisverwaltungsreferat hat die Verantwortung für die Ampeln innerhalb des Stadtgebietes, also im Bereich MAN ab dem Würmkanal in Richtung stadteinwärts. Die „Grüne Welle“ in der Dachauer Straße innerhalb des Stadtgebietes wurde im Herbst 2013 bezüglich der Koordinierung überprüft und optimiert. Aufgrund der tageszeitabhängigen gegenläufigen Verkehrsbelastungen ist die „Grüne Welle“ dort werktags von 5.30 bis 12 Uhr stadteinwärts und von 12 bis 21 Uhr stadtauswärts koordiniert.

Das Kreisverwaltungsreferat arbeitet seit vielen Jahren im Hauptstraßennetz systematisch an der Koordinierung der Lichtzeichenanlagen (LZA) mit dem Ziel, innerhalb eines Streckenzuges eine "Grüne Welle" zu erreichen. Dabei sind allerdings etliche Rahmenbedingungen zu beachten.

Die Art der einzelnen LZA variiert innerhalb einer "Grünen Welle" meist von einfachen Fußgängerschutzanlagen bis hin zu recht komplexen Anlagen mit jeweils höchst unterschiedlicher technischer Ausstattung - von einfachen Festzeitanlagen, die ihre Signalprogramme nur linear abarbeiten können, bis hin zu vollverkehrsabhängigen Anlagen (mit ÖPNV-Beeinflussung), die mittels Detektoren das augenblickliche Geschehen an einer Kreuzung erfassen und ihre Signalprogrammbearbeitung entsprechend variieren können.

Auch die verkehrstechnischen Gegebenheiten an den einzelnen Knoten sind höchst unterschiedlich. Je nach Verkehrsaufkommen bzw. Unfallgeschehen werden zum Teil sogenannte Dreiphasenregelungen eingesetzt. Dabei handelt es sich meistens um eine zusätzliche Grünphase, in der die Linksabbieger gesondert geführt werden.

Detaillierte Informationen, wie sich diese Gegebenheiten in einem historisch gewachsenen Straßennetz auf die Realisierbarkeit von „Grünen Wellen“ auswirken, finden Sie unter http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kreisverwa...

"Grüne Wellen" sind deshalb in der Regel nur richtungsabhängig zu realisieren. Es werden somit meist der Lastrichtung angepasste "Grüne Wellen" geschaltet, die z.B. den morgendlichen bzw. abendlichen Hauptverkehrsströmen angeglichen sind. Kraftfahrer, die "antizyklisch" fahren, haben deshalb meist das Nachsehen und laufen des Öfteren bei "Rot" auf.

Auch dann, wenn all die bisher aufgeführten Überlegungen berücksichtigt worden sind, ist das praktische Funktionieren einer "Grünen Welle" noch durch zahlreiche äußere Faktoren beeinflussbar. Voraussetzung für eine "Grüne Welle" ist auch, dass die Anzahl der Fahrspuren in der betrachteten Strecke unverändert bleibt. Dies trifft immer dann nicht mehr zu, wenn z.B. auf der Fahrbahn Ladevorgänge in zweiter Reihe abgewickelt werden.

Darüber hinaus hat auch eine optimal ausgelegte "Grüne Welle" nur so lange ihre Funktionsfähigkeit, so lange ihre Belastungsgrenze nicht überschritten wird. Wenn sich das Verkehrsaufkommen erhöht, kommt es unweigerlich zu Situationen, in denen eine "Grüne Welle" nicht mehr funktionieren kann, da der Straßenraum schlichtweg überlastet ist. Eine Grüne Welle funktioniert grundsätzlich nur bis zu einem Auslastungsgrad des Streckenzuges von ca. 80%. Bei höheren Verkehrsbelastungen ist eine „Grüne Welle“ trotz korrekter Koordinierung nicht mehr möglich, da sich während der Rotphase zu viele Fahrzeuge aus der Nebenrichtung an der vorgelagerten Kreuzung aufgestellt haben und diese erst den Streckenzug räumen müssen. Dies führt dazu, dass die Fahrzeuge aus der Hauptrichtung auf diesen Fahrzeugpulk auffahren und somit zum Abbremsen gezwungen werden. Hierdurch kann es vorkommen, dass die Fahrzeuge am Ende des „Grünbandes“ der Hauptrichtung den Folgeknoten nicht mehr im selben Umlauf passieren können. Gerade in den Spitzenstunden (morgens und abends) sind die Hauptverkehrsstraßen in München aber meist deutlich über 80% ausgelastet.

Sicherlich gibt es an verschiedenen Stellen noch Verbesserungspotentiale. Das Kreisverwaltungsreferat arbeitet deshalb an einem vom Stadtrat beschlossenen Arbeitsprogramm, um systematisch die Optimierung der „Grünen Wellen“ in München zu ermöglichen.

Ich hoffe, dass wir Ihnen mit den Ausführungen weiterhelfen konnten und bitten um Verständnis, dass die komplexen Zusammenhänge oft keine besseren Lösungen im Sinne der einzelnen Autofahrer zulassen.

Mit freundlichen Grüßen