Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor C. G am 29. April 2009
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Gesellschaft und Soziales

Verfügung von Hortplätzen

Sehr geehrter Herr Ude,

auch wir sind betroffen von dem Mangel an Betreuungsplätzen für Schulkinder nach der Unterrichtszeit.

Wie in vielen anderen Sprengeln ist die Situation für die Boschetsrieder Schule nicht anders, so dass trotz mehrer Betreuungseinrichtungen (Horte/ Mittagsbetreuung) die wenigen Plätz doppelt und dreifach belegt werden könnten.
Leider ist dieses Problem auch kein neues, jedes Jahr bekomme ich den Kampf um Hortplätze von Eltern mit, sei es im Kindergarten, Nachbarn oder von Bekannten und jedes mal ums neue sind es dann meist die Mütter die um ihre Arbeitsplätze sich sorgen, bzw. auch nicht wissen wie sie Ausbildung oder Studium erfolgreich beenden sollen.

Man hört viel von dem Ausbau von Krippenplätzen (was sicherlich sehr sinnvoll ist!), welcher aber zum Einem schwer zu verwirklichen ist, da es an Erziehern mangelt und zum Anderem frage ich mich nach dem Sinn, wenn berufstätige Eltern nach der Krippen- und Kindergartenzeit für ihre Kinder keine angemessenen Betreuungsplätze bekommen können, um so ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Ich denke auch das dieses Problem sich nur verschärfen kann, da in München es für die meisten Familien nicht möglich ist mit einem Einkommen "über die Runden" zu kommen.

Mich interessiert sehr wie Stadt, Schulamt zu diesem Problem Stellung bezieht, bzw. wie dieses Problem angegangen wird und/ oder wie die Kommunikation von zuständigen Ämtern zu den Betroffenen sich gestaltet. Da leider hierzu nichts öffentlich bekannt wird, um so mehr freue ich mich, dass nun hier in verschiedenen Facetten über dieses Thema berichtet wird!

Mit freundlichen Grüßen

Carmen Günzel

+22

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Antwort
von Christian Ude am 14. Juli 2009
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Günzel,

die Sorge, ob sie für ihre Kinder einen Betreuungsplatz haben werden, beschäftigt zur Zeit viele Eltern. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Grundschulkinder ist in den letzten Jahren in München sprunghaft angestiegen. Die Landeshauptstadt nimmt diesen Bedarf ihrer Bürgerinnen und Bürger sehr ernst und ist bestrebt, alles zu tun, um so schnell wie möglich viele Betreuungsplätze bereit zu stellen.

Von den insgesamt 13.674 vorhandenen Plätzen für Grundschulkinder werden 11.510 - also der Löwenanteil - von städtischen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Die Landeshauptstadt bietet im Landesvergleich 34% aller Hortplätze in Bayern und steht damit weit an der Spitze. Allein in den letzten fünf Jahren wurden rund 2.350 neue Hort- und Tagesheimplätze geschaffen. Der Stadtrat hat außerdem bereits für den Zeitraum bis 2012 die notwendigen Mittel für die Schaffung von weiteren 3.200 Betreuungsplätzen bereitgestellt.

Aus diesen Zahlen ist zu sehen, dass die Stadt auf diesem Gebiet große Anstrengungen unternimmt. Bauplanung und Durchführung beanspruchen allerdings Zeit. Schwierigkeiten ergeben sich oft schon bei der Bestimmung eines geeigneten Standorts. Aus verständlichen Gründen kommen nur Standorte in Betracht, die in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Schule liegen. Ein geeigneter Platz auf dem Schulgelände ist jedoch aufgrund der bauplanerischen Vorschriften (z.B. Abstandsflächen) nicht immer vorhanden. Man kann auch nicht einfach Klassenräume nutzen, da diese zum einen für den Schulbetrieb benötigt werden, zum anderen verlangen die gesetzlichen Vorschriften, dass der Hortbereich von der übrigen Schule räumlich getrennt werden kann.

Trotz dieser Schwierigkeiten treibt die Stadt den Ausbau des Betreuungsangebots voran. Durch den Bau von Pavillons konnte die Bauzeit in vielen Fällen erheblich verkürzt werden. Neben den langfristigen Planungen bemüht sich die Stadt, auch kurzfristig durch zusätzliche Sofort-Maßnahmen Plätze zu schaffen. Auf diese Weise konnten für das kommende Schuljahr durch Anbauten, Einrichtung von befristeten Gruppen oder „Kombigruppen“ (Kindergarten- und Hortkinder in einer Gruppe) bereits vor der erwarteten starken Nachfrage an sechs Hortstandorten insgesamt 173 zusätzliche Betreuungsplätze für Grundschulkinder geschaffen werden.

Daneben gibt es auch das Angebot der Mittagsbetreuung an Schulen, das in der Regel von privaten Elterninitiativen organisiert wird. Stadtweit fördert das Schulreferat im laufenden Schuljahr hier 434 Gruppen, indem es u.a. Zuschüsse leistet, Sachleistungen sowie laufende Betriebskosten finanziert und kostenfrei Aufenthaltsräume zur Verfügung stellt.

Die bedarfsgerechte Betreuung und Förderung der Kinder in den staatlichen Grundschulen kann jedoch nicht allein Aufgabe der Kommune sein. Auch der Freistaat ist gefordert, mehr Ganztagszüge an Grundschulen einzurichten und die Eltern stärker als bisher zu unterstützen. Derzeit gibt es an den 131 Münchner Grundschulen nur drei Ganztagszüge, für das kommende Schuljahr sollen sechs neue Züge - beginnend von Jahrgangsstufe 1 - aufgebaut werden. Das heißt jedoch nicht, dass es ab Herbst 2009 neun Ganztagsgrundschulen geben wird. Der Begriff „Ganztagszug“ bedeutet lediglich, dass an einer Schule eine Klasse von Jahrgangsstufe 1 – 4 im Ganztagsbetrieb geführt wird. Die sechs geplanten neuen Standorte beginnen im September erst mit Klasse 1 und werden ihren Ganztagszug dann Jahr um Jahr bis Klasse 4 aufbauen.

Im Sprengel der Boschetsrieder Straße gibt es derzeit zwei Horte mit insgesamt 115 Plätzen. Damit liegt der Hortversorgungsgrad aktuell bei 43 %. Bezogen auf den Hortversorgungsgrad im gesamten Stadtgebiet (36 %) und auch im Vergleich zum gesamten 19. Stadtbezirk (28 %) ist das Platzangebot also relativ hoch. Dennoch wurden die Möglichkeiten einer kurzfristigen Erweiterung überprüft. Aufgrund gestiegener Schülerzahlen stehen momentan keine entsprechenden Räume zur Verfügung. Langfristig sieht die Stadt jedoch vor, die Grundschule an der Boschetsrieder Straße auszubauen, um ein ausreichendes Angebot an Hortplätzen zur Verfügung stellen zu können.
Derzeit werden zudem 95 Schülerinnen und Schüler in fünf Gruppen im Rahmen einer Mittagsbetreuung versorgt. Auch ein Ausbau der Mittagsbetreuung ist kurzfristig leider nicht möglich, da kein weiterer von der Elterninitiative akzeptierter Betreuungsraum vorhanden ist. Die Schulleitung bemüht sich um eine Lösung, allerdings wäre die Erweiterung mit einer Baumaßnahme verbunden und nimmt Zeit in Anspruch. Das Schul- und Kultusreferat unterstützt die Schulleitung bei ihren Bemühungen.