Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Aliki Machaira am 08. März 2013
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Gesellschaft und Soziales

Studiengebühren vs. Krippengebühren

Sehr geehrter Herr Ude,

ich möchte Ihnen eine Frage stellen, zu der ich von Ihnen gerne eine gute Antwort hätte.

Warum ist es einem Studenten nicht zumutbar, einen Betrag von max. 83,- € monatlich für seine Bildung zu bezahlen, zumal er sowohl in der Lage ist als auch es als seine Pflicht sehen sollte, arbeiten zu gehen, damit er sein Studium finanziert?

Warum ist es jedoch einer Mutter zumutbar, sich eine Wohnung im teuren München zu leisten, sonst für sich und ihre Familie zu sorgen und zudem auch ihr Kind/ihrer Kinder einen Kinderkrippen- bzw. Kindergartenplatz zu verschaffen (oder besser gesagt herzaubern?) bei einem staatlichen "Zuschuss" (Elterngeld) von nur bis zu 67%? Wird dadurch einer Mutter unterstellt, dass sie im Gegensatz zu einem Studenten in der Lage ist, arbeiten zu gehen, um mehr Geld für ihren eigenen sowie für den Unterhalt der Kinder zu verdienen? Wohl kaum.

Ich bin eine verzweifelte junge Mutter. Mein Sohn Valentin, 3 Monate alt, soll ab September 2013 eine KiTa besuchen, da ich meine berufliche Tätigkeit wieder aufnehme, nicht nur weil ich es will und dem Staat dadurch etwas beisteuern möchte (sowohl finanziell als auch praktisch) sondern weil ich nicht auf Kosten anderer bzw. des Staates leben will.

Nun stellt sich für mich folgendes Problem, wofür ich keine Lösung sehe: Wie soll ich diesen Platz für mein Kind finanzieren? Städtische KiTas haben eine Wartezeit von 1-2 1/2 Jahren und komischerweise darf man das Kind erst nach Geburt dort überhaupt anmelden (kommt irgendwie nicht hin mit der Berechnung, oder wie sehen Sie das?!). Also wird man gezwungen, sich nach einer privaten Einrichtung umzuschauen. Bei einer Vollzeitbeschäftigung (40 Stunden/Woche) muss man aber entsprechend nach einem Vollzeitplatz suchen (40-50 Stunden/Woche). Kennen Sie sich mit den Preisen der privaten Einrichtungen aus? Diese bewegen sich nicht unter 700-900 Euro bei einem solchen Platz. Und überhaupt besteht kaum eine Chance, einen solchen Platz im Stadtteil, wo man wohnt, zu finden.

Nun meine Frage an Sie: Wie soll man das schaffen? Wie sollen Eltern in München bei Mietpreisen von bis zu 2.000 Euro für eine 3-4 Zimmer-Wohnung auch noch solche Gebühren stemmen? Bedeutet dies, dass man ein Minimum von 3.000-3.5000 nur für Fixausgaben benötigt, damit man in München "überleben" kann?

Mir ist bewusst, dass private Träger die Gebühren selber bestimmen können, wobei ich mich trotzdem fragen muss, warum der Staat auch da nicht in irgendeiner Weise intervenieren kann? Wie wäre es mit vorsorgen? Anstatt z.B. ein Elterngeld von 65%-67% zu gewähren, warum nicht 100%, insbesondere wenn die Mutter bzw. der Elternteil nicht die volle Elternzeit in Anspruch nimmt? In dieser Zeit könnte man ruhig etwas zur Seite legen und später für das Kind und die jeweilige Einrichtung ausgeben. Warum soll einem 20-jährigen Studenten wiederum insofern entgegengekommen werden, dass er nichts für seinen Studienplatz zahlen muss, der eigentlich in der Lage ist, arbeiten zu gehen, und einer Mutter nicht? Warum muss man bei den städtischen Einrichtungen überhaupt etwas zahlen? Finden Sie das gerecht? Warum kann überhaupt nicht noch mehr im Bereicht Bildung und Erziehung investiert werden, und zwar was Eltern und kleine Kinder angeht, nicht Studenten? Dass Eltern ab 2013 ein KiTa-Platz gewährleistet wird, bedeutet nicht, dass dieser finanzierbar, zu dem gewünschten Zeitpunkt buchbar oder in der Nähe des Elternhauses ist!

Ich liebe München und möchte noch viele Jahre in dieser Stadt verbringen, für die ich meine Heimat vor 13 Jahren aufgegeben habe. Bald wird es aber leider so sein, dass Sie meine Heimat öfter sehen können als ich, wenn die Lage so bleibt und nicht auch hier eine Lösung herbeigeführt wird.

Ich hoffe auf Ihr Verständnis und Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen,
AM

+109

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Antwort
von Christian Ude am 26. August 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Machaira,

lassen Sie mich zunächst feststellen, dass ich wenig davon halte, einzelne gesellschaftliche Bereiche gegeneinander aufzurechnen – wie hier von Ihnen die Berufsausbildung gegen die Kinderbetreuung. Ich bin sicher, dass auch Sie sich für Ihren Sohn wünschen, dass er später einmal eine faire Chance hat, den Beruf zu wählen, der seinen Fähigkeiten entspricht – und nicht dem Geldbeutel seiner Eltern.

Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik kann es nur sein, in allen Lebensbereichen sach- und bedarfsgerechte Rahmenbedingungen zu schaffen.

Der Ausbau der Kinderbetreuung ist dabei ein zentrales Anliegen der Stadt. In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Plätze ganz erheblich erhöht.

In München gibt es aktuell über 82.000 Betreuungsplätze für Kinder in Krippen, Kindergärten, Horten, Tagesheimen und sonstigen ganztägigen Betreuungs- angeboten für Schulkinder, Eltern-Kind-Initiativen und bei Tageseltern. Plätze in nicht-städtischen Einrichtungen werden von der Stadt über die gesetzliche Verpflichtung hinaus gefördert. Und die Stadt wird auch weiterhin massiv in den Ausbau der Kinderbetreuung investieren: Insgesamt sind im städtischen Mehrjahresinvestitionsprogramm 2011 - 2015 rund 340 Mio. Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen.

Was die Betreuung Ihres Sohnes betrifft, rate ich Ihnen, sich an die Servicestelle U3 zu wenden, die eigens eingerichtet wurde als Angebot für Eltern, die im regulären Anmeldeverfahren keinen Platz für ihr unter dreijähriges Kind bekommen haben. Die Servicestelle U3 in der Bayerstraße 28 erreichen Sie unter Telefon 2 33-9 67 71 oder per Mail unter kita-eltern@muenchen.de.

Ich habe die Servicestelle erst vor kurzem selbst besucht und war sehr beeindruckt, wie intensiv – und erfolgreich – hier gearbeitet wird. So konnte allen Familien, die sich an die Servicestelle gewandt hatten, ein Platzangebot bis spätestens Ende 2013 gemacht werden. Und die Gebühren der angebotenen Plätze sind so hoch wie in den städtischen Einrichtungen und haben eine einkommensorientierte Staffelung.

Aufgrund der sozialen Staffelung der städtischen Kita-Gebühren zahlt übrigens rund ein Drittel der Eltern überhaupt keine Gebühren, ein weiteres Drittel erhält einen ermäßigten Satz und nur ein Drittel zahlt den vollen Anteil – der allerdings auch bei weitem nicht kostendeckend ist.

Sollten Sie sich selbst informieren wollen, finden Sie unter http://www.muenchen.de/kita eine Übersicht aller städtischen und nichtstädtischen Einrichtungen.

Informationen zu Eltern-Kind-Initiativen als weitere Betreuungsmöglichkeit erhalten Sie im Internet unter http://www.elterninitiativen-muenchen.de bzw. unter Tel. 233 – 844 50.

Vielleicht kommt auch eine Betreuung durch Tageseltern infrage. Zur Erleichterung der Suche nach Tageseltern ist eine „Tagesbetreuungsbörse“ in mehreren der Münchner Sozialbürgerhäuser eingerichtet – unter http://www.muenchen.de/dienstleistungsfinder/muenchen/106... gibt es hierzu weitere Informationen.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Ude


Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Frank F
    am 29. April 2013
    1.

    Kann das sehr gut nachvollziehen. Bin Vater in Elternzeit und dachte meinen Sohn in dieser Zeit an die Krippe eingewöhnen zu können.
    Wurden aber von mehreren städtischen Kitas (trotz Anmeldung im 2. Schwangerschaftsmonat) abgelehnt und betteln nun um Zuschüße für einen privaten Platz. Obwohl man berufstätig ist und dem Staat Geld in Form von Steuern zahlt, reicht es nicht für Wohnung und Kita.
    Achja, leben wollten wir eigentlich auch noch.
    In diesem Sinne....bye

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