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Beantwortet
Autor H. B. am 15. Mai 2009
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Bildung und Kultur

Streik in den Kindertagesstätten

Sehr geehrter Herr Ude,

mit meinem Anliegen wende ich mich an Sie im Namen des Elternbeirats der Kinderkrippe Mondstraße und spreche sicherlich für sehr viele betroffene Eltern.
Wenn es zu den von ver.di für die nächste Zeit angedrohten Streiks oder sogar zum unbefristeten Streik in den Kindertagesstätten kommt, sind wir als berufstätige Eltern die Leidtragenden. Wir haben Verständnis für die Forderungen der Erzieher/innen nach einem Gesundheitstarifvertrag und höheren Gehältern, damit die Erzieher/innen unsere Kinder auch in Zukunft qualifiziert und professionell betreuen können. Doch unsere Arbeitgeber und Auftraggeber werden für Arbeitsausfälle unsererseits aufgrund der Streiks mit Sicherheit kein Verständnis aufbringen. Auf die Hilfe von Großeltern, Bekannten etc. kann nicht jeder zurückgreifen, Urlaubstage sind beschränkt und die Kosten für eine Tagesmutter o.ä. zusätzlich zu den Kita-Gebühren dürfte sich kaum jemand leisten können.
Wir berufstätigen Eltern sind auf die Betreuung in den Kindertagesstätten angewiesen, haben unsere Arbeitszeiten dementsprechend eingeplant und zahlen schließlich auch nicht unerhebliche Gebühren. Deshalb erscheint es nicht fair, dass dieser Arbeitskampf auf dem Rücken der Eltern ausgetragen wird.
Können Sie sich dafür einsetzen, dass den Erzieher/innen ein vernünftiges Angebot unterbreitet wird und somit die drohenden Streiks noch abgewendet werden können? Für eine Stellungnahme wären wir Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

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Antwort
von Christian Ude am 23. Juni 2009
Christian Ude

Sehr geehrte Frau B.,

ich habe Verständnis für die Erzieherinnen und Erzieher, die ihren Beruf aufgewertet wissen wollen. Eine Verbesserung der frühkindlichen Erziehung und Bildung ist aus Sicht der Arbeitgeber von hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung. Auch über eine höhere Entlohnung wird man reden können, so wie sie die kommunalen Arbeitgeber in den aktuellen Tarifverhandlungen ausdrücklich angeboten haben. Darüber hinaus haben die kommunalen Arbeitgeber ebenso wie die Beschäftigten ein hohes Interesse an gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen in den Kindertageseinrichtungen.

Umso weniger habe ich Verständnis dafür, dass die Gewerkschaften das Angebot zur Annäherung der unterschiedlichen Positionen durch weiterführende Gespräche Ende Mai abgelehnt haben. Die von den Gewerkschaften initiierten Streiks sind zum jetzigen Zeitpunkt völlig unnötig, weil die Arbeitgeber Verhandlungen über den Gesundheitsschutz nicht abgelehnt haben. In den parallel laufenden Tarifverhandlungen zur Frage der Bezahlung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst besteht darüber hinaus Friedenspflicht, d. h. es besteht Streikverbot, weil die entsprechenden Tarifverträge nicht gekündigt sind. Dennoch haben die Arbeitgeber zur Verbesserung der Gehaltsstruktur bereits ein Angebot vorgelegt.

Streiks nützen niemandem, sondern bereiten den Eltern nur unnötige Probleme bei der Kinderbetreuung. Lösungen sollten am Verhandlungstisch gesucht werden. Dazu haben die kommunalen Arbeitgeber immer ihre Bereitschaft signalisiert. Der Streik muss in der Auseinandersetzung zwischen den Tarifvertragsparteien immer das letzte Mittel bleiben, insbesondere in einem so sensiblen Bereich, wo Sie als Eltern und ihre Kinder massiv betroffen sind.

Die Gewerkschaften sind im Interesse der betroffenen Eltern und Kinder aufgefordert, endlich zu ergebnisorientierten Tarifverhandlungen ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ohne die von den Gewerkschaften verweigerten gemeinsamen Gespräche zwischen den Tarifvertragsparteien lässt sich dieser Konflikt nicht lösen.