Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Hermann F. Latka am 29. Mai 2009
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Bildung und Kultur

Stolpersteindebatte

Sehr geehrter Herr Ude,

ich verfolge seit längerem die Stolpersteindebattte in München (die es in sehr vielen Städten in Deutschland und in Europa von Dänemark bis Italien und von Holland bis Ungarn kaum gibt, weil sie die Gedenksteine einfach zahlreich verlegen lassen), und ich kenne Ihre (und auch Charlotte Knoblochs) ablehnende Meinung. Mag sein, dass Ihnen das Anliegen längst zum Hals heraus hängt. Dennoch würde ich gerne besser verstehen, was wirklich Ihre ganz persönliche Meinung zu den Stolpersteinen ist. Ich verstehe weder diese noch die politischen Zusammenhänge, die Sie zu berücksichtigen haben.

Sicher wäre bei einer Zulassung der Stolpersteine auch in München eine erschreckende Vielzahl dieser Dokumente früherer Mitbürger in München zu erwarten. Dass die Münchner Bürger dafür reif wären, zeigte ihr riesiges Interesse bei der Eröffnung der Ohel-Jakob-Synagoge. Dass das Andenken der Holokaustopfer mit Füßen getreten würde? Als mir jüngst auf einer Reise nahe meinem Hotel in Wien eine ähnliche kleine Platte entgegen glänzte, machte sie mich neugierig, und um sie lesen zu können, musste ich mich verneigen - und dies nicht nur physisch. Und ich las dann keine abstrakte und tausendfach abgeleierte Statistik (6 Mio...), sondern wurde drüber informiert: Genau hier wurden Menschen aus ihrem Alltagsleben gerissen, mitten unter den Wienern dieses Stadtteils. Und es hat mich sehr berührt. Warum solches nicht auch bei uns in München, in Schwabing, auch in der Kaiserstraße. Warum? Ich bitte Sie und alle beteiligten und verantwortlichen Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht nur politisches Kalkül zu verfolgen (das zuweilen ja auch sehr wichtig ist), sondern auch Ihr Herz zu öffnen. München brauchte sich nicht zu schämen. Jetzt scheint es verschämt zu sein und scheint in meinen Augen eine sehr wichtige Arbeit zu verdrängen. Das wird einen Preis kosten.

In der Hoffnung und mi der Bitte, dass Sie mir eine kleine Weile Ihrer Arbeitszeit für eine Antwort schenken verbleibe ich in großem Respekt

Hermann F. Latka (München-Schwabing)

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