Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Corina Nikol am 26. Juli 2013
7656 Leser · 183 Stimmen (-17 / +166) · 2 Kommentare

Sonstige

Schwerbehindert 70% GdB (w/48Jahre) schon 100% abgeschrieben?

Sehr geehrter Herr Ude,
Ein Mensch, in dem Falle meine Freundin, mit einer Behinderung hat es von Haus aus schon schwer. Sei es in der Öffentlichkeit und noch extremer im Berufsleben, sofern ein Job vorhanden . Mir tut es so weh , wenn ich seh mit welchen Einsatz und eisernen Willen nach Arbeit , Sie täglich mehrere Bewerbungen verschickt (natürlich mit hohen finanziellen Aufwand) sowie Telefonate führt und stets negatives Feedback bekommt .Seitens des Arbeitsamtes seh ich keine große Stütze-leider! ( Da war ich selbst vor Ort um mir ein Bild zu machen)

Nun Frage ich Sie , ist unsere Landeshauptstadt bzw. deren Arbeitgeber so desinteressiert an Menschen mit Behinderung oder werden die Stellen für Behinderte nur erwähnt in den Stellenausschreibungen ohne berücksichtigt zu werden?
Oder steht in Ihren Büros ein Platz für Behinderte zur Verfügung?

Eine Arbeit im Archiv würde Monika ,48 Jahre,mit 70% GdB, zu 100% zusagen und auch umgesetzt.( bereits mehrere Jahre Erfahrung)

Danke für Ihre Antwort!

Diese Situation versetzt selbst mich in leichte Depressionen, wobei ich mir selbst helfen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Corina Nikol

+149

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Antwort
von Christian Ude am 24. Oktober 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Nikol,

Ihr Engagement für Ihre Freundin beeindruckt mich sehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass deren Lebenssituation für sie sehr belastend ist. Noch dazu, wenn man nichts unversucht lässt, nach einem unverschuldeten Ausscheiden aus dem Arbeitsleben wieder in Arbeit zu kommen, das Ergebnis aber eine Absage nach der anderen ist.

Als Oberbürgermeister werde ich sehr oft mit den Schwierigkeiten benach- teiligter Menschen oder auch Gruppen konfrontiert. Auch mit der Frage, „ob es nicht einen Platz bei der Münchner Stadtverwaltung gibt?“.

Als Arbeitgeberin ist die Stadt schon lange sehr bemüht, Menschen mit einer Behinderung die gleichen Chancen wie Menschen ohne Behinderung zu bieten, wenn eine Stelle zu besetzen ist. Deshalb verwenden wir bereits seit Jahren mit der Zustimmung des Münchner Stadtrates bei allen Stellenaus- schreibungen den von Ihnen bereits zitierten Schwerbehindertenzusatz. Und dass dieser Zusatz nicht eine reine Alibi-Funktion hat, sondern eine klare Absichtserklärung ist, zeigt unsere Schwerbehindertenquote von über 7,4 Prozent. Damit liegt die Stadt München nicht nur deutlich über der gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtquote von fünf Prozent, sondern auch bundesweit mit an der Spitze der Kommunen, die versuchen Inklusion vorzuleben.

Ihre Hoffnung auf ein Arbeitsplatz-Kontingent für benachteiligte Gruppen muss ich leider enttäuschen. Ihre Freundin kann sich jederzeit bei uns bewerben. Bei allem Verständnis und einer sehr wohlwollenden Integrationsvereinbarung mit unseren schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind auch wir an gesetzliche Vorschriften gebunden, nämlich an den „Grundsatz der Besten- auslese“. Dieser sieht vor, dass schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber nur bei gleicher Eignung unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles bevorzugt werden dürfen. Das garantiert, dass auch Andere in einem Stellenbesetzungsverfahren nicht benachteiligt werden.

Jede Stelle, die neu besetzt wird, wird mit einem Anforderungsprofil ausge- schrieben. Zum Bewerbungsverfahren können alle zugelassen werden, die diese Anforderungen erfüllen. Hier sieht das Grundgesetz als zwingende Kriterien „Eignung, Befähigung und fachliche Leistung“ vor. Im Falle einer zulässigen Bewerbung wird jede und jeder Schwerbehinderte zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, egal, auf welchen Platz sie oder er aufgrund der Bewerbung eingestuft wurde. Bei den Vorstellungsrunden ist dann immer ein Mitglied der Schwerbehindertenvertretung vertreten.

Leider haben Sie nichts zu den beruflichen Qualifikationen Ihrer Freundin geschrieben, was es uns schwer macht, einzuschätzen, ob bei den derzeit laufenden Stellenangeboten der Stadt für Ihre Freundin etwas dabei sein könnte. Sie findet unsere Ausschreibungen unter www.muenchen.de/stellen. Für Rückfragen findet Sie dort die jeweiligen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.

Ich hoffe, Ihr Engagement und auch der bewundernswerte Wille Ihrer Freundin wird bald von Erfolg gekrönt.

Alles Gute


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Dana Girstl
    am 28. Juli 2013
    1.

    Sehr geehrter Herr Ude,
    ich kenne die Dame gut, die keinen Job findet. Sie ist engagiert und immer stets bemüht ihre Aufgabe bestens zu erledigen. Es ist traurig das sie keinen Job findet obwohl sie sich reglich darum bemüht. Obwohl sie niemals die Hoffnung aufgibt muss die Situation für sie frustrierend sein. Es ist traurig das der Arbeitsmarkt für Menschen wie sie keine Chance bietet. Menschen die trotz Behinderung ambitioniert sind und willig sind zu arbeiten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dana Girstl

  2. Autor Monika Schmid
    am 29. Juli 2013
    2.

    Sehr geehrter Herr Ude,
    auch ich weiß von der großen Not der Dame übrigens eine echte Münchnerin, daß sie seit 6 Jahren mit sehr großem Eifer und hohe finanzielle Kosten einen festen Arbeitsplatz in der Stadt München verzweifelt sucht. Es muß doch in dem großen Verwaltungsapperat der Stadt München für eine Person mit 48 Jahren und einer Behinderung die man nicht sieht, eine anständige Arbeitsstelle geben. Diese Dame hat ausgezeichnete Arbeitszeugnisse und hat leider durch eine Standortschliessung einer großen Bank Ihren Arbeitsplatz verloren. Die Bearbeitung der elektronische Akte zum Beispiel, wäre fast Ihr Hobby. Ich bitte Sie von Herzen sich persönlich diesen Fall anzunehmen, bevor die Dame eine Harz 4 Empängerin wird, denn das würde Ihr das Herz brechen. Vielen Dank im voraus.

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