Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Sabine Kiermaier am 09. Juni 2011
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Planen und Bauen

Schwabinger Sieben

Sehr geehrter Herr Ude,
mit dem geplanten Abriss des Hauses in welchem sich die Schwabinger 7 befindet, eine Ihnen sicher bekannte Kneipe in München, geht wieder mal ein Stück vom alten München verloren. In dieser Stadt soll alles, was nicht optimale Raumnutzung im Sinne von maximal viel Gewerbe- und Wohnfläche und somit finanziellen Gewinn bedeutet, abgerissen werden. Die Stadt verliert ihren Charme, soziale Funktionen, die solche Kneipen wie die Schwabinger 7 auch in München erfüllen, können und sollen wohl auch nicht ersetzt werden. Man hat den Eindruck, dass es hier nur noch ums Geld geht, alles andere ist sekundär, und das ist traurig und stimmt sehr ärgerlich! Soll München ein Finanz- und Gewerbeplatz mit Luxuswohnungen und ein paar in-Kneipen werden?

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Antwort
von Christian Ude am 05. Oktober 2011
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Kiermaier

unbestritten hatte die „Schwabinger 7“, für deren Erhalt Sie sich einsetzten, einen Kultstatus bei ihren Stammgästen. Für das Bauvorhaben, dem sie weichen musste, ist der private Grundstückseigentümer zuständig, nicht das Rathaus, das an die rechtlichen Vorgaben gebunden ist. Für eine Beseitigung des dort vorhandenen Baurechts, das übrigens älter ist als die Bundesrepublik Deutschland, gab es keinerlei rechtliche Handhabe.

Außerdem hätte der Wunsch, diese Kneipe zu erhalten, auch den Verzicht auf den geplanten Bau von 30 Wohnungen bedeutet. Da stellt sich doch die Frage, ob die Verhinderung von Wohnungsneubau wirklich ein geeignetes Instrument zur Bekämpfung des Wohnungsmangels sein kann! Soll der jahrzehntelange Kampf der Stadt München gegen die Vertreibung und Verdrängung von Altbaumietern jetzt tatsächlich ins Gegenteil verkehrt werden, indem die Nachfrage besserverdienender und vermögender Bevölkerungsgruppen durch die Verhinderung sogenannter Luxusneubauten wieder auf die Altbausubstanz konzentriert wird?. Ich meine Nein. Übrigens wurden in meiner Amtszeit bislang über 100.000 Wohnungen neu gebaut und nur wenige davon kann man als „Luxuswohnraum“ bezeichnen. Die städtischen Wohnungsbaugesellschaften sorgen mit über 60.000 Wohnungen für erschwinglichen Wohnraum für untere Einkommensgruppen.

Für und in der „Schwabinger 7“ geht das Leben derweil weiter - nur wenige Meter vom alten Standort entfernt in Hausnummer 15, der ehemaligen „Gummizelle“. „Am Ende war es fast wie „drüben““, schrieb die tz nach der Wiedereröffnung...

Mit freundlichen Grüßen