Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Bettina Brömme am 18. April 2011
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Gesellschaft und Soziales

Schule ja - Betreuung nein!

Sehr geehrter Herr Ude,
jedes Jahr um diese Zeit erhalten Sie die Anfragen von besorgten, verzweifelten, empörten und wütenden Eltern, weil für das kommende Schuljahr die Erstklässler ohne genügend Nachmittagsbetreuungsplätze dastehen. In diesem Jahr ist also der Jahrgang 2004/2005 dran und - was für ein Wunder - wieder gibt es nicht genügend Plätze. An unserer Sprengel-Schule, der Astrid-Lindgren-Schule in Deutschlands kinderreichstem Stadtviertel, der Messestadt Riem werden 180-230 Erstklässler erwartet. Das Tagesheim kann 25 Plätze anbieten, die Nachmittagsbetreuung des Fameri 5 Plätze und auch der Hort nimmt nur noch ein paar Geschwisterkinder.
Damit sich unsere Familie das teure Leben im schönen München weiter erlauben kann, möchten wir nicht nur, sondern müssen wir Eltern arbeiten. Und vielleicht sind Sie auch an der Steuer interessiert, die wir bezahlen. Doch das alles wird sehr fragwürdig, weil unser Sohn jeden Mittag um halb zwölf vor der Haustür stehen wird. Es kann doch nicht sein, dass man einen neuen Stadtteil für 16.000 Menschen plant, vornehmlich Familien, und nicht ausreichend Betreuungseinrichtungen schafft. Und in den nächsten Jahren wird das Problem sich garantiert nicht von selbst auflösen, sondern schlimmer werden. Wo also geht mein Sohn ab September um 11.25 Uhr hin? Was tut die Stadt, um ihre Bürger nicht allein zu lassen? Ich werde dem Kultusministerium die selben Fragen zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Bettina Brömme

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Antwort
von Christian Ude am 30. Juni 2011
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Brömme,

im Stadtteil Riem bietet die Grundschule an der Lehrer-Wirth-Straße einen Ganztagszug an. Eventuell wäre ein Gastschulantrag eine Lösung für Sie. Eine weitere Möglichkeit wären die Kindertagesstätten an der Michael-Ende-Straße 26 und an der Astrid-Lindgren-Straße 8. Sie können Ihr Kind selbstverständlich auch jetzt noch an den städtischen Kindertagesstätten in Ihrer Nachbarschaft vormerken lassen bzw. es auch für das kommende Tageseinrichtungsjahr anmelden. Bei Vorliegen der Voraussetzungen kann Ihrem Kind ggf. im satzungsgemäßen Nachrückverfahren ein Platz angeboten werden.

In München liegt der Grad der Versorgung von Grundschulkindern mit ganztägigen Betreuungsmöglichkeiten aktuell bei 66%. Wir wissen, dass die Nachfrage nach Plätzen stetig ansteigt. Die Stadt hat sich deshalb für ihr Ausbauprogramm ein Versorgungsziel von 80% gesetzt. Dabei sind alle vier Säulen der ganztägigen Betreuung von Grundschulkindern in den Blick zu nehmen: Mittagsbetreuungen, Horte, Tagesheime und Ganztagsklassen an den Grundschulen.

Die Lösung des Problems der fehlenden Betreuungsplätze ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die alle angeht. Die Realisierung von ausreichenden ganztägigen Betreuungsplätzen liegt in der Gesamtverantwortung aller beteiligten Akteure. Die Landeshauptstadt München versorgt mit ihren städtischen Horten und Tagesheimen rund 33% der Münchner Kinder im Grundschulalter. Die von Elterninitiativen geführten Mittagsbetreuungen bieten Plätze für rund 23% der Kinder. Das Angebot an Ganztagsklassen an den staatlichen Grundschulen dagegen reicht derzeit nur für rund 2% der Münchner Kinder im Grundschulalter. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus ist deshalb gefordert, das Ganztagsangebot der Grundschulen in München weiter auszubauen. Das Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt unterstützt mit der eigens eingerichteten Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung die Münchner Grundschulen bei der Entwicklung von Ganztagsangeboten.

Mit freundlichen Grüßen