Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Martin Höger am 31. Oktober 2013
8138 Leser · 102 Stimmen (-6 / +96) · 4 Kommentare

Gesellschaft und Soziales

Sauberkeit auf Münchens Straßen und Plätzen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ude,

ich habe viele Städte dieser Welt gesehen und kann sagen, dass die Lebensqualität in München mit am höchsten ist.

Doch auch wenn diese schöne Stadt im Vergleich zu anderen Städten sehr sauber ist, frage ich mich oft, ob es überhaupt sein muss, dass Dreck auf den Straßen und Plätzen liegt, dass Leute achtlos auf die Straße spucken, ihre Zigaretten und Kaugummis achtlos wegwerfen, Glasscherben auf Radwegen liegen und tlw. ekelerregende Dinge zu entdecken sind (z. B. Drogenspritzen, Kondome - insb. in Bahnhofsnähe, alter botanischer Garten u. Sendlinger Tor etc.).

Weshalb kann man nicht, ähnlich wie z. B. in Singapur, derartiges Verhalten als Ordnungswidrigkeit rigoros ahnden bzw. mittels empfindlicher Strafen sanktionieren? Meines Erachtens würde hierfür auch nicht mehr Personal benötigt. Alleine ein neu entwickeltes Bewusstsein des Einzelnen, dass man bei o. g. Verhalten von zufällig in der Nähe stehenden Polizisten, städtischen Ordnungshütern oder auch Mitbürgern beobachtet und auch belangt werden könnte, würde meines Erachtens bereits helfen.

Ich bin sicher, dass die meisten Mitbürger eine noch sauberere Stadt begrüßen würden. Und München könnte zudem einmal mehr eine Vorreiterrolle in Deutschland und vllt. sogar weltweit spielen. Könnten Sie sich vorstellen, sich hierfür einzusetzen?

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

M. Höger

+90

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Antwort
von Christian Ude am 23. Januar 2014
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Höger,

ich teile Ihren Unmut über solch ärgerliches, rücksichtsloses Verhalten, das selbstverständlich als Ordnungswidrigkeit gemäß der Reinhaltungs-Verordnung geahndet werden kann. In der Regel sind hier Bußgelder von 15 bis 75 Euro fällig; die maximale, durch Gesetz so bestimmte Höhe bei ganz besonders schweren Verstößen und mehrfachen Wiederholungstätern beträgt 1.000 Euro.

In Singapur wird, was man weltweit unter dem Begriff „Littering“ zusammen- fasst, nicht nur mit hohen Geldbußen geahndet, sondern u.U. gar mit drakonischen Prügelstrafen oder öffentlicher Demütigung. Das widerspricht nicht nur unserem Verständnis von Menschenwürde und Persönlichkeits- rechten; es widerspricht auch dem westlichen Wertekanon, der individuelle Freiheit vor Kontrolle und Überwachung stellt.

Nach unserer Erfahrung ist es wichtig und auch erfolgreich, hier eigenverantwortliches Handeln und bürgerschaftliches Engagement zu fördern. Die Stadt verfolgt deshalb weiter beharrlich ihr Ziel, mit einer sachlichen und problembewussten Öffentlichkeitsarbeit möglichst Viele anzusprechen, aufzuklären und für ein verantwortungs- und rücksichtsvolles Verhalten zu sensibilisieren.

Mit freundlichen Grüßen


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  1. Autor Gerdi Kettner
    am 02. November 2013
    1.

    Sehr geehrter Herr Höger,

    ich kann Ihnen nur zustimmen.
    Das Problem sehe ich aber bei jedem einzelnen Bürger in München.
    Die Gleichgültigkeit vieler einzelner Personen alles weg zu werfen, weil man überdrüssig geworden ist oder leer gegessen/getrunken wurde zeigt, dass das Verhalten dieser Personen nichts mehr mit zivilisiertem und sozialem Verhalten zu tun hat. Man hat für nichts mehr Gefühl, ob Lebewesen oder Nahrung, kein Gewissen und schon gar nicht soziale Kompetenz.
    Es liegen auch Kaffeebecher, Papiertüten, Zigarettenschachteln, Bier- und Schnapsflashen herum, die einfach im Gehen oder Fahren entsorgt werden. Bekleidung in den Umkleidekabinen werden nicht auf den Bügel gehängt, sondern auf den Boden geworfen. Irgend ein Depp wird die Sachen dann schon wegwerfen oder aufräumen.

    Es ist ein großes gesellschaftliches Problem, dass viele Erwachsene geschaffen haben, weil dem Nachwuchs gesellschaftliches, anständiges und soziales Verhalten nicht beigebracht wurde. Viel zu anstrengend, die sollen andere erziehen, nur nicht Vater und Mutter.

    Aber nicht nur die Kids werfen alles weg wo sie gerade stehen und gehen, die Erwachsenen sind nicht anders. Jedem ist das eigene Leben zu viel und den Part soll dann die verantwortungsvolle und gewissenhafte Restgesellschaft übernehmen, dafür zahlen. Straßenreinigung usw., also den Dreck anderer Wegräumen obwohl genügend Abfallbehälter vorhanden sind, soll dann die Gemeinschaft bezahlen und das kostet viel.

    Man kann nicht für alles die Politiker vor den Karren spannen, was über 1 Mio. Menschen nicht schaffen. Es wird Zeit, dass jeder einzelne Bürger in München kapiert und umsetzt, dass Niemand den Dreck und die lieblos weggeworfene Ware eines Anderen wegräumen muss, schon gar nicht, wenn sich diese Menschen als volljährig und erwachsen bezeichnen. Was ich oft auf den Straßen und Bahnsteigen in München tagtäglich sehe, sehe ich auch im Affenhaus im Tierpark. Wo bleibt also zivilisiertes und weiterentwickeltes Verhalten?

  2. Autor Martin Wunderlich
    am 17. November 2013
    2.

    Sehr geehrter Herr Höger,

    zwar stört auch mich manchmal der Müll in den Straßen und vor allem im Englischen Garten. Hier wünsche ich mir mehr Rücksicht und Vernunft bei einzelnen.

    Allerdings halte ich es für extrem unangebracht, Singapur als nachzuahmendes Beispiel zu präsentieren. Ich kann nur hoffen, dass dies Ihrer Unwissenheit geschuldet ist.
    Ein paar Beispiele:
    - Essen und Trinken im ÖPNV: 1000 USD Strafe
    - Homosexualität: Gefängnisstrafe bis zu 2 Jahre
    - Besitz größerer Mengen (auch weicher) Drogen: Todesstrafe

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie solche Verhältnisse auch München wünschen.

    Mit freundlichem Grusse,

    Martin Wunderlich

  3. Autor Martin Höger
    am 18. November 2013
    3.

    Sehr geehrter Herr Wunderlich,
    vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Natürlich sind die Strafen in Singapur zu extrem. Das Thema Drogenbesitz und -konsum sollte m. E. dennoch hart bestraft werden, da hierdurch Existenzen unverschuldet ruiniert werden können. Viele Jugendliche können sich z. B. der möglichen Tragweite ihres Handelns beim ersten Konsum gar nicht bewusst sein. Leider sind mir hier sehr traurige Beispiele bekannt (z. B. Drogen als Trigger für lebenslange Psychosen etc.).
    Bzgl. Essen u. Trinken in ÖPNV folgender Gedanke: Angenommen nur die Hälfte der Fahrgäste würden das Frühstück genüsslich in der U-Bahn oder Tram abhalten. Ich denke, das wäre nach einiger Zeit extrem nervig für die Fahrgäste und zudem sähen die Verkehrsmittel entsprechend aus. Warum nicht einfach etwas früher aufstehen und zuhause frühstücken? Natürlich wäre eine Strafe von 1000 $ zu hoch.

    Grundsätzlich bezog sich mein Beitrag jedoch tatsächlich alleine auf den Müll der unnötigerweise auf der Straße liegt. Insb. ist es mir unbegreiflich, wie z. B. erwachsene Menschen hemmungslos auf den Gehweg "rotzen", sodass der nächste Passant rein tritt. Ob die das wohl zuhause auch machen? Vllt. muss man aber auch einfach damit leben in einer Großstadt.

    Mit freundlichen Grüßen
    M. Höger

  4. Autor Alexander Hertz
    am 24. Dezember 2013
    4.

    wenn hier solche Kaliber aufgefahren werden, kann ich mit meiner schüchternen Anfrage natürlich nicht punkten...

    Ich wüsste nur gerne, nach welchen Gesichtspunkten und Zeitplänen Münchener Grünanlagen (hier Böschung der Schatzbogenbrücke) gereinigt werden?
    Im Januar d. J. hatte ich auf die Verschmutzung hingewiesen und - Kompliment - eine Woche später war bereits alles erledigt.
    Leider hat in den folgenden Monaten bis zu meinem Anruf im Dezember keine Reinigung mehr stattgefunden. Und schau her: Die Woche drauf war alles wieder sauber!
    Kann es tatsächlich sein, dass Reinigungen nur nach Hinweisen der Bevölkerung durchgeführt werden?

    Alexander Hertz

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