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Autor Peter Krisch am 14. Oktober 2011
4363 Leser · 103 Stimmen (-4 / +99) · 3 Kommentare

Bildung und Kultur

Satzung oder Kinderseele? Wie einfach ist die Entscheidung?

Sehr geehrter Herr Ude,

in diesem Brief steht zwar ein konkreter Fall im Mittelpunkt, aber ich möchte mit ihm eigentlich auf anschauliche Weise auf eine grundsätzliche Frage im Bildungsbereich hinleiten. Ich hoffe, dass Ihre Antwort den Verantwortlichen in München künftig vielleicht Gewissensentscheidungen einfacher macht.

Meine 6-jährige Tochter sieht jeden Mittwoch zur gleich Zeit alle Ihre Klassenkameradinnen aus dem Kurs der städtischen Schule der Phantasie kommen, der dort ab 14:00 Uhr stattfindet. Die Mädchen haben immer tolle Dinge in der Hand, die sie dort gebastelt haben, und sie strahlen über beide Ohren. Meine Tochter sitzt während der Kurszeit als einziges Mädchen mit den Jungs der Klasse in der Betreuung der Ganztagsschule, bläst Trübsal und fühlt sich ausgegrenzt. Danach beschwehrt sie sich immer lautstark bei uns, dass sie auch gerne in den Kurs gehen würde. Wir hätten es ihr schließlich am Einschreibungstag der Grundschule Lehrer-Wirth-Str. / Zweigstelle Helsinkistraße versprochen.

Hatten wir tatsächlich. Das war nämlich der Tag, an dem wir sie zum frühest möglichen Zeitpunkt an der Schule der Phantasie angemeldet haben. Also konnte wir das Versprechen guten Gewissens geben.

Leider gab es dieses Jahr eine kleine Panne bei der Zuordnung der Anmeldungen zur Schule der Phantasie in der Helsinkistraße. Es gibt dort nämlich mehrer Kurse, aber nur einen, der zeitlich günstig für die Kinder der Ganztagsklasse liegt. Deshalb mussten die Ganztagskinder von den anderen per Rücksprache mit der Grundschule abgegrenzt werden. Wie es halt so ist, landeten 3 Kinder prompt im falschen Kurs. Jetzt waren alle später angemeldeten Kinder im richtigen Kurs und es waren nur noch 2 Plätze für die früher angemeldeten 3 Kinder frei. Die 2 Plätze wurden gefüllt, aber ohne meine Tochter.

Seitdem hoffe ich auf ein weises Urteil der Schulleitung der Schule der Phantasie. Sie scheint aber bis zu diesem Zeitpunkt der Satzung mehr Gewicht zu geben als der Seele eines Kindes. 21 Kinder statt 20 Kinder sind nämlich laut Satzung ein Sicherheitsrisiko. Wie es genau passieren konnte, dass nun ausgerechnet meine Tochter das Schlamassel ausbaden muss, ist mir schleierhaft. Pikant dabei ist aber, dass meine Tochter Migrationshintergrund hat, und die anderen 2 Kinder nicht.

Die Schulleitung befindet sich nun wohl in einem Gewissenskonflikt, den viele Verantwortliche im Bildungsbereich sicher gut kennen. Satzung oder Kinderseele? Darf man eine Ausnahme machen oder nicht? Oder wird dadurch das ganze System aufgeweicht?

Wie sehen Sie das, Herr Ude? Darf es auch mal menscheln? Es gibt sicherlich jeden Tag viele solcher Entscheidungen bei den Verantwortlichen im Bildungsbereich.

Vielleicht hilft Ihre Antwort dabei, mehr Verständnis zwischen Eltern und Verantwortlichen zu schaffen.

Beste Grüße

+95

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Kommentare (3)Schließen

  1. Autor Peter Krisch
    am 14. Oktober 2011
    1.

    Haben Sie auch schon mal so etwas erlebt? Klicken Sie auf +
    Danke.

  2. Autor Peter Krisch
    am 18. Oktober 2011
    2.

    Update zum beschriebenen Fall: Die Schule der Phantasie hat gestern eine Lösung für meine Tochter bis spätestens 20.10.2011 in Aussicht gestellt.

  3. Autor Peter Krisch
    am 20. Oktober 2011
    3.

    Update zum beschriebenen Fall: Die Schule der Phantasie hat heute nun doch eine Lösung für meine Tochter gefunden. Uff, das hat Energie gekostet...

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