Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Trinitis Carsten am 11. Oktober 2011
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Planen und Bauen

Rettet das historische Laim!

Sehr geehrter Herr Ude,

wir wohnen im alten Ortskern von Laim und sind in diesem Viertel aufgewachsen. Mit großer Sorge beobachten wir seit einigen Jahren den Bauwahn, der auch vor unserem Viertel nicht Halt macht.

Jüngstes Beispiel ist der geplante Abriß einer wunderschönen alten Villa in der Helmpertstraße 3 mit Garten, die einem Wohnbaukomplex mit maximaler Bebauungsdichte zum Opfer fallen soll. Diese Villa befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem streng denkmalgeschützten Ensemble von Theodor Fischer, und der geplante Neubau würde unserer Ansicht nach das Ensemble erheblich stören. Außerdem befindet sich auf dem Grundstück ein sehr schön angelegter Garten, in welchem sich ein alter Baumbestand befindet, insbesondere drei über 100 Jahre alte Eiben. die eigentlich _strengstens_ unter Naturschutz stehen, Deren Fällung (die ist bereits beantragt) kann laut Aussage von Fachleuten auch durch Ersatzpflanzungen in keiner Weise wiedergutgemacht werden,

In der Helmpertstraße befinden sich noch weitere kleine Villen mit Gärten, die, wenn es so weitergeht, ebenfalls dem Bauwahn zum Opfer fallen.

Nähere Informationen finden sich unter

http://petitionen24.com/villahelmpertstrasse

Wir appellieren daher eindringlich an Sie, alles zu unternehmen, die Villa - wie es bei der Kuvertfabrik auch der Fall war - unter Denkmalschutz zu stellen und hier eine ensemblegerechtere Bebauuung durchzusetzen.
Das Problem besteht unserer Ansicht nach in der ganze Stadt München, die immer mehr zu einer Allerweltsstadt, die irgendwo auf der Erde stehen könnte, mutiert, wenn hier nichts unternommen wird.

Wahrscheinlich werden Sie jetzt antworten, daß Wohnungbau in München aus sozialen Gründen unerläßlich ist, die Wohnungen, die dort entstehen, sollen aber für 4000-5000 Euro pro Quadratmeter verkauft werden. Und die unmittelbare Nähe zu dem Theodor Fischer-Ensemble ist nun wirklich nicht der geeignete Ort, um nachzuverdichten.
Dann wird die Antwort lauten, daß sehr viel im Denkmalschutz unternommen wird, wenn man durch die Straßen geht, wird man jedoch leider eines Besseren belehrt.
Weiterhin werden Sie sich für nicht zuständig erklären, wir denken jedoch, daß Sie als OB sehr wohl Einfluß auf derartige Vorgänge nehmen können, z.B. über die untere Denkmalschutzbehörde, die ja von städtischer Seite zuständig ist.

Können Sie daher bitte alles in Ihrer Macht stehende unternehmen, um der Zerstörung des historischen Laim (und auch anderer Viertel unserer noch schönen Stadt) EInhalt zu gebieten?

Wir freuen uns über Ihre Antwort und verbleiben mit

freundlichen Grüßen

+109

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Antwort
von Christian Ude am 28. Dezember 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Trinitis,



ich begrüße Ihr Engagement in Sachen Denkmalschutz.

Denkmalschutz und Neues Bauen sind ein sensibles Thema und bedürfen einer behutsamen Zusammenführung. Ich pflichte Ihnen bei, dass dies nicht immer zufriedenstellend gelingt, doch ist die Untere Bauaufsichtsbehörde mit den zugeordneten Denkmalschutzabteilungen engagiert bemüht gelungene Lösungen zu finden. Ihre Auffassung, es wäre immer mehr eine abträgliche Entwicklung in unseren Straßen erkennbar und es fände eine zunehmende Zerstörung des historischen "Laim" statt, kann ich so nicht teilen. Ganz im Gegenteil. Die Stadt unternimmt die größten Anstrengungen, die städtebauliche Entwicklung so zu lenken, dass das Baudenkmal oder das Denkmalensemble, das in einem räumlichen Kontext zu seiner Umgebung steht, in seinem Wert und seiner Wirkung durch neue Baumaßnahmen nicht unzumutbar belastet wird.


Dabei ist auch die rechtliche Situation zu berücksichtigen. Das verfassungsmäßig garantierte Recht der Baufreiheit räumt jedem Bürger das Recht auf Bauen im Rahmen der Baugesetze ein. So kann nicht jedes Gebäude oder Baumvorkommen, das vielleicht auf den ersten Blick sehr erhaltenswert erscheint, pauschal unter Schutz gestellt werden. Dies bedarf einer eingehenden Prüfung.


Bundes- und Landesbaurecht regeln die Bebauung. Ist Baurecht gegeben, besteht die gesetzliche Verpflichtung zur Genehmigung. Im Fall Helmperstr. 3 wurde im Vorfeld, im Rahmen einer Voranfrage, eingehend geprüft, ob zu einem die angestrebte Bebauung dem Einfügungsgebot nach Bundesrecht entspricht und zum anderen Belange des Denkmal- oder Naturschutzes dem Bauwunsch entgegenstehen. Die Prüfung ergab, dass die Wohnbebauung sich einfügt, die Baumfällungen durch entsprechende Kompensationsmaßnahmen ausgleichbar sind und letztendlich das Haus nicht den denkmalrechtlichen Wert und die Bausubstanz nicht die Historie besitzt, die seine Erhaltung zwingend erforderlich machen würden. Bei einem derartigen Prüfungsergebnis ist keine rechtliche Handhabe mehr gegeben.

Ich pflichte Ihnen bei, dass die Grundstückspreise im Innenraum Münchens zu den höchsten Deutschlands zählen, doch regelt hier Angebot und Nachfrage den Preis. Wie Sie schon erwähnen, ist eine Einflussnahme der Stadt auf diese Entwicklung nahezu ausgeschlossen.

Sie dürfen sicher sein, dass die Beteiligten der Stadtverwaltung alles daran setzen, unsere Stadt in ihrer urbanen Entwicklung auch für kommende Generationen zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen