Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Stefan S. am 12. Mai 2013
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Gesellschaft und Soziales

Provozierte Obdachlosigkeit

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

vorab, ich wohne derzeit in München-Haar, also im Landkreis München, arbeite jedoch in München. Sie sind also nicht direkt mein Oberbürgermeister. Ich möchte Ihnen trotzdem schreiben, da ich in München geboren bin, und hier mein Leben lang gearbeitet habe.
Im Moment arbeite ich in Ramersdorf bei der evangelischen Diakonie Innere Mission als therapeutischer Betreuer. Ein eher gering bezahlter Job, der allerdings kranken Menschen zu einer besseren Lebensqualität verhilft.
Durch persönliche Veränderungen bin ich vor kurzem leider in eine prekär zu nennende Situation gekommen. Ich werde meine derzeitige Wohnung nicht mehr halten können, ab Juli 2013 bin ich von Obdachlosigkeit bedroht. Ende März habe ich die Situation meinem zuständigen Sozialamt mitgeteilt. Die Mitarbeiter waren sehr nett, sagten mir aber auch allen Ernstes, am besten wäre es, wenn der Notfall, also die Obdachlosigkeit, bereits eingetreten wäre. Dann könnten Sie mir schneller helfen, z. B. Männerwohnheim. Seither bemühe ich mich rund um die Uhr, eine Wohnung in München oder Umkreis zu finden. Für mich als Angestellter mit geringem Einkommen erweisen sich Gespräche mit Münchner Immobilienmaklern leider allzu oft als würdeloses Theater, bei dem jedes Mal die Grenzen meiner Persönlichkeitsrechte dreist überschritten werden.
Es hilft weder etwas, daß ich eine lückenlose, positive Mieterbilanz über die letzten 20 Jahre aufweisen kann, noch, daß ich keinerlei SCHUFA-Einträge oder sonstige finanzielle Verpflichtungen habe. Geld zählt, sonst nichts. Selbst der naive Hinweis auf meine soziale Tätigkeit hat sich als Bumerang herausgestellt. Soziale Tätigkeit = wenig Verdienst = braucht niemand in München.
Für mich, der ich nie staatliche Unterstützung in Anspruch genommen habe, noch jetzt die Absicht habe, das zu tun, ist es ein tiefer Schock, zu erfahren, wie es um das soziale Miteinander in meiner Heimatstadt München bestellt ist. München, die Stadt der Saturierten und gut Betuchten möchte zwar sozial aussehen, aber die Menschen, die dafür arbeiten, nicht beherbergen. Sie, verehrter Herr Oberbürgermeister stehen einem Millionärsdorf mit einem Herz aus Stein vor, wenn ich das mal so formulieren darf.
Aber ich will jetzt nicht polemisch werden, sondern lieber zum Schluß kommen.
Mein Antrag zum Wohnberechtigungsschein liegt auf dem Landratsamt in München, mein zuständiger Sachbearbeiter sagte mir, als Alleinstehender hätte ich kaum eine Chance, kurzfristig an eine geförderte Wohnung zu kommen. Provozierte Obdachlosigkeit?
Ich bin 55 Jahre, bis dato in schuldenfreier bürgerlicher Existenz lebend. Muß ich buchstäblich die Vernichtung meiner Existenz in Kauf nehmen, die Reduzierung auf ein Hartz 4 - Dasein, obwohl ich jeden Tag gute sinnvolle Arbeit leiste und weiter leisten könnte?
Das kann es doch nicht sein, Herr Oberbürgermeister Ude, da läuft doch etwas grundverkehrt im Münchner Stadt- sowie Landkreis.
Was raten Sie mir?

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Stoecklein

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