Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Leonhard Brandl am 16. Oktober 2012
5757 Leser · 107 Stimmen (-3 / +104) · 2 Kommentare

Umwelt und Gesundheit

Private nächtliche Beleuchtung im Freien - Bitte um Immissionsschutz und Rücksichtnahme

Sehr geehrter Herr Ude,

ich bitte Sie, Unternehmen und Privatpersonen in München in folgendem Belang zur Rücksichtnahme aufzurufen und auf die Ergänzung einschlägiger Vorschriften hinzuwirken: Könnten Sie in Sachen Schutz vor Lichtimmission aktiv werden?

ERLÄUTERUNG.
In München wird in erster Linie von Unternehmen und in zweiter Linie von Privathaushalten bei Nacht und in der Dämmerung eine große und zunehmende Menge Licht produziert, welche ungeachtet ihres Nutzwerts
- den Schlaf von Anwohnern erschwert,
- Verkehrsteilnehmer auf Münchner Fuß- und Radwegen sowie Straßen blendet,
- Ruhepole verschwinden lässt, Geschäftigkeit und Unruhe des Tages in die Nacht hineinträgt und
- den Sternenhimmel unsichtbar macht.

BEISPIELE.
- neueste Entwicklung und Anlass dieses Schreibens: nachts beleuchtete Werbeplakate;
- Immer mehr Gebäude und auch Pflanzen/Gärten werden nachts angestrahlt. Bei zwei, drei ausgewählten Objekten war das ein interessanter Kontrast, aber inzwischen sind es in München und Umgebung zahllose Einzelobjekte. Das übliche Anstrahlen der Gebäude von unten nach oben beeinträchtigt den Nachthimmel dabei doppelt.
- Stichwort Wettrüsten: Geschäfte übertrumpfen sich gegenseitig mit der Helligkeit ihrer Fassaden, ihrer Schilder und Schaufenster, z. B. Matratzen-Concord und MFO, Gasthöfe und Café-Bars, Autohäuser etc. Dabei haben diese Geschäfte nachts im Regelfall geschlossen.

SONSTIGES.
- Als Nebenwirkung wird elektrische Energie in Abgase (CO2) und Wärme verwandelt.
- Die Einführung / Vorschrift von LED-Beleuchtungen muss keine Abhilfe sein - ich verweise auf die Begriffe Rebound-Effekt und Backfire-Effekt.
- Angeblich haben einzelne Gemeinden in Europa (Frankreich und Slowenien) bereits eine Art Lichtschutzgesetz oder -vorschrift in Kraft. Kann München das auch?

SCHLUSS.
Ich freue mich auf Ihre Meinung, idealerweise auch auf Aktivitäten in der Sache, und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
L. Brandl, München-Pasing

+101

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Antwort
von Christian Ude am 18. April 2013
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Brandl,

Sie beklagen zurecht eine ständige Zunahme der nächtlichen Beleuchtung, insbesondere auch die beleuchteten Werbemedien, die immer mehr Platz greifen.

Dieses Phänomen gibt es in allen vergleichbaren Großstädten. Die Beleuchtungsintensität hat leider immer mehr zugenommen, teils ist dies der Verkehrssicherheit geschuldet, teils der immer längeren Nutzung des Stadtraums in die Nacht hinein.

Was die Werbeanlagen betrifft, bemühen wir uns gemeinsam mit den für Werbung im öffentlichen Raum zuständigen Firmen, hinterleuchtete Werbeanlagen so zu plazieren, dass sie das Wohnen nicht stören. Eine Werbesatzung zum völligen Verbot hinterleuchteter Werbung wäre zwar theoretisch möglich, wird aber der Realität in der Großstadt nicht mehr gerecht und vor dem Hintergrund des in München vergleichsweise zurückhaltenden Werbeauftritts der Deutsche Städte Medien GmbH (DSM) auch kaum zu rechtfertigen sein. Da es keine allgemeinen Kategorien gibt, muss jeweils der Einzelfall betrachtet werden. Für die Festlegung von Grenzwerten müssten sich die Fachleute einig werden. Ich habe Ihr Anliegen auf jeden Fall an die zuständigen städtischen Dienststellen und an den städtischen Partner für Außenwerbung, die DSM weitergegeben.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Lothar Volz
    am 16. Oktober 2012
    1.

    Hallo Herr Brandl,
    .
    genau zu diesem Thema habe ich vor einigen Monaten vom Bayerischen Umweltministerium eine Antwort erhalten: Da heißt es unter anderem:

    "Strom unterliegt dem freien Markt. Solange jeder für seine Stromkosten aufkommt, darf jeder Strom verbrauchen, so viel er will."

    Die ganze Welt redet von Energiewende, aber in den Köpfen vieler Unternehmer ist dies immer noch nicht angekommen.
    Ich wünschte mir, dass dieses Antwortschreiben hier auf diesen Seiten veräffentlicht werden dürfte.

  2. Autor Gerd Unger
    am 02. November 2012
    2.

    Gestern abend musste ich miterleben, wie durch eine Feuerwerksfeier Am 01.11. am Messesee die Vögel (wohl ausnahmslos) verschreckt das Weite gesucht haben.

    Der schön angelegte Messesee in der Messestadt Riem. mit Vögeln.

    Feuerwerk ist auch Energie ... Sie reicht, soviel kann ich als Mensch sagen, um das Vogelgetier zu vertreiben und irre zu machen. Um diese Jahreszeit auch um halb sieben Uhr abends, wenn es dunkel ist.

    Wenn irgendein Großgurukonzern glaubt, sein Hundertjähriges in den "Allerheiligenhimmel" befeuern zu müssen ...

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