Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor E. Frimberger am 18. Juli 2011
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Gesellschaft und Soziales

Personalmangel in Kindergärten

Sehr geehrter Herr Ude,

wir wenden uns mit einem Anliegen an Sie, das Ihnen schon bestens bekannt sein sollte: fehlende Kindergartenplätze, bzw. in unserem Fall: fehlendes Personal.
In Pasing wurde vom Träger “Glockenbachwerkstatt e.V.” (eine Kooperationseinrichtung in der Agnes-Bernauerstr.) gebaut, die nun den Kindergarten im September voraussichtlich nicht wird eröffnen können, da es kein Personal gibt. Zwar gehören wir nun zu den “Glücklichen” die einen Platz ergattert haben, müssen aber dann erfahren, dass es sich um eine Zusage “unter Vorbehalt” handelt. Was sollen wir damit anfangen? Es bleibt uns nichts anderes übrig, als damit zu rechnen, dass wir bis auf weiteres keine Betreuungsmöglichkeit für unsere 3 jährigen Kinder haben werden. Kinder, die bereits seit zwei Jahren ganztägig in der Krippe versorgt, gefördert und betreut werden, mit Eltern die beidein einem festen Arbeitsverhältnis stehen, wissen nicht wie es ab Septemberweiter gehen soll. Das ist in weniger als zwei Monaten!

Niemand kann uns sagen, wann der Kindergarten eröffnet werden kann, so steht ein neu gebauter Kindergarten, der Millionen von Euro gekostet hat und bereits einen “Stopp” zur Aufnahme auf die Wartelisten für 2012 verhängen musste, leer.
Was sollen wir unseren Kindern und unseren Arbeitgebern sagen? Müssen wir uns bis auf weiteres auf Arbeitslosigkeit einstellen?
Was tut die Stadt konkret dafür, dass der Standort München auch für – viel zu gering verdiende ErzieherInnen und KinderpflegerInnen – attraktiver wird? Die Situation ist schon seit Jahren sehr angespannt und die Geburtenrate steigt, die Situation war somit absehbar. Dieses Jahr scheint die Unterversorgung mit Kindergartenplätzen allerdings nicht mehr angespannt sondern dramatisch zu sein. Dazu kommt die prekäre Lage, dass es nicht genug Personal für all die neu eröffneten Kinderbetreuungseinrichtungen gibt. Und das wird sich angesichts der wachsenden Nachfrage in den nächsten Jahren noch weiter verstärken.

Wir sind berufstätige Eltern. Wir brauchen einen Kindergartenplatz und Planungssicherheit! Die Mieten und Lebenshaltungskosten in München gehören zu den höchsten in Deutschland. Kaum jemand kann von nur einem Gehalt leben. Wenn wir keinen Kindergartenplatz bekommen, bedeutet dies eine echte Bedrohung unserer finanziellen Existenz. Einige Eltern erwägen bereits aus München wegzuziehen – ist das das Ziel ihrer familienfreundlichen Stadtpolitik, die sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf die Fahnen schreibt?
Auch für unsere Arbeitgeber zeigt sich, dass die schlechte Versorgung mit Betreuungs-plätzen für Kinder zu einem zunehmenden Problem wird. Arbeitgeber können Menschen (v.a. Mütter) mit Kindern nicht mehr einstellen, da sie nicht garantieren können, dass auch ein Krippen- bzw. Kindergartenplatz zur Verfügung steht. Wenn es zu wenig Betreuungsplätze für Kinder gibt, sind Kinder automatisch ein Armutsrisiko und ein Faktor für Arbeitslosigkeit – ist das das Ziel ihrer Stadtpolitik?

Wir haben uns auch schon in Elterninititativen engagiert, für berufstätige Eltern mit zwei oder mehr Kindern ist dies aber eigentlich gar nicht möglich, da der Arbeitsaufwand nicht mehr leistbar ist. Auch als Steuerzahler sehen wir nicht ein, warum wir in unserer kanpp bemessenen Freizeit selbst aktiv werden müssen um uns in Elterninitiativen zu engagieren. Wir sind darauf angewiesen, dass die Stadt genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stellt. Wohin Ihre familienfreundliche Stadtpolitik zielt, ist uns nicht nachvollziehbar und wir sind empört.

Bitte schaffen Sie Kindergartenplätze und sorgen Sie dafür, dass es ErzieherInnen möglich ist in dieser Stadt von Ihrem Gehalt zu leben, z.B. durch finanzielle Anreize o.ä.. Bitte sorgen Sie dafür, dass familienfreundliche Politik auch ganz konkret umgesetzt wird: Eltern und Kinder brauchen verlässliche, planbare und hochwertige Kinderbetreuung!

Wir können nicht mehr warten, da wir ab September eine Lösung brauchen.

Wir bitten sie nachdrücklich unser Anliegen ernst zu nehmen und zu handeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl. Psych. Elisabeth Frimberger
Dr. med. Vincent Frimberger
Dipl. Kff. Manuella Glavicic

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