Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Helmut W. am 08. April 2013
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Gesellschaft und Soziales

Partymetzger Schäfert in der Klenzestraße

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

in Schwabing geboren, am Waldfriedhof aufgewachsen, in Giesing gewohnt und fast 15 Jahre im Isarvorstadtviertel gearbeitet, fühle ich mich als echter Münchner und kenne die Entwicklung im Raum Isartorplatz/Glockenbachviertel/Viktualienmarkt sehr gut.

Es ist traurig zu beobachten, welche Abkehr von traditionellen und typischen Elementen in diesem Innenstadtviertel im Laufe der Jahre stattgefunden hat.
Aus Traditionsgaststätten sind unbezahlbare Immobilien geworden, Traditionsgaststätten gibt es nicht mehr und münchentypische Rückzugsinseln lösen sich in der sog. Urbanitätsmodernisierung auf.
Muss das alles sein?

Nun soll auch noch der letzte von fünf ehemaligen Metzgern weichen. Der “Partymetzger” Schäfert in der Klenzestraße. Ein Metzger mit einer besonderen Note und mit echter Münchener Herzlichkeit und internationaler Originalität.

Seit vielen Jahren nicht mehr in München wohnhaft, besuche ich meine Heimatstadt immer noch mindestens 14täglich und dabei regelmäßig auch den "Partymetzger”.
Diese Institution darf nicht verloren gehen! Sie ist ein typisches Münchner Fleckerl, wo man gerne hingeht, weil man sich dort "zuhause” fühlt, jederzeit freundlich bedient wird und immer gute Ware bekommt. Wo findet man das sonst noch?

Bitte tun Sie alles in Ihrer Macht stehende, diesen seit 1990 in der Klenzestraße heimischen “Partymetzger” Schäfert zu erhalten.

München sollte sich seiner Verantwortung bei der geplanten Gentrifizierung bewußt werden und beim Besitzer/Investor auf eine Lösung einwirken, die zuallererst dem Stadtteilbürger gerecht wird.
Damit nicht wieder ein Stück gewachsenes München verschwindet!

Mit großer Hoffnung auf Ihr Verständnis und Ihre Tatkraft
grüßt Sie der Münchner

Helmut Wiesmeth aus Lenting

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Antwort
von Christian Ude am 07. Juni 2013
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Wiesmeth,



herzlichen Dank für Ihre Zuschrift vom 08. April und Ihre darin geäußerte Sorge um mögliche Gentrifizierung im Gärtnerplatzviertel am Beispiel des Partymetzgers Schäfert in der Klenzestraße.


Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung hat sich in seiner Sitzung vom 13.04.2011 in einer umfangreichen Vorlage unter dem Titel "Quo vadis Glockenbachviertel" (gemeint waren Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel) mit den verschiedenen Facetten von Gentrifizierungs-tendenzen dort beschäftigt und diese intensiv diskutiert. In der Beschlussvorlage wurden u. a. auch die Entwicklungstendenzen der Gastronomie im Viertel thematisiert, allerdings ohne den von Ihnen angesprochenen speziellen Aspekt der "Metzgerverdrängung" vertieft zu behandeln.

Gentrifizierung im gewerblichen Bereich würde bedeuten, dass Vermieter gewisse Gewerbebetriebe oder -zweige durch eine Erhöhung der Mieten oder Kündigung „vertreiben“, um dann an höher rentierliche Nutzungen zu vermieten oder zu verkaufen.

Im Fall des Partymetzgers Schäfert soll aber laut Presseberichten vom 05.04.2013 (AZ, tz) der Vermieter, die Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA, sich für die Zukunft „einen ganz gewöhnlichen Laden" als Mieter wünschen. Außerdem berichtet die Presse von einen Konflikt zwischen Vermieter und Mieter bei diesem gewerblichen Mietverhältnis. Die genaueren Umstände sind der Stadt nicht bekannt. Auch wenn es aus Traditionsgründen wünschenswert wäre, wenn der Partymetzger Schäfert als im Viertel bekannte Person bzw. beinahe schon "Institution", seinen Mietvertrag verlängert bekommen würde, hat die Landeshauptstadt München letztendlich keine rechtliche Handhabe, um hierauf Einfluss zu nehmen.

Schon vor dem Metzger Schäfert haben einige andere kleinere Metzgereien, wie z. B. die Metzgerei an der Ecke Fraunhofer-/Baaderstraße, ihre Läden aus unterschiedlichsten Gründen schließen müssen. Es gibt aber immer noch einige Traditions-Metzger im Gärtnerplatzviertel - wie z. B. an der Müller- strasse oder am Reichenbachplatz.



Mit freundlichen Grüßen