Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Stephan Hannemann am 04. Oktober 2011
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Gesellschaft und Soziales

Oktoberfest = verordneter Freiheitsentzug für Anwohner?

Sehr geehrter Herr Ude,

da wir Menschen nicht ausschließlich vernunftgetrieben denken und handeln, leben wir fast schon folgerichtig im Zustand zunehmender Bevormundung. Und da wir nicht selten schwach und intellektuell überfordert sind, lassen wir uns ständig verführen und manipulieren. Diese Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gemeinschaft funktionieren so gut, dass wir uns um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht allzu große Sorgen machen müssen: Wir leben mit der Gurtpflicht, der Sperrstunde, der Schulpflicht, dem Rauchverbot u.v.a.m. Insgesamt leben wir damit nicht schlecht und insgesamt auch ganz friedlich. Menschen scheinen sich in der Bevormundung manchmal auch ganz sicher und aufgehoben zu fühlen.

Wenn Jahr für Jahr das Oktoberfest in München seinen ganz eigenen Charme über die Stadt bringt, dann frage ich mich immer wieder, warum man sich dieses Spektakel der zunehmend entgleisenden Unvernunft noch leistet.

Selbstverständlich geht es nicht um Tradition, sondern – wie fast überall – ausschließlich um Geld und Gier. Aber muss man deswegen fahrlässig das Idyll unseres Zusammenlebens aufs Spiel setzen, nur des Geldes wegen?

Ist alles, was Geld bringt, richtig und gut?

Das Oktoberfest bringt lange schon keine Freude mehr auf, schon gar nicht für die Bürger unserer Stadt. Die Stadt befindet sich dann nämlich in einem wochenlangen Ausnahmezustand, füllt sich mit Menschen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, bringt Unruhe und Hektik, wird immer wieder zum Zentrum von Gewalt und Verbrechen.

Für einen Anwohner ist die Wiesnzeit schon ein übermäßiger Eingriff in dessen Leben – mehr oder weniger eine aufgezwungene Freiheitsberaubung. Ich selber fühle mich unwohl, wenn ich vor die Tür gehe und muss immer wieder damit rechnen, angepöbelt oder mitunter auch angegriffen zu werden von Menschen, die sich nicht mehr im Griff haben. Um meine Frau und meine Kinder muss ich mir ebenfalls ständig Sorgen machen, wenn Sie notgedrungen unterwegs sind. In den vergangenen Jahren kam es für uns immer wieder zu Sachbeschädigungen, aktuell gerade wieder zum Fahrraddiebstahl.

Sehr geehrter Herr Ude, ich weiß, dass mein Unmut als Anwohner und Betroffener nicht repräsentativ ist, aber ich bin mir sicher, dass viele Mitbürger mein Leid teilen oder mich wenigstens verstehen können. Ich fühle mich massiv in meinen Freiheitsrechten eingeschränkt und bitte Sie deshalb dringlich darum, sich dieser Problematik anzunehmen. Im Übrigen halte ich es für einen Schildbürgerstreich, wie die Stadt München hier Gelder versenkt, wie beispielsweise durch die Installation hunderter sog. Poller. Wer hat sich das nur einfallen lassen?

Wenn es Ihnen aus politischen Gründen nicht möglich ist, mir und vielen Leidensgenossen die Freiheitsrechte zurück zu geben, dann bitte ich Sie gleichzeitig um einen angemessenen Schadensausgleich.

Ich bin nicht mehr willens, die Einschränkung meines Lebens hinzunehmen und werde alle Mittel in Bewegung setzen, mein Interesse im Interesse der Bürger Ihrer Stadt durchzusetzen- Bitte haben Sie dafür Verständnis!

Mit den besten Grüßen

+76

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Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Andreas Rohe
    am 09. Oktober 2011
    1.

    als Bewohner der Schwanthalerhöhe und in direkter Nachbarschaft des Oktoberfestes kann ich nur feststellen, dass die Behinderungen und Belastungen durch das Oktoberfest von Jahr zu Jahr unerträglicher werden.

    Ein Parkplatz zu bekommen, ist völlig unmöglich, obwohl wir in einer Anwohnerzone und im Parksperrgebiet Theresienhöhe wohnen. Schilder, die die Einfahrt verbieten, werden erst gar nicht richtig aufgestellt, sind umgedreht oder liegen auf der Erde, wie in der Riedlerstr., oder sind so unsichtbar, dass sie nicht auffallen, wie in der Holzapfelstr.

    Halten tut sich auf jeden Fall keiner dran. Tausende von autofahrenden Besuchern und Angestellten der Wiesn, die sicherlich auch die S-Bahn benutzen (gerne und oft Kennzeichen FFB, EBE und DAH) und unter der zugepieselten Hackerbrücke ein- und aussteigen könnten, fallen Tag für Tag über die Schwanthalerhöhe her, versperren rücksichtslos alle freien Plätze und Wege einschließlich Feuerwehrzufahrten.
    Was ist, wenn es im Stadtteil wirklich mal brennt. Weder Feuerwehr noch Notarzt haben eine Chance in die heillos zugeparkten Straßen zu gelangen. Gerade die Stadt München, die so viel Wert auf Brandschutz legt, hebt zur Wiesnzeit scheinbar alle Gesetze auf.
    Eine Überwachung findet so gut wie nicht statt. Polizei findet sich nur auf dem Oktoberfest, aber nicht in den umliegenden Stadtteilen. Auch das Ordnungsamt hält sich vornehm zurück, abgeschleppt wird gar nicht.
    Konsequenz für die Anwohner: wir können unsere Fahrzeuge wochenlang nicht nutzen, und müssen die (s. Artikel SZ vom 08.10.2011) mit Betrunkenen hoffnungslos überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.
    Lieber Herr Ude, bitte überlegen Sie doch mal, wer Sie gewählt hat ! Wohl nicht die Besucher aus den Landkreisen!
    Die Schwanthalerhöhe war traditionell eine Hochburg der SPD. Die Grünen haben nich von ungefähr hier zweistellige Ergebnisse erzielt.

    Die konkrete Anfrage: Warum wird das politisch gut gemeinte Parksperrgebiet von den ausführenden Behörden weder durchgesetzt noch überwacht ? Welches sind die Maßnahmen für 2012?

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