Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Felix Tallafuss am 16. Juli 2012
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Bildung und Kultur

NS-Denkmal als Deko-Objekt? - Bronzespur in der Viscardigasse

NS-Mahnmal als Deko-Objekt?

Sehr geehrter Herr Ude,

vergangenen Dienstag führten wir als Seminar der LMU einen Stadtrundgang zum Thema „NS-Zeit in München“ durch. Erfreulicherweise stellten wir dabei fest, dass in den letzten Jahren zunehmend Anstrengungen unternommen werden, die Spuren des Nationalsozialismus in München nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Man denke dabei etwa an den Bau des NS-Dokumentationszentrums, die geplante Neugestaltung des Platzes der Opfer des Nationalsozialismus oder an das Projekt „Memory Loops“.

Nach Besichtigung des Königsplatzes und des Platzes der Opfer des Nationalsozialismus kamen wir schließlich zur Feldherrnhalle, die ja einen zentraler Ort in der Geschichte des Nationalsozialismus in München darstellt. Als wir dann durch die Viscardigasse bzw. Drückebergergasse gingen, fiel uns jedoch auf, dass überhaupt kein Hinweis, etwa in Form eines Schildes, gegeben wird, was es mit diesen metallenen Pflastersteinen auf sich hat. Die Mutter einer Seminarteilnehmerin war gar davon angetan, dass der Stadt ja originelle Ideen einfielen, um die Münchner Straßen zu dekorieren.

Ausgehend von diesem „Missverständnis“ im wahrsten Wortsinn kamen wir auf die Idee, Passanten bzw. Besucher des an der Gasse angrenzenden Cafés daraufhin zu befragen, ob sie wüssten, was diese metallenen Steine denn bedeuten. Von ca. zehn Personen konnten lediglich zwei ältere Münchnerinnen ungefähr den Sachverhalt erläutern. Die Befragung einiger Passanten lieferte ein ernüchterndes Ergebnis: Touristen konnten den in den Boden eingelassenen Hinweis generell nicht deuten. Aber selbst Münchner, vorwiegend die der jüngeren Generation, wussten die Steine nicht zu deuten bzw. kannten die Bezeichnung „Drückebergergasse“ nicht.
Die nach unserer Meinung daraus zu ziehende Konsequenz muss daher lauten:

Das Symbol, das an den inneren Widerstand manch eines Münchners zur Zeit des Nationalsozialismus erinnern soll, muss durch irgendeine Form von Hinweis erklärt werden!

Durch die zentrale Lage wird die Gasse insbesondere von Touristen häufig frequentiert, die verständlicherweise keine Kenntnis vom historischen Hintergrund haben können. Doch gerade in Hinblick auf die Gruppe der Touristen ist es doch wichtig zu zeigen, dass die Münchner Bevölkerung nicht eine geschlossene Gruppe von NS-Sympathisanten war.
Zudem wäre es doch schade diese originelle Idee eines Mahnmals, das von der konventionellen Form eines Hinweisschildes abweicht, durch eine fehlende Erklärung in die Wirkungslosigkeit verpuffen zu lassen oder sie gar als „Verschönerungsmaßnahme der Stadt München“ verstanden zu wissen.

Ein Vorschlag von unserer Seite: Ähnlich wie die Straßennamen häufig durch einen an das Straßenschild angebrachten Hinweis zum Namensgeber erläutert werden, könnte doch an das Straßenschild der Viscardigasse der Hinweis „Drückebergergassl“ angebracht werden. Der Hinweis auf die Herkunft dieser inoffiziellen Bezeichnung könnte dann in Form eines kurzen Textes an einer der angrenzenden Wände angebracht werden und etwa folgenden Inhalt haben:

In der Zeit NS-Zeit von 1933 – 1945 umgingen viele Münchner mit der Viscardigasse die Ostseite der Feldherrnhalle, an der eine SS-Ehrenwache zum Gedenken an die getöteten Putschisten vom 9. November 1923 postiert war. Dort wurde von den Passanten beim Vorübergehen erwartet, den Hitlergruß zu leisten. In Anspielung daran wurde die Viscardigasse im Volksmund deshalb „Drückebergergassl“ genannt.

Dass genug Platz für solch ein Hinweisschild vorhanden ist, zeigt im Übrigen das halbe Dutzend Verbotsschilder auf der der Feldherrnhalle gegenüberliegenden Hauswand an der Viscardigasse.

Wir würden uns freuen, wenn auch an dieser Stelle der Münchner Linie entsprechend die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Münchner Geschichte wachgehalten wird und sie die genannten, dringend notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten - da München - um mit ihren Worten zu sprechen "angesichts dieser über die Maßen beschämenden historischen Hypothek eine ganz besondere Verantwortung trägt."

Mit den besten Grüßen

F. Tallafuss vom Deutschdidaktikseminar „NS-Zeit im Deutschunterricht“

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Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Anja Halder
    am 18. August 2012
    1.

    Generell finde ich diese Idee sehr gut. Was sicherlich auch sinnvoll wäre, gerade in Hinsicht auf den Tourismus in München, wäre, die Hinweisschilder und Informationen zumindest in englisch zu übersetzen. In anderen Städten und Ländern ist es Standart, solch wichtige Informationen in der Landessprach sowie in 1 bis 2 weitern Sprachen anzuschreiben.

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