Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor J. Rottler am 31. Mai 2011
9709 Leser · 135 Stimmen (-10 / +125) · 4 Kommentare

Wirtschaft und Finanzen

Notfallplan für Währungscrash (lokale Währung)

Sehr geehrter Herr Ude,

ich wüsste gerne, ob die Stadt München einen Notfallplan für einen Währungscrash hat (siehe Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, ... Wetten von Investment-Fonds gegen US-Bonds, Aufkaufen von US-Schulden durch die FED, von EU-Schulden durch die EZB, usw.).

Insbesondere würde mich interessieren, ob und wenn ja welche Pläne für die Bereitstellung einer lokalen Währung existieren, damit im Falle einer Krise wenigstens der Teil der Wirtschaft bis zur Überwindung der Krise weiterarbeiten kann, der nicht direkt oder nicht kurzfristig von den global betroffenen Strukturen abhängt (Essensversorgung, medizinische Versorgung, öffentliche Sicherheit, Handwerk für wichtige Reparaturen, usw.).

Die Frage bewegt mich, seit ich von Versuchen mit Parallel-Währungen englischer "Transition-Towns" las.

Mit freundlichen Grüßen,
J. Rottler

+115

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Antwort
von Christian Ude am 17. August 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Rottler,

die von Ihnen angesprochenen Turbulenzen im weltweiten Finanzsystem bestehen fort und aktuell ist nicht absehbar, ob und wie diese Krise von den einzelnen Mitgliedsstaaten bewältigt werden wird.

Beim Eintritt des von Ihnen dargestellten Währungscrashs wäre aber auch die Landeshauptstadt München als Gebietskörperschaft weitestgehend machtlos, da sie keine Währungshoheit besitzt. Maßnahmen zur Gegensteuerung müssten durch die Bundesregierung als Mitglied der Europäischen Union ergriffen werden.

Die von Ihnen in diesem Zusammenhang diskutierten Parallel- bzw. Komplementärwährungen stellen keine echte Währung dar. Sie sind Vereinbarungen innerhalb einer Gemeinschaft, andere Tauschmittel wie z.B. „den Chiemgauer“ neben dem offiziellen Geld zu akzeptieren. Komplementärwährungen sind in der Regel regional begrenzt und zielen – auch unabhängig von etwaigen Krisenszenarien – darauf ab, das Geld in der Region zu halten. Die lokalen Wirtschaftskreisläufe sollen unterstützt und stabilisiert werden. So sollen mehr Arbeitsplätze in der Region entstehen. Verschiedenste Projekte arbeiten daher mit einem Gutschein-/Rabattsystem. Für die Landeshauptstadt München existieren derzeit keine Pläne für die Bereitstellung einer lokalen Komplementärwährung.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (4)Schließen

  1. Autor J. Rottler
    am 08. Juni 2011
    1.

    PS: Auch der Finanzminister des Bundes sorgt sich:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/drohend...

  2. Autor J. Rottler
    am 12. Juni 2011
    2.

    PPS:

    Zusätzlich zur Motivation der Frage durch die momentane akute europäische und US-amerikanische Währungskrise gibt es auch die generelle Frage in die langfristige Tragfähigkeit der Währung. Dieser Gedanke mag in der Boom-Stadt München momentan völlig befremdlich scheinen, aber wenn man den Monitor-Bericht zu Peak Oil (das Ende des billigen Öls) sieht, in dem selbst der Chefökonom der IEA (Internationalen Energie Agentur in Paris) vom Ende des billigen Öls bis 2020 spricht (bzw. die Zeitschrift "Internationale Politik" von höherem Öl-Bedarf als die Öl-Industrie liefern kann, ab 2014 (+ evtl. einige Jahre)), dann sieht man, dass die industrielle Leistungsfähigkeit ohne grundlegende Änderungen in Gefahr ist und mit ihr die Sicherheit der Währung, die ja nicht mehr durch Gold abgesichert ist, sondern nur durch das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft (bzw. der EU) ... .

    Monitor-Bericht (u.a. mit Prof. Klaus Töpfer):
    http://www.youtube.com/watch?v=HtrCzZjFXvc#at=14

    Artikel von Dr. Steffen Bukold 2011 in "Internationale Politik":
    http://www.internationalepolitik.de/2011/05/04/erdol/

  3. Autor Britta-Marei Lanzenberger
    am 08. Juli 2011
    3.

    Neben der seit einigen Jahren bestehenden Komplementärwährung REGIO gibt es seit dem 15.01.2011 die ReWiG München eG, die im Herbst diesen Jahres eine eurounabhängige, sachwertgedeckte Komplementärwährung herausgeben wird. Solche Aktionen werden wohl eher von BürgerInnen ausgehen und nicht von der Politik. Es wäre aber wünschenswert, dass diese Aktionen von der Politk anerkannt oder/und unterstützt werden. Infos unter http://www.rewig-muenchen.de

  4. Autor Konstantinos Pulios
    am 19. Juli 2011
    4.

    Ich halte das für Panikmache.
    München kann sich nicht vom Rest der Republik und schon garnicht aus Europa "spalten" und eine "lokale" Währung ins Leben führen.
    Man sollte die Kirche im Dorf lassen.
    Ruhe bewahren, sachlich-nüchtern das Thema Euro betrachten.
    Man sollte einen Schritt zurückgehen um das ganze Bild zu betrachten, nicht nur einen Teil davon. Panik hilft niemanden weiter.

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