Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Timo Christ am 09. Januar 2014
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Mobilität und Verkehr

Neubau der Großmarkthalle im Stadtgebiet? Kein Ende des Lärms in Sicht

Sehr geehrter Herr Ude,

leider musste ich schon Mitte des Jahres 2013 enttäuscht feststellen, dass keiner der vielen treffenden Bürgervorschläge zur Reduzierung des Verkehrslärms um die Großmarkthalle in den Lärmaktionsplan eingeflossen ist. Lediglich die am wenigsten zufriedenstellende Maßnahme - die Subvention von Schallschutzfenstern - wurde halbherzig in den Plan aufgenommen.

Nun wird ein Neubau der Großmarkthalle geplant und ich musste fassungslos in der Presse lesen, dass dieser Warenumschlagsplatz und damit der tägliche und nächtliche Schwerlastverkehr tatsächlich innerhalb der Stadt bleiben soll.

Die Brudermühlstraße wurde im Rahmen der Lärmkartierung als eines der zwölf lautesten Gebiete in München identifiziert, was sich primär auf den überirdischen LKW-Verkehr zwischen dem Mittleren Ring und der Schäftlarnstraße zurückführen lässt. Als Anwohner der Straße ist es mir nachts unmöglich, ohne Gehörschutz ruhig zu schlafen. Selbst mit dieser Maßnahme sind die minütlich passierenden, bremsenden und beschleunigenden Sattelschlepper noch eine Belastung. Die Verlegung der Großmarkthalle an einen logistisch klar günstigeren Ort in der Nähe der Autobahn außerhalb Münchens war meine Hoffnung und erscheint mir völlig logisch.

Herr Ude, wieso wird diese Chance des Neubaus nicht genutzt, um die Großmarkthalle vor die Tore Münchens zu verlegen? Mit welchen Maßnahmen ist der Neubau innerhalb der Stadt und der damit verbundene Verkehrslärm mit dem Lärmaktionsplan, der EU-Umgebungslärmrichtlinie, dem Bundes-Immissionsschutzgesetzes und Ihrer moralischen Plicht zum Schutz der Bürger zu vereinbaren?

Mit freundlichen Grüßen
Timo Christ

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Antwort
von Christian Ude am 27. März 2014
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Christ,

die geplante Situierung der neuen Großmarkthalle wird eine erhebliche Lärmreduzierung für das direkt anschließende Wohnquartier bedeuten. Hiervon werden neben den Anwohnern der Brudermühlstraße auch die Anwohner aus dem Bereich Lenggrieser-, Würz-, Arzbacher-, Wackersberg-, Kochelsee-, Königsdorfer- und Thalkirchner Straße profitieren. Denn das aktuelle Planungskonzept sieht eine Hallenkonfiguration und eine Neukonzeption des südlichen Teils des Großmarkthallengeländes vor, was zu einer deutlichen Reduzierung des betriebsbedingten Lärms führen wird.

Mit der von Ihnen angesprochenen Standortfrage und den Verlagerungs- möglichkeiten für die Großmarkthalle hat sich die Landeshauptstadt München bzw. das Referat für Stadtplanung und Bauordnung bereits 2009 intensiv befasst. Untersucht wurden drei Szenarien. Zum einen die Verlagerung der Großmarkthalle mit Neubau an anderer Stelle, die Beibehaltung des Status Quo mit Minimalsanierung der Großmarkthalle sowie als drittes Szenario der Erhalt am Standort mit Nachverdichtung und Optimierung im Bereich des bestehenden Großmarktareals.

Neben der reinen Verfügbarkeit ausreichend großer Flächen wurden jeweils die Vor- und Nachteile aus stadtwirtschaftlicher, betrieblicher, städtebaulicher und stadtstruktureller Sicht bewertet und abgewogen. Ergebnis dieser umfassenden Bewertung und Abwägung war die Entscheidung für die Variante „Erhalt am Standort mit Nachverdichtung und Optimierung“.

Ausschlaggebend dabei war, dass eine Verlagerung innerhalb des Stadtgebietes aufgrund des absehbar nicht zur Verfügung stehenden Flächenangebots kaum realisierbar scheint. Daneben wird ein Umzug der Markthallen München an den Stadtrand negativ beurteilt, da durch eine Verlagerung schwerwiegende Nachteile hinsichtlich der Erreichbarkeit zu befürchten sind. Für die Münchner Kunden der Großmarkthalle ist die günstige zentrale innerstädtische Lage mit einer guten Erreichbarkeit unerlässlich. Im Falle einer Verlagerung wird ein Wegbrechen von Kunden befürchtet, was die qualitativ hochwertige Versorgung der Münchnerinnen und Münchner gefährden würde.

Detaillierte Informationen zu den Gründen können Sie dem Stadtratsbeschluss vom 07.10.2009, Sitzungsvorlage Nr. 08-14/V 02602, im Rats-Informationssystem unter http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/ris_vorlagen_detail.j... entnehmen.

Mit freundlichen Grüßen