Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Thomas F. am 24. Januar 2011
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Wirtschaft und Finanzen

MVG - Billigjobs und Preise

Sehr geehrter Herr Ude,

bezüglich des gerade in der Presse diskutierten Themas "Billigjobs bei der SWM/MVG" habe ich doch mal einige Fragen an Sie.

Natürlich ist mir klar, dass die MVG wettbewerbsfähig sein muss, gerade für mich als Fahrgast ist dies ja sehr wichtig. Allerdings verwundert es mich schon, dass die SWM/MVG Leiharbeiter beschäftigen will, während anderswo das Geld quasi zum Fenster rausgeschmissen wird.

Warum bekommen die Mitarbeiter kostenlose Massagen, Yogakurse u. a. angeboten, welche größtenteils auch noch während der Arbeitszeit stattfinden? Gesundheitsvorsorge schön und gut, aber wenn einem Mitarbeiter was an seiner Gesundheit liegt, dann zahlt er auch selbst dafür und geht dort auch nach seiner regulären Arbeitszeit hin. Gerade ich als zahlender Fahrgast, habe dafür überhaupt kein Verständnis. Da ist es ja kein Wunder, dass München mit den teuersten Nahverkehr in Deutschland hat.

Außerdem weiß ich aus erster Quelle, wie die Arbeitseinstellung z.B. bei der U-Bahn-Wartung ist. Da wird ca. die Hälfte eines Tages mit Kaffeetrinken und Ratschen verbracht. Nichts gegen den einen oder anderen Kaffee oder Plausch, aber wenn dies mehr als ein Drittel der täglichen Arbeitszeit ausmacht, wundere ich mich dann doch.

Wenn Sie die unnützen Ausgaben und die Arbeitseinstellung einiger Mitarbeiter erhöhen würden und somit auch die Produktivität, würde die Qualität der Arbeit (weniger Zugausfälle etc.) sicher besser werden und die Kosten könnten vielleicht auch mal 2-3 Jahre wenigstens unverändert bleiben.

Grüße
Thomas Fliegner

+88

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Antwort
von Christian Ude am 26. Mai 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Fliegner,

Sie vermengen in Ihrem Statement einige Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Außerdem bedürfen einige Ihrer Aussagen und Behauptungen einer Richtigstellung.

Die Beschäftigung von Leiharbeitern, die bei den SWM/MVG immer nur in einer geringen Größenordnung und stets befristet zur Bewältigung kurzfristiger Leistungsspitzen (z.B. während des Oktoberfestes) oder zur Überbrückung von Personalengpässen eingesetzt wurden, wird es mit dem neuen Tarifvertrag, auf den sich MVG und ver.di geeinigt haben, nicht mehr geben. Bisherige Leiharbeiter können nun in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen werden.

Richtig ist, dass die SMW/MVG ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht zuletzt im Fahrdienst auch künftig eine Reihe von Gesundheitskursen zum Erhalt der körperlichen Fitness anbieten werden; allerdings hat dieses Angebot im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements der Stadtwerke überhaupt nichts mit dem Fahrpreisniveaus bzw. dem MVV-Tarifsystem zu tun.

Schlichtweg falsch ist dagegen Ihre Behauptung, München hätte den teuersten Nahverkehr in Deutschland. Richtig ist vielmehr das Gegenteil: Ausweislich verschiedener Studien hat München ein vorzügliches Angebot, ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und beispielsweise ausgesprochen günstige Zeitkartentarife (diese werden für fast 80 Prozent der Fahrten genutzt). Dieses hervorragende Leistungsangebot wird der MVG nicht nur von Experten bescheinigt, sondern auch durch anhaltend steigende Fahrgastzahlen untermauert und von den Fahrgästen durch sehr hohe Kundenzufriedenheitswerte honoriert.

Voraussetzung zur Erbringung dieses quantitativ und qualitativ hochwertigen Leistungsangebotes ist eine hoch motivierte Mitarbeiterschaft. Deshalb ist Ihre Unterstellung angeblicher Mängel bei der Arbeitseinstellung, -qualität und -produktivität von SWM/MVG-Mitarbeitern falsch und überdies beleidigend. Infolgedessen gibt es auch keinen Zusammenhang von „unnützen Ausgaben" oder angeblich mangelnder Arbeitseinstellung von SWM/MVG-Mitarbeitern mit der Entscheidung über notwendige Erhöhungen der MVV-Tarife. Diese richten sich ja nicht allein nach der MVG, sondern auch nach dem Bedarf der DB AG für die S-Bahn und anderer (privater) Verkehrsunternehmen im MVV.

Kalkulationsgrundlage der Fahrpreise sind ausschließlich die für das Leistungsangebot entstehenden Kosten abzüglich der - seit Jahren sinkenden - staatlichen Förderung. Diese Betriebskosten werden maßgeblich durch das hohe und weiter wachsende Leistungsangebot der MVG bestimmt. Die „Alternative" zur Weitergabe der Aufwandssteigerungen wäre eine Reduzierung des Leistungsangebotes – was sicher nicht im Sinne der Fahrgäste wäre und sich angesichts ständig wachsender Fahrgastzahlen auch von selbst verbietet.

Mit freundlichen Grüßen