Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Eduard Meyersieck am 21. September 2012
18051 Leser · 119 Stimmen (-15 / +104) · 11 Kommentare

Gesellschaft und Soziales

Moschee am Karlsplatz? Integrationsfördernd?

Sehr geehrter Herr Ude,

stimmt es, dass der Bau einer großen Moschee in der Nähe vom Stachus geplant ist?
Wenn ja, warum wird die Bevölkerung nicht besser über ein derartig großes und wichtiges Projekt informiert?

Glauben Sie, dass ein deartiges Projekt Integrationsfördernd sein würde? Wie soll mit solchen Bauten die INTEGRATION der islamischen Bevölkerung in Bayern/Deutschland gefördert werden? Gibt es nicht schon genügend Moscheen in Bayern?

Wie würde sichergestellt werden, dass dieser Ort nicht in Zukunft ein Zentrum von Salafisten oder radikalen Islamisten sein wird; von dem aus Hassprediger ihr anti-demokratisches Gedankengut verbreiten werden?
Wie würde das in Zukunft kontrolliert werden?...
Warum sollte München dieses Risiko eingehen?

Würde dadurch nicht die Münchner / Bayerische Lebensweise, Kultur, Gemütlichkeit bzw. Lebensqualität gestört werden?

Warum wird nicht eine VOLKSABSTIMMUNG auch für dieses Projekt gemacht?

Das wichtigste Geschenk Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg war die DEMOKRATIE und diese sollte mit allen Mitteln verteidigt werden. Deshalb sollten alle eventuellen Gefahrenquellen vermieden werden und die Münchner Einwohner sollten mitbestimmen (wie bereits in anderen Fällen) ob sie dieses Projekt wollen oder nicht.

Besten Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Eduard Meyersieck

+89

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Antwort
von Christian Ude am 18. Januar 2013
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Meyersieck,



mit Recht betonen Sie, dass die Demokratie das wichtigste Geschenk nach dem 2. Weltkrieg war und mit allen Mitteln verteidigt werden sollte. Zur Demo- kratie gehört bekanntlich unverzichtbar der Katalog der Grundrechte und der Minderheitenschutz. Bei den Grundrechten wiederum spielt die Religions- freiheit eine zentrale Rolle. Sie bedeutet, dass jeder Mensch seine Religion frei praktizieren kann.

Die Errichtung von Gebäuden für die Religionsausübung ist nicht Sache der öffentlichen Hand, sondern Aufgabe der jeweiligen Glaubensgemeinschaften. Deshalb kann eine Kirche, eine Synagoge, eine Moschee oder ein Tempel nur von der jeweiligen Glaubensgemeinschaft geplant und realisiert werden. Die Stadt hat nur zu prüfen, ob diese Nutzung auf dem jeweiligen Areal zulässig ist und ob das Vorhaben dem Baurecht entspricht.

Mit dem Wunsch einer islamischen Gruppierung, in der Nähe des Stachus eine Moschee zu errichten, hat sich der Stadtrat der Landeshauptstadt München noch nicht befasst. Es gibt in der Nähe des Stachus auch gar kein Grundstück, das der islamischen Initiative gehören würde. Auch gibt es weder Kaufver- handlungen, noch einen Bauantrag (der grundsätzlich auch auf fremdem Grund möglich wäre). Aus Gesprächen mit der Initiative ist bislang lediglich bekannt, dass noch keine Mittel zur Finanzierung zur Verfügung stehen.

Richtig ist allerdings, dass der Trägerverein ZIE-M gerne ein Zentrum für Islam in Europa realisieren möchte. Die Ziele dieses Projektes finden Sie auf der Homepage des Vereins unter www.zie-m.de. Beabsichtigt ist die Förderung eines offenen und transparenten Miteinanders von Muslimen und Nicht-Muslimen. Die Offenheit der geplanten Einrichtung wirkt gerade den von Ihnen genannten Bedenken entgegen. Das ZIE-M will einen modernen, aufgeklärten Islam europäischer Prägung fördern und deutlich machen, dass Muslime nicht in einer geheimen Parallelgesellschaft leben wollen, sondern sich hier, in unserer Stadtgesellschaft zugehörig und heimisch fühlen.

Das Projekt wird daher im Münchner Stadtrat von allen Fraktionen unterstützt. Noch ist aber vollkommen unklar, welche Mittel der Verein für sein Vorhaben generieren und welches Grundstück er dafür erwerben kann und wie das Vorhaben dann in der konkreten Situation planungs- und baurechtlich zu beurteilen ist.

Die Münchner und bayerische Lebensweise, die Sie ansprechen, würde durch den Bau des ZIE-M keineswegs gestört, manifestiert sie sich doch gerade im Grundsatz „Leben und leben lassen“, in dem sich unsere Weltoffenheit und Toleranz widerspiegelt.

Ich bitte Sie, machen Sie sich selbst ein Bild von ZIE-M und seinen Zielen und fallen Sie nicht herein auf rechtspopulistische Parolen, die dieses Projekt als islamistische Gefahr für unsere Stadt diffamieren.


Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (11)Schließen

  1. Autor Martin Wunderlich
    am 21. September 2012
    1.

    Es gibt in Muenchen bereits an sehr zentraler Stelle eine Synagoge. Haben gegen deren Bau ebenso vehement argumentiert? Warum keine Moschee am Stachus? Es waere ein Zeichen gegen die Islamhetze, die seit etwas ueber 10 Jahren nicht nur in Deutschland leider sehr praesent geworden ist. Ersetzen Sie doch einfach mal in Ihrem Text "islamisch" durch "jüdisch" und schaun Sie sich an, was bei rauskommt.

  2. Autor Seifeddine Guizani
    am 15. Oktober 2012
    2.

    Sie meinen, es gibt genügend Moscheen in Bayern. Könnten Sie mir ausser dem islamischen Zentrum in Freimann welche nennen? Natürlich ausser Gebetsräume, die sich meistens in Lager oder Keller befinden!
    Damals haben Sie gegen Minaretten protestiert und heute sogar gegen Moscheen!!! Sagen Sie mal, wo können die Muslime endlich ihre Religion praktizieren? Warum sollen sie sich immer verstecken?
    Es geht nicht um Integration, weil die Mehrheit der Muslime gut integriert sind. Es geht nur an Bürger wie Sie, die nicht bereit sind sich zu öffnen und dementsprechend Muslime zu akzeptieren.

    Beste Grüße
    Guizani

  3. Autor Sabine Kiermaier
    am 21. Oktober 2012
    3.

    Die neue Religiosität betrachte ich mit Sorge. Religion sollte Privatsache sein, sie tritt aber wieder mehr in den Vordergrund und mischt sich in die Politik ein. Dabei wird häufig sehr rechthaberisch aufgetreten und jegliche Kritik tabuisiert oder als radikale Intoleranz bezeichnet. Ich würde es sehr begrüßen, wenn man die Religion auf der spirituellen Ebene belässt, sie löst unsere aktuellen politischen Probleme mit Sicherheit nicht, sondern schafft vielmehr neue Probleme. Aus meiner Sicht braucht man keine neuen Kirchen, Synagogen oder Moscheen.
    MfG Sabine Kiermaier

  4. Autor G. Spielb.
    am 26. Oktober 2012
    4.

    was mich wundert ist ja!
    warum hat man versucht dieses Projekt zu verheimlichen und warum stellt sich Herr Ude nicht den Fragen??

  5. Autor Lothar Volz
    am 29. Oktober 2012
    5.

    Auch in Bayern gelten deutsche Grundgesetze! Religionsfreiheit heißt doch, dass jeder Mensch seine Religion frei leben darf. Also warum nicht auch Moslems?
    Was ich allerdings nicht richtig finde, ist, dass in den Moscheen nicht in deutscher Sprache gebetet wird! Das denke ich, ist doch das eigentliche Problem, das viele Nicht-Moslems in Deutschland haben.
    In einer Kirche darf auch ein Moslem während eines Gottesdienstes anwesend sein und sich die Gebete der Christen anhören. Keiner wird am Eingang vor Beginn des Gottesdienstes zurückgewiesen. Und jeder wird akzeptiert, der auch nur still zuhören will. Aber das ist in einer Mosche nicht möglich!

  6. Autor Heung Hsu Kwei
    am 29. Oktober 2012
    6.

    Wie naiv und dummm sind doch die deutschen Politiker und Regierung...
    Wer garantiert, dass in dieser grossen Moschee nicht radikale Hassprediger oder Salafisten aktiv werden?
    Nach meinen persönlichen (sehr schlechten) Erfahrungen und auch als Frau, dulden Muslime keine andere Religion ausser der Islam!
    In welchen muslimischen (retrograden) Ländern werden andere Religionen, wie zB der Christentum, gleichberechtigt geduldet? Im Gegenteil, Christen werden in der Regel verfolgt.
    Schade um das (noch) friedliche Muenchen.

  7. Autor Dr. Angelika Koller
    am 07. November 2012
    7.

    Wer Zeitung liest oder TV schaut, hätte schon längst mitbekommen können, dass über ein Zentrum für Islam diskutiert wird, das eine Moschee, Sozialeinrichtungen, Museum und Schulungsstätten bekommen soll, und es soll dort Deutsch gesprochen werden. Das Zentrum kann auch eine Begegnungsstätte für Menschen aller in München vorhandenen Religionen werden.
    Über den Stachus hat noch nie einer geredet, sondern über ein Gelände an der Herzog-Wilhelm-Straße, zentral, aber gut erreichbar.
    Es gibt sehr viele Muslime unterschiedlicher Herkunft in München: zivil denkende Türkisch-Stämmige, Afghanen, die vor den Taliban flüchteten, Konvertiten wegen des Ehepartners... Denkt auch mal wer an Touristen oder Geschäftsreisende, die in München gern ihr Geld lassen dürfen? Vielleicht sollte man denen allen was Besseres bieten als die tatsächlich recht seltsame Moschee in Freimann.
    Wenn an zentralem Ort mit Münchner/Bayerischer Beteiligung ein Zentrum für Islam entsteht, halte ich es für relativ gut überschaubar, dass da nicht Hass gepredigt wird. So überschaubar wie andere Einrichtungen, wo man auch nicht die innersten Denkprozesse aller überprüfen kann, ob sie kompatibel mit dem Grundgesetz sind.
    Gebt den Mitbürgern islamischen Glaubens eine Chance, ihre Religion zu praktizieren und sich ins moderne demokratische Deutschland zu integrieren.

  8. Autor Markus Schmidt
    am 11. November 2012
    8.

    Anscheinend stammen einige der Kommentare von Personen, die den Münchner Stadtrat sehr nahestehen.
    Warum sollte eine grosse Moschee, im Münchner Stadtzentrum "überschaubarer" oder kontrollierbarer als andere sein?
    Zudem obliegt die Sicherheit dem Land; die Stadt München ist auch nicht in der Lage sich um Sicherheit zu kümmern.
    Bin auch der Meinung, dass München nicht dieses Risiko eingehen sollte.
    Wir haben doch schon genug negative Beipiele radikalisierender Muslime aus dem Ruhrgebiet und Berlin.

    Deshalb unterstütze ich ein Volksbegehren für dieses Projekt. Die Münchner Bevölkerung sollte darüber abstimmen dürfen.

  9. Autor Maria Käser
    am 13. November 2012
    9.

    Seltsam, werte Fr.Koller, daß Sie in Ihren vielen Plädoyes für die Moschee in Ihrer Argementation nicht ein einziges mal auf die Finanzierung eingehen. Diese Moschee soll zu 80% von Katar finanziert werden. Wenn Waffen in diese Länder geliefert werden sollen, ist der Aufschrei in der Gesellschaft groß, weil dieses Emirat als undemokratisch, mit wenig Toleranz anderen Religionen gegenüber gilt. Aber eine vom Herrscherhaus Katar finanzierte Moschee, die zudem als europäisches, muslimisches Zentrum fungieren soll, da sind offensichtlich einige Menschen blind auf beiden Augen!

  10. Autor Franz Huber
    am 16. November 2012
    10.

    Bei dem Gedanken an eine Moschee am Stachus oder Umgebung, dreht sich mir als Münchner Kindl der Magen um!! Diskutieren ist eh überflüssig, da man bei Contra sowieso mit Routine als "tiefbraun" tituliert wird. Religionsfreiheit, sehr witzig, wie wäre es mit einem katholischen Kulturzentrum in Ankara oder Kabul?

    Christkindlmarkt mit "Mosche-Skyline", Klasse...nur weiter so liebe Mitbürger...

  11. Autor Franz Huber
    am 16. November 2012
    11.

    Liebe Frau Koller, halten Sie das Viertel um den Münchner Hauptbahnhof auch für einen zentralen überschaubaren Ort, der auch Touristen etwas bietet? Bitte tun Sie sich den Gefallen, egal wann, aber besonders zu vorgerückter Stunde einen entspannten, ruhigen Spaziergang zu tätigen :)

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