Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

Es können keine neue Fragen mehr gestellt oder bewertet werden. Bisherige Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Archiviert
Autor Florian Draenert am 06. Januar 2014
3083 Leser · 45 Stimmen (-5 / +40) · 0 Kommentare

Politik und Verwaltung

Mehrkosten für Arztpraxen

vollständiger und längerer brief geht per post und mail an Sie und den Verteiler.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ude,

Ist die Sicherstellung von Arztpraxen im Münchner Innenstadtraum für Sie und die SPD bedeutungslos oder ein strategisches Anliegen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt München? Um diese Frage geht es.

Ich bin Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg und plane eine Praxisgründung in München.

Die Situation:
• • Private Unternehmer bauen und sanieren zu horrenden Kosten und unter strengen Auflagen Bausubstanz in unserer Stadt. Dies sind private Unternehmungen, die zurecht den Profit als Ziel haben.
• • Andere private Unternehmer sind Ärzte und Zahnärzte, die ebenso auf eigene Kosten und eigenes Risiko ihre Praxen gründen und Miete für entsprechende Räume bezahlen.
• • Ärzte und Zahnärzte sind nicht MWSt-pflichtig.
• • Wohneigentümer setzen Bau- und Sanierungskosten von der Steuer ab.
• • Das Finanzamt mindert Abschreibungsmöglichkeiten für Bauherren, wenn die Mieter keine MWSt bezahlen, da hier Gewerbeflächen keine Steuereinnahmen bringen. Hierdurch entstehen MWSt-Schäden zwischen ca. 19 und 35% der abschreibbaren Ausgaben des Vermieters auf die Mieteinnahme.
• • Darüberhinaus ist die Abschreibungsmöglichkeit bei einem Objekt auch an bestimmte Limits beim Mieteranteil MWSt-freier Berufe gebunden.

Hieraus ergibt sich die Situation in Ihrer Stadt, dass Ärzte und Zahnärzte, im Gegensatz zu MWSt-pflichtigen Berufen wie Anwälten, Steuerberatern, Luis-Vuitton-Flagship-Stores, etc., horrende Mehrkosten bei den Mieten bezahlen müssen, wenn sie überhaupt Mietflächen finden.

Fakten:
Konkrete Zahlen und Fakten um die Kosten und die Situation zu verdeutlichen:
• • Für Privatwohnraum im Zentrumsbereich fallen Preise von ca. 20-25 €/qm an.
• • Gewerbeflächen kosten im Zentrum ca. 25-45 €/qm.
• • Nehmen wir dieses 45 €/qm Extrembeispiel, für welches ich ein Mietangebot habe:
• o Mir wurde hier, zurecht aufgrund der umfangreichsten Denkmalschutzauflagen, ein enormer MWSt-Schaden aufgeschlagen sodass ich hier 65 €/qm bezahlen soll.
• o Dies ist in diesem Objekt besonders grotesk, da die Stadt dem Bauherren auferlegt hat die Hälfte der Immobilie mit Ärzten zu belegen.
• o Im Moment sind dort //.. Schnitt wegen Limit..//aber auch diese zahlen 20 €/qm mehr als die Anwaltskanzlei im selben Haus. Im Moment stehen die Restflächen leer. Dies alles führt die Nutzungsauflage der Stadt ad absurdum.

Ebenso leer stehen viele andere Gewerbeflächen //.. Schnitt wegen Limit..// Die Innenstadt hört dabei nicht mit dem Altstadtring auf. Gestern habe ich ein Objekt im Herzogpark mit 19% Aufschlag besichtigt.

Das süffisante ist ja, dass die MWSt-Freiheit dem Patienten und damit dem Bürger zugute kommt. Das ist der Sinn dieser Regelung.

Ich bitte Sie davon Abstand zu nehmen auf die generell gute medizinische Versorgungslagen hinzuweisen. //.. Schnitt wegen Limit..//
Neue, gut ausgebildete Mediziner müssen Neugründungen wirtschaftlich sinnvoll in der Münchner Innenstadt durchführen können ohne MWSt-Schadensaufschlag.

Bitte vermeiden Sie es auch auf ausgewiesene Ärztehäuser zu verweisen. Zum einen //.. Schnitt wegen Limit..// mehr nicht sinnvoll.
Ein Arzt muss jede Gewerbeimmobilie zu denselben Mietbedingungen nutzen können wie ein Anwalt. Er hat auch dann noch erheblich höhere Umstände durch Brandschutz und andere abweichende Auflagen.

Wollen Sie in der Innenstadt in Zukunft nur Anwaltskanzleien, Unternehmensberater, 100%-Privatpraxen von "Promi-Ärzten" und Flagship-Stores von Luxusmarken oder wollen Sie ein lebendiges Stadtbild zu dem zurecht die MWSt-freien Arztberufe zählen?

Was gedenken Sie zu tun?

Nur ein marktwirtschaftlich sinnvoller Ansatz ist zielführend. Das bedeutet der MWSt-Schaden muss von den Schultern des Bauherrn genommen werden, der dies im Moment auf den Mediziner abwälzt. //.. Schnitt wegen Limit..//

In Erwartung eines Gespräches verbleibe ich mit besten Grüßen,

Prof. Dr. Dr. Florian Draenert

+35

Die Abstimmung ist geschlossen, da der Beitrag bereits archiviert wurde.