Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor David B. am 04. November 2013
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Planen und Bauen

Mehr ausgewiesene, bezahlbare Bauflächen so dringend wie nie!

Sehr geehrter Herr Ude,
über die aktuelle Miet- und Kaufpreisdebatte bzgl. Wohneigentum in den Städten muss man Sie, als Mitglied des Städte- und Gemeindetages, sicher nicht erneut informieren oder einleitend "abholen".
Kurzum: die Situation in München ist, gerade auch für junge Familien, katastrophal. Mieten sind unbezahlbar, an Kaufen braucht man - selbst als Doppelverdiener-Paar mit gutem Einkommen - gar nicht erst zu denken.
Meine Frage lautet: was tun Sie und die Stadt München dafür, das endlich wieder bezahlbare Bauflächen ausgewiesen werden und die Gentrifizierung der Stadt gestoppt werden kann?!
München ist umgeben von unglaublich viel freier Wald- und Grünfläche, die im Gerangel von Zuständigkeiten zwischen Land, Gemeinden und Stadt scheinbar "Niemandsland" bleiben soll. Ein deprimierender, zum Himmel schreiender Umstand, den die allermeisten Bürgerinnen und Bürger überhaupt nicht mehr nachvollziehen können!
Wo bleibt die dringend erwartete Hilfe von Seiten der Verwaltung - von Ihrer Verwaltung?
Warum nimmt sich die Stadt München nicht endlich aktiver, sicht- und spürbarer dem Problem an und findet gemeinsam mit den Kommunen und dem Land Lösungen für mehr und bezahlbaren Wohnraum? Muss man gar eine "Agenda" hinter diesen Umständen vermuten? Geht es nur noch ums Geld und die "Renditeerwartungen" von Investoren? In der öffentlichen Debatte werden diese als ein gewichtiger Argumentationspfeiler dafür, das nichts voran geht im Wohnungsbau, immer wieder vorgebracht. Für mich - selbst als Betriebswirt - Ausdruck dafür, wie sich die Koordinaten verschoben haben; Wohnen als Grundrecht eines jeden Bürgers, für das auch die öffentliche Hand einstehen müsste, hat hinter den Renditeerwartungen von ein paar Wenigen zurück zu stehen.
Herr Ude, der Zustand in München ist untragbar geworden. Und hier schreibt ein "nominal gut verdienendes Akademikerpaar" - was ist mit dem ganzen Rest der Bürgerinnen und Bürger? Was ist mit dem Busfahrer und der Krankenschwester? Wo sind die Wahlkampfaussagen hin, das es endlich wieder gerechter zugehen muss in diesem unserem Land? Warum verkaufen wir alles an ausländische Investoren aus Russland, Griechenland, Saudi Arabien und anderen Ländern, die unser München kalt als Investitionsplattform betrachten und mit den Menschen hier überhaupt nichts zu tun haben (wollen)? Warum werden nicht neue Initiativen von Ihnen - als Bürgervertreter der geplagt sein muss von diesen Umständen - im Städte- und Gemeindetag oder auf anderen Ebenen eingebracht?
Vielleicht unterschätzt man auch Ihr Engagement an der Stelle, kennt Gegenkräfte und Lobbys zu wenig und tut Ihnen punktuell Unrecht...
Fakt bleibt aber, das in München eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit von Jahr zu Jahr zunimmt und nur noch Superreiche oder Erben das Schachbrett für sich aufzuteilen scheinen. Und Sie, Herr Ude, stehen in der Verantwortung - und wenn es die letzte, entscheidende, Ihre Amtszeit unvergesslich machende Handlung wäre - endlich ein Zeichen zu setzen. Für Ihre Mitbürger. Für Ihre Stadt.
Hochachtungsvoll,
Ihr David B.
(mit Familie)

+136

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Antwort
von Christian Ude am 27. März 2014
Christian Ude

Sehr geehrter Herr David B.,

mit Ihrer E-Mail vom 04.11.2013 sprechen Sie die Probleme bei der Wohnungssuche bzw. bei der Suche nach Bauland in der Landeshauptstadt München an und regen in diesem Zusammenhang die zusätzliche Ausweisung von Bauflächen an, um bezahlbare Bauflächen zu schaffen.

Welche Bedeutung ich in meiner gesamten Amtszeit dem Wohnungsthema beigemessen habe, sehen Sie schon daran, dass in meiner Amtszeit 125.000 neue Wohnungen fertiggestellt wurden und dass ich seit 1990 für die Mietbremsen eintrete, die allerdings erst jetzt vom Gesetzgeber realisiert werden – und damit leider zu spät für alle Mietsprünge der letzten zwei Jahrzehnte.

Wie Sie selbst beschreiben, steht die Landeshauptstadt München als attraktive und prosperierende Stadt vor der Aufgabe ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Bereits in der Vergangenheit ist es leider immer wieder zu Zeiten mit einer sehr großen Wohnungsnachfrage und folglich steigenden Mieten gekommen. Durch die Nachwirkungen der Finanzkrise 2008 findet eine anhaltende Flucht in Sachwerte wie vor allem in Immobilien statt und trägt damit zusätzlich zu immensen Preissteigerungen bei.

Die Landeshauptstadt München steuert dieser Entwicklung entgegen, indem sie bei Wohnungsbauvorhaben auf städtischen Flächen 50% für den geförderten Wohnungsbau vorsieht, der Beziehern von unteren und mittleren Einkommen zur Verfügung gestellt wird.

Des Weiteren wird die Ausweisung neuer Bauflächen kontinuierlich vorangetrieben. Nachdem zum Beispiel die innerstädtischen ehemaligen Kasernenflächen und viele ehemalige Bahnflächen zu innerstädtischen Bauflächen umgewandelt wurden bzw. diese Entwicklungen in die Wege geleitet wurden, gilt die Aufmerksamkeit in den letzten Jahre verstärkt der Baulandausweisung auf den letzten großen Freiflächen am Rande des Münchner Stadtgebiets.

Zusätzlich zu Freiham im Westen, wo im kommenden Jahrzehnt Baurecht für unterschiedlichste Wohnformen für 20.000 Einwohner entstehen soll, werden auch Baulandausweisungen insbesondere im Münchner Osten nördlich von Riem und östlich der S-Bahn-Linie S8 für 10.000 Einwohner vorbereitet.

Leider gilt zur Zeit allgemein für den Wohnungsbau in München, dass die Marktpreise aufgrund der finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei weitem schneller steigen, als wir durch neue Baurechtsschaffungen kompensieren können. Die Stadtverwaltung versucht weiterhin mit allen möglichen Mitteln, diesem Trend entgegen zu wirken.

Ich lade Sie ein, sich über die städtischen Internetseiten auf dem Laufenden zu halten, und zwar zu Freiham über www.muenchen.de/freiham und zum Münchner Nordosten über www.muenchen.de/nordosten.

Die planerischen Einflussmöglichkeiten der Landeshauptstadt München außerhalb des Stadtgebiets sind aufgrund der verfassungsrechtlich geschützten kommunalen Planungshoheit von vornherein sehr begrenzt. Die Stadt München wirbt daher in den vorhandenen formellen und informellen regionalen Gremien sehr intensiv darum, dass die für das zu erwartende Bevölkerungswachstum in der Region notwendigen Wohnungs- baumaßnahmen auf möglichst viele Schultern verteilt werden.

Auch bei der 2014 anstehenden Gesamtfortschreibung des Regionalplans wird es darum gehen, geeignete Siedlungsflächenpotentiale ausfindig zu machen und unter Gewährleistung von Freiraumschutz und die Infrastrukturversorgung zu entwickeln.

Die Landeshauptstadt München wird hierzu ihren Beitrag leisten und sich weiterhin bei den regionalen kommunalen Partnern für die Aktivierung von geeigneten Siedlungsflächen einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (3)Schließen

  1. Autor Maria Käser
    am 04. November 2013
    1.

    Ich bin davon überzeugt, dass die Lösung der Wohnsituation nicht darin liegt, auch noch die umliegenden Wald- und Grünflächen zuzubauen. Haben Sie schon mal was von Flächenversiegelung gehört, und die damit einhergehende Zerstörung von Umwelt und Lebensqualität??!!
    Intelligente, innerstäditische Bebauung wäre der bessere Ansatz, und hier gäbe es auch noch jede Menge Potential, ohne auch innerhalb Münchens alles Grüne und Lebenswerte, wie die Gartenstädte zu zerstören! Es müsste in der Stadtverwaltung eine eigene Abteilung geben, die sich mit diesen Potentialen beschäftigt und einer sinnvollen Bebauung zuführt! Aber diesbezügl. tut sich halt sehr wenig in der rot-grünen Stadtverwaltung.

  2. Autor Monika Häusler
    am 04. November 2013
    2.

    Haben Sie sich noch nie die Frage gestellt, weshalb der Zuzug nach München und Umland ungebremst anhält, deshalb seit Jahren der Ruf nach mehr Wohnungen und v.a. bezahlbaren zu hören ist?

    Weshalb veröden bzw. vergreisen ganze Landstriche in Franken und der Oberpfalz, weshalb sind dort die Mieten günstig und stehen sogar Häuser leer?

    Das Gefälle zwischen Oberbayern und anderen Regierungsbezirken ist immens groß geworden.

    OB Ude kann nicht für alle Menschen, die in ihrer Heimatregion keine Arbeit finden und deshalb nach München ziehen, weil es hier boomt, Wohnungen aus dem Hut zaubern.

    München und Umgebung sollte auch nicht zugebaut werden, etwas Grün sollte schon noch erhalten bleiben (Ur-Münchner wie ich sind dafür ganz dankbar). Dafür sollten Anreize geschaffen werden, dass in GANZ Bayern gleiche Lebensverhältnisse herrschen, sich überall Unternehmen niederlassen und Arbeitsplätze schaffen. Das ist aber nicht der Job von einem OB Ude!

    Laut einem jüngsten Gutachten gibt es ohnehin nicht mehr genügend Flächenreserven für den prognostizierten Zuzug nach München. Und die Umlandgemeinden wollen auch ihre Flächen nicht einfach verscherbeln und sich vergrößern...siehe hierzu jüngste Zeitungsberichte.

    Übrigens: Immerzu neue Wohnunsilos zu errichten, wird keine günstigeren Mieten schaffen. Immer höher, weiter, schneller ist keine Lösung, sondern eine Verschärfung des Problems.

    PS: Vielleicht ist Ihnen noch nicht bekannt, weshalb die Bayer. Staatsregierung, d.h. die wiedergewählte CSU, ein Heimatministerium neu geschaffen hat??

  3. Autor Johanna Goede
    am 18. November 2013
    3.

    Laut Leerstandsbericht für Büroimmobilien von Ellwanger und Geiger stehen 1,5 Mio. qm Büroimmobilien leer - nicht genutzte Fläche, die offenbar auch keiner braucht. Darüber wäre eine Diskussion nötig.

    Die umliegenden Waldgebiete sind von großer Bedeutung für die Regeneration der Stadt - ein Umstand, der viel zu wenigen Menschen bewusst ist. Dies ist der Ort, wo sich verbrauchte Luft wieder erneuert, Wälder haben die Funktion von Klimaanlagen und bieten sehr vielen Lebewesen Unterschlupf.

    Täglich gehen ca. 100 ha Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke verloren, in München ist die versiegelte Fläche von 2010 auf 2011 um 420.000 qm gestiegen, knapp die Hälfte des Münchner Stadtgebietes ist überbaut und asphaltiert.

    Ich halte es für nötig, über infrastrukturelle Entzerrung nachzudenken, denn man kann München nicht "aufblasen", und auch nicht unendlich verdichten. Es ist eh schon sehr eng geworden in dieser Stadt, und die Menschen wohnen viel zu dicht aufeinander.

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