Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

Es können keine neue Fragen mehr gestellt oder bewertet werden. Bisherige Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Beantwortet
Autor Wolfgang Graf am 31. Januar 2011
7486 Leser · 106 Stimmen (-6 / +100) · 0 Kommentare

Planen und Bauen

Langfristige Zerstörung von wertvoller Natur wegen kurzfristiger Wintergaudi

Sehr geehrter Herr Ude,

mit Erschrecken habe ich gelesen, wie leichtfertig Sie gewachsene Natur in den Alpen für eine kurzfristige Sportgaudi opfern. Wertvoller Baumbestand wird gefällt, Wiesen werden asphaltiert,. bis zu 40m hohe Gebäudeblocks werden aus dem Boden gestampft - nur damit Wintersportfans 18 Tage Gaudi haben. Selbst in München sollen deswegen 1200 Bäume gefällt werden und mehrere Hektar wertvoller Parklandschaft im Olympiapark verschwindet wegen Winterolympia für immer unter Asphalt. Schluss auch mit Sommer-Tollwood im Olypark. Und dann kostet das 18-tägige Vergnügen auch noch 3 MRD Euro (zum Vergleich Stuttgart 21 soll 4 Mrd kosten).

Anlässlich der Tatsache, dass es dem Staat und den Kommunen überall an Geld fehlt, schwer verständlich...

Könnten Sie sich daher vorstellen, die Olympiabewerbung wieder zurückzuziehen?

+94

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Christian Ude am 26. Mai 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Graf,

was Sie zur Olympiabewerbung Münchens gelesen haben, muss ich dringend korrigieren:

Es ist gerade die Stärke unseres Bewerbungskonzeptes, dass negative Auswirkungen auf die Umwelt weitestgehend vermieden werden. 78% der Flächen der für 2018 benötigten Sportstätten werden bereits für den Sport genutzt. Weitere 21% der Flächen würden lediglich während der Spiele in Anspruch genommen, wobei eine Regeneration und Wiederherstellung der Flächen sichergestellt ist. Nur 1% der gesamten Flächen würde für neue Sportanlagen baulich umgestaltet – das ist weniger als ein Fußballfeld!

Auch der Olympiapark würde nicht „unter Asphalt“ verschwinden, sondern im Gegenteil sogar größer und grüner, weil wir dank der Winterspiele 2018 dort zwei Umweltprojekte realisieren könnten. Außerdem würden anstelle der heutigen EventArena und des alten Eissportzentrums zwei neue, moderne Multifunktionsarenen entstehen, die Münchner Sport und Kultur später dann zur Verfügung stünden. Auf dem benachbarten Areal des Bundeswehrverwaltungszentrums, wo für 2018 das Olympische Dorf im ökologisch vorbildlichen Plusenergiestandard geplant ist, würden die als sehr erhaltenswert beurteilten Bäume fast vollständig erhalten. Außerdem gewährleisten die dort geplanten Punkthochhäuser ein Minimum an Versiegelung und einen äußerst rücksichtsvollen Umgang mit dem bestehenden Baum- und Gehölzbestand. Nach den Spielen würden mehr als 1.300 Wohnungen zur Entlastung des Münchner Wohnungsmarktes beitragen.

Auch bei den kalkulierten Gesamtkosten für die Winterspiele 2018 von knapp 3 Milliarden Euro muss man sich schon genau anschauen, wie sich diese sicher gewaltige Summe zusammensetzt: So wird davon fast die Hälfte – nämlich rund 1,3 Milliarden Euro - für die Durchführung der Spiele veranschlagt und vom IOC sowie über Sponsorrechte, Eintrittskarten und Lizenzen finanziert - also weltweit eingesammelt und hier bei uns ausgegeben. Die verbleibenden gut 1,6 Milliarden Euro für die Herstellung der Infrastruktur umfassen Hotelprojekte privater Investoren, den Ausbau ohnehin dringend benötigter Verkehrsinfrastruktur insbesondere im Raum Garmisch-Partenkirchen, den Neubau zweier Sporthallen im Olympiapark, das Olympische Dorf und das Mediendorf in München sowie Umweltprojekte. Die Kosten für diesen Infrastrukturausbau, der einen langfristigen, weit über die Spiele hinausgehenden Nutzen hat, übernehmen zum größten Teil Bund und Land.

Die Belastung für den Stadthaushalt hält sich angesichts solch unbestreitbarer Vorteile in vertretbaren Grenzen: Die Stadt muss rund 205 Millionen tragen und davon fließen 70 Millionen in den Wohnungsbau und 50 Millionen in Umweltprojekte.

Ich hoffe dass ich Ihre Befürchtungen ausräumen konnte und gehe von Ihrem Verständnis aus, dass wir unsere Bewerbung weiter kraftvoll vorantreiben werden.

Mit freundlichen Grüßen