Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Michael Schauer am 16. September 2011
7932 Leser · 115 Stimmen (-13 / +102) · 2 Kommentare

Mobilität und Verkehr

Kopenhagen, ein Vorbild dem nachgeeifert werden sollte?

Sehr geehrter Herr Ude,

Ich bitte Sie sich folgenden Artikel durchzulesen und mir Ihre persönliche Meinung und aber vor allem die Ansichtsweise, die Strategie und die Tatkräftigkeit der Stadt München zu diesem Thema aufzuzeigen.

Vielen Dank!

Ihr Michael Schauer

Stadtverkehr in Deutschland: Wem die Straße wirklich gehören sollte - SPIEGEL ONLINE

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,785915,00.html

Staus, Lärm, zugeparkte Straßen - Deutschlands Metropolen sind die Hölle für Autofahrer, obwohl die Stadtplaner gerade ihnen das Leben leicht machen wollen. Wer dagegen kluge Konzepte für alle Menschen will, schaut ins Ausland- und lernt, dass sogar ein bisschen Spießigkeit helfen kann.

+89

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Antwort
von Christian Ude am 23. Dezember 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Schauer,

schon seit 1998 verfolgt die Münchner Stadtenwicklungsstrategie „Perspektive München“ unter dem Motto „kompakt-urban-grün“ ganz ähnliche Ziele, wie der von Ihnen zitierte Artikel am Beispiel der Stadt Kopenhagen aufzeigt. Die Stadt München hat schon lange erkannt, dass lebenswerte Städte einerseits eine urbane Dichte brauchen, die im Wohnumfeld auch Arbeitsplätze, Einkaufsgelegenheiten und Kindergärten bietet. Gleichzeitig sollen Parks und Grünflächen für frische Luft sorgen und Naherholungsmöglichkeiten bieten. Die Alltagswege können so zu Fuß und mit dem Rad zurückgelegt werden. Weil neue Gebiete immer an den S-, U- oder Trambahnlinien entwickelt werden, können weitere Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Entsprechend gibt der Verkehrsentwicklungsplan vor, dass durch die „Stadt der kurzen Wege“ wenig Verkehr notwendig sein soll. Die Wege sollen zu einem möglichst großen Teil zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Öffentliche Verkehrsmittel und Radverkehr werden in München schon seit Jahrzehnten konsequent gefördert. So legen die Münchnerinnen und Münchner bereits jetzt 14 % ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück - einer der höchsten Werte unter den deutschen Großstädten. Gleichzeitig ist in den letzten Jahren der Autoverkehr vor allem in der Innenstadt zurückgegangen.
Um die Grenzwerte der Europäischen Union zu Luftreinhaltung und Lärmschutz sowie die Klimaziele einzuhalten, muss in den nächsten Jahren der Autoverkehr weiter reduziert werden. Neben einem weiteren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel soll daher vor allem der Fuß- und Radverkehr gefördert werden. Entsprechend dem Grundsatzbeschluss „Radverkehr in München“ aus dem Jahr 2009 sollen bis 2015 zum Beispiel 2000 zusätzliche Fahrradabstellplätze im Straßenraum geschaffen und mindestens die Hälfte aller Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet werden. Außerdem sollen Lösungen für noch bestehende Engpässe und Lücken im Radverkehrsnetz entwickelt werden.

Hierzu informieren sich die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung ständig über aktuelle Entwicklungen und gute Lösungen im In- und Ausland – zum Beispiel auch in Kopenhagen. So hat im Frühjahr 2011 nach Kopenhagener Vorbild ein Verkehrsversuch stattgefunden: Am Rotkreuzplatz wurde probeweise eine Auto-Fahrspur in eine Fahrradspur umgewandelt. Nachdem der Versuch positiv verlaufen ist, kann die Fahrbahn dort jetzt umgebaut werden, so dass künftig in beiden Richtungen Radfahrstreifen zur Verfügung stehen werden.

Sie sehen also, dass auch in München die Konzepte der „Städte von morgen“ bereits umgesetzt werden – nicht zuletzt deshalb hat das auch im Spiegel-Artikel zitierte Magazin „Monocle“ München 2007 auf Platz 1 seines Rankings gesetzt und zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt.

Mit freundlichen Grüßen


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  1. Autor Andreas Rohe
    am 09. Oktober 2011
    1.

    Kann es sein, dass hier die Autoindustrie reges Interesse daran hat, den Autoverkehr zu fördern? :-)
    Fahrradfahren ist in München jedenfalls kaum ratsam - ich kenne privat kaum noch jemanden, der noch keinen durch ein Auto verursachten Unfall hatte! Und durch die Regelung, mit dem Rad gegen die Fahrrichtigung in oft sehr engen Einbahnstraßen fahren zu können, wurde es noch schlimmer.

  2. Autor Herbert Gerhard Schön
    am 23. Oktober 2011
    2.

    Zumindest ist BMW ein im Münchner Norden ausgesprochen gut sichtbarer Großkonzern, der für seine betrieblichen Ausbau-Wünsche bei der Münchner Stadtverwaltung ein entsprechend (un-) angemessen (?) großes Gehör findet. Wer denkt da jetzt Böses, nur weil BMW ein wichtiger Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler ist?

    Das Problem für die in München lebenden und arbeitenden Menschen, egal ob sie als Fußgänger/innen, Radfahrer/innen, Autofahrer/innen oder Mitfahrer/innen im ÖPNV unterwegs sind, ist:
    Es geht meistens überall sehr eng zu und viele Leute "befreien" sich hier durch ein auffällig egoistisches, rabiates bis extrem rücksichtsloses Verhalten anderen Verkehrsteilnehmer/innen gegenüber. Da sind dann Radler-Rambos genauso dabei wie Radwege beparkende Kindergarten-Mamis (Ich bin doch nur ganz kurz . . .), Stur-Schleicher in der Mitte eines schmalen Gehwegs sowie ÖPNV-Reisende mit dem zwanghaften Drang zum Kofferburgen-Bauen auf den Sitzplätzen um sich herum.

    In dieser Kampf-um-den-letzten-freien-Platz-Gesellschaft sind dann die Autofahrer/innen mit der größten "Platzbesetzungs-Waffe" Fahrzeug / Stehzeug in einem Schein-Vorteil und rühren sich deshalb mental nicht von der Stelle. Freiwilig gibt hier also kaum jemand dieses mächtige Symbol der individuellen Mobilitäts-Freiheit auf. Ohne sanften Druck bis hin zu wirksamen Zwängen wird es daher nicht gelingen, die Verhältnisse auf unseren Großstadt-Straßen zu verändern. Und ein Münchner Oberbürgermeister, der jetzt noch gerne als bayerischer Ministerpräsident gewählt werden möchte, wird im BMW&Audi-Land kaum damit anfangen, die Perspektiven radikal zu wechseln. Das bräuchte es aber dringend.

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