Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor H. F. am 15. April 2009
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Gesellschaft und Soziales

Kinderkrippen!

Sehr geehrter Herr Ude,

es kann nicht angehen das berufstätige derzeit sogar VOR der Schwangerschaft sich für einen Kinderkrippenplatz anmelden müssen, um überhaupt vielleiiiicht einen Platz zu kriegen!

Mir ist bewusst das man nicht einfach hunderte von Krippenplätzen aus dem Boden stampfen kann und Erzieherinnen einstellen etc.

Aber die Situation in München ist nicht neu! MÜNCHEN schläft! München entwickelt sich kaum weiter, das einzige, was wächst sind die Schlaglöcher. Aber das ist ein anderes Thema.

In meinem Fall wird meine Freundin nun NICHT wieder arbeiten gehen können, und es wird auch kein Ersatz am Arbeitsmarkt für Ihre Position gesucht werden. Allein durch solche Fälle verliert die Stadt GELD ! Steuern, Sozialabgaben und Einnahmen aus Kinderkrippenplätzen. Eine private Kinderkrippe kostet 600-700 Euro PRO MONAT ! was muss ein "normaler" Mensch (nicht Boni-Banker) verdienen, um das reinzuarbeiten?! Wie sinnlos ..
Für eine Elterninitiative haben BERUFSTÄTIGE leider auch keine ZEIT..

Die Vergabe ist total undurchsichtig da dezentral. Eine Zumutung war es jede Krippe mit dem Kind anzusteuern / zu telefonieren und trotzdem nichts. 2-3 Jahre Warteliste, ach ja, wenn da nicht schon das Kindergartenalter erreicht wäre. Bei der neu errichteten Krippe Posener Str. waren am 1. Anmeldetag geschätzte 200 (!) Leute für 48 Plätze. Es gab 3 Anmeldetage.. das sagt doch alles! Aus dem Bekanntenkreis hört man das ständiges nerven und betteln manchmal zum Erfolg führt weiter nach vorne auf der Liste gerückt zu werden. Ist das erwünscht?! Soll ich vor der Krippe betteln, winseln und hungerstreiken?

Wie wird ein sozialer Härtfall geprüft? Wie wird eine Berufstätigkeit geprüft? Nachgewiesen? Gar nicht!

Bei öffentlichen Krippen werden soziale Fälle bevorzugt vor berufstätigen, klar, schwierige Familien müssen unterstützt werden. Aber wenn diese Eltern nicht arbeiten sondern zuhause sitzen und den ganzen tag fernsehen, trinken und rauchen, brauchen die keinen Kinderkrippenplatz sondern Lebens-HILFE!

Was wiederum finanziert wäre, wenn berufstätige und Leistungsträger arbeiten könnten.

Und nun wundert man sich, wieso immer noch höher gebildete Menschen weniger Kinder kriegen (wollen / können).

Wenn ich mir so ansehe, was an Büroflächen in München aus dem Boden gestampft wird und JAHRE lang nach Mietern gesucht wird. Die Stadt hätte etliche Möglichkeiten neue Krippen schnell zu organisieren! Gewerbeflächen liegen brach. Das Personal ist eine andere Frage, auf die ich leider keine Antwort weiss, da ich die Situation nicht kenne.

TUN SIE WAS! Und wenn sie bereits was tun, tun Sie mehr!

mit freundlichen Grüssen

H.F.

+27

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Antwort
von Christian Ude am 09. Juni 2009
Christian Ude

Sehr geehrter Herr H.F.,

zunächst stimme ich Ihnen bei Ihrem Hauptkritikpunkt völlig zu: es gibt in München noch immer zu wenige Betreuungsplätze für die Kleinen. Aber dass wir in München "schlafen", dass wir uns "kaum weiterentwickeln", da muss ich Ihnen doch ganz entschieden widersprechen. Im Jahr 2008 wurden in München 1.702 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren in Krippen, Kindertageszentren (Kitz) und Kooperationseinrichtungen (Koop), sowie Eltern-Kind-Initiativen und Tagespflegestellen geschaffen. 1990 gab es in München1.908 Krippenplätze, zu Beginn des Jahres 2009 waren es mit 7.900 Plätzen in Krippen, Kitz und Koops mehr als viermal so viele. Darunter sind 2.887 Plätze in städtischen Einrichtungen, 2.062 Plätze freier Träger sowie insgesamt rund 2.775 Krippenplätze gewerblicher Einrichtungen, die in Zusammenhang mit den durch das Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz verbesserten Förderungsbedingungen entstanden sind.

Was Sie bzw. Ihre Freundin betrifft: Bitte überlegen Sie, ob Ihr Kind durch Tageseltern betreut werden könnte. Die Tagesbetreuungsbörsen für Kinder finden Sie in den Sozialbürgerhäusern. Bei einer Betreuung in einer privaten Einrichtung sind unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse durch die Abteilung Wirtschaftliche Jugendhilfe möglich.

Das aufwendige Vormerkverfahren, das Sie ansprechen, haben wir im Übrigen für unsere städtischen Krippen und Kindertageszentren seit März 2008 deutlich vereinfacht. Die Eltern können sich nun bei einer Einrichtung für bis zu sechs weitere vormerken lassen.

Sie sprechen eine angeblich "undurchsichtige" Vergabe der Plätze an. Die Vergabe richtet sich nach den Bestimmungen der geltenden Kinderkrippensatzung, die der Münchner Stadtrat beschlossen hat. Sie ist für jeden offen einsehbar, etwa im Internet unter www.muenchen.de/kindertagesbetreuung.

"Ständiges nerven" und "betteln" bringen in der Praxis der Vergabe nichts. Unregelmäßigkeiten bei der Platzvergabe sind uns bisher nicht bekannt geworden. Gemäß der Satzung müssen eine Vielzahl von Gesichtspunkten berücksichtigt werden: So werden etwa, wie Sie selbst ansprechen, soziale Härtefälle bevorzugt aufgenommen, ebenso Geschwisterkinder, außerdem muss die Einrichtung pädagogische Belange berücksichtigen, etwa die Altersmischung in der Gruppe. Die städtischen Kinderkrippen und Kindertageszentren fordern im Übrigen sehr wohl Nachweise für die Erwerbstätigkeit und für soziale Härtefälle.

Was mir ganz wichtig ist zu betonen: Wenn gemäß der Satzung Kinder bevorzugt aufgenommen werden, die in schwierigen Familienverhältnissen aufwachsen, dann geht es nicht etwa darum erwerbslose Eltern gegenüber berufstätigen Eltern zu bevorzugen. Es geht um die Kinder, die einen erhöhten Förderbedarf haben und ihnen durch die Krippe gleiche Chancen zu vermitteln.

Zum Abschluss greife ich gerne Ihre Forderung auf: "Tun Sie mehr". Genau das tun wir: Der Münchner Stadtrat hat im Dezember 2007 eine gigantische Ausbauoffensive beschlossen. Mittelfristig soll für 43 % aller Kinder unter 3 Jahren in München ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen. Dafür werden 7.900 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. Die Investitionskosten dafür betragen 137 Millionen Euro. Die laufenden Kosten im Vollausbau 77 Millionen Euro pro Jahr.

Mit freundlichen Grüßen,