Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Werner R. am 03. August 2010
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Mobilität und Verkehr

Kinder im Verkehr

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Sehr geehter Herr Oberbürgermeister,

München erhebt ja den Anspruch, kinder- und familienfreundlich zu sein. Dazu gehört aber auch, dass sich Kinder in ihrem näheren Wohnumfeld auch ohne ständige Begleitung durch Erwachsene selbständig zu Fuß und per Fahrrad sicher bewegen können. Das betrifft den Schulweg, aber auch den Besuch bei Freunden am Nachmittag. Für ihre Entwicklung zur Selbständigkeit wäre das wichtig. Der häufig sehr chaotische und rücksichtslose Verkehr zwingt uns aber oft, ihnen genau das zu verwehren.

Ein Ärgernis ist beispielsweise, dass Autofahrer trotz Rückstau in eine Kreuzung einfahren und dann bei Signalwechsel die Fußgängerfurt blockieren. Insbesondere bei mehrspurigen Straßen kann es gefährlich werden, wenn sich Kinder durch Autoschlangen hindurchzwängen müssen, die sich jederzeit wieder in Bewegung setzen können. Unsere Tochter musste letzte Woche drei Signalumläufe abwarten, bevor sie die Landsberger Straße endlich sicher überqueren konnte.

Bis auf wenige zehn Zentimeter Restbreite zugeparkte Gehwege zwingen Kinder auf die Fahrbahn, wo sie auch in Wohngebieten dem oft aggressiven Fahrverkehr ausgeliefert sind. In vielen Anliegerstraßen können Kinder auch aus diesem Grund de facto nicht Rad fahren.

Kreuzungsbereiche und Bereiche vor Zebrastreifen sind regelmäßig zugeparkt, was den Sichtkontakt insbesondere zwischen Kindern und Autofahrern behindert. Das ist eine echte Gefahr und kein Bagatelledelikt. Dasselbe gilt für viele Bereiche, die wegen der Unübersichtlichkeit mit absolutem Halteverbot belegt sind.

Baustellen im Straßenraum werden oft sehr gedankenlos eingerichtet. Die sich ständig ändernde Situation stellt ohnehin eine hohe Herausforderung dar. Verhaltenshinweise durch die Eltern können am nächsten Tag schon überholt sein. Zu allem Überfluss werden Fußgänger und Radfahrer oft auf den letzten verbliebenden Platz zusammengequetscht, Baustellenfahrzeuge stellen eine weitere erhebliche Gefahr dar.

Kinder müssen im Verkehr auch mal Fehler machen dürfen, ohne dass ihnen das gleich zum Verhängnis wird. Stattdessen erwartet man von Kindern sogar noch, dass sie sich auf das Fehlverhalten Erwachsener einstellen und dieses durch eigene Vorsicht kompensieren. Kinder müssen zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dass sich Erwachsene weitgehend unbeanstandet über Regeln hinwegsetzen können. Regelwidriges Verhalten wird bagatellisiert, im Laufe der Zeit werden viele Kinder dieses Verhalten übernehmen, es wird ihnen ja regelrecht anerzogen.

Wir würden unseren Kindern auch gerne auf vielen Wegen, u.a. auf dem Schulweg, das Radfahren erlauben. In der „Radlhauptstadt“ München ist das aber vielfach schlicht zu gefährlich, auch dann, wenn man mögliche Alternativrouten unter die Lupe nimmt (die es oft genug einfach nicht gibt).

Schöpft die Stadtverwaltung wirklich alle Möglichkeiten bei der konsequenten Verkehrsüberwachung (u.a. des ruhenden Verkehrs) aus? Warum wird das Parken (mit zwei oder vier Rädern) auf Gehwegen und in Kreuzungsbereichen so regelmäßig geduldet? Wie kann die Stadtverwaltung auf die Polizei einwirken oder mit ihr besser zusammenarbeiten? Kann bei der Einrichtung von Baustellen im Straßenraum nicht stärker darauf geachtet werden, dass diese auch für Kinder sicher passierbar bleiben?

Mit freundlichen Grüßen
Werner Rabl

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