Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Dominik Burger am 23. Mai 2012
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Sonstige

keine Rechte für Innenstadt-Bewohner?

Sehr geehrter Herr Ude,
im letzten Jahr bin ich in die Münchner Innenstadt gezogen und wohne im Färbergraben, direkt gegenüber dem Jagd- und Fischereimuseum. Ich mag meine zentrale Wohnlage sehr gerne und bin auch willig, sehr viel Geld für die Miete hierfür auszugeben. Über die Vor- und Nachteile solch einer ultra-zentralen Wohnlage bin ich mir durchaus bewusst. Viele Menschen, Touristen, Shopping in der Kaufinger Straße, Straßenkünstler tagsüber, auch hin und wieder einige Betrunkene, die nachts singend durch die Straße ziehen - all dies ist vollkommen in Ordnung. In letzter Zeit entwickelt sich das Wohnen hier jedoch zum Alptraum.
Wir sind umzingelt von Baustellen (Hofstatt, Volksbank an der Frauenkirche, ehemaliger Karstadt in der Kaufinger Straße), die mittlerweile von 6 Uhr in der Früh bis 24 Uhr zum Teil durchgängig in Betrieb sind. Vom Schmutz und Feinstaub, der hierbei entsteht gar nicht zu sprechen. Vor einiger Zeit hatte ich um 22.30 eine Lärmbelastung von 84 Dezibel bei geschlossenen Fenstern im Wohnzimmer gemessen! Vor meinem Schlafzimmer verkehren mitten in der Nacht Sattelschlepper, Baukrantransporter und Tieflader, dass die Wände geradezu erzittern. Die herbeigerufene Polizei konnte nichts ausrichten, da seitens der Stadt eine unbeschränkte Erlaubnis für sämtliche Baustellen ausgestellt wurde. Auf Nachfrage schob das Baudezernat die Verantwortung dem KVR zu und dieses verweis an das Referat für Gesundheit und Umwelt als Ansprechpartner, diese wiederum an das Baureferat - der Kreis schließt sich...
Letzten Montag nachts um 1.20 Uhr wurden alle Bewohner unseres Hauses durch Rockmusik aus dem Schlaf gerissen in einer Lautstärke, die einem Open-Air im Olympiastadion in nichts nachsteht. Im Pyjama ging ich auf die Straße und stellte die "Lärmmacher" zur Rede. Es wurde mir erklärt, dass zum Champions League Finale eine Multivisions-Show jede Nacht vor dem Hirmer Haus stattfinden wird und dafür machen sie den Soundcheck. Eine Genehmigung der Stadt lag -selbstverständlich- vor, zusammen mit der unfassbaren Aussage "Sie können ruhig nachts um halb 2 den Soundcheck machen, ES GIBT HIER KEINE ANWOHNER, die man stören würde! Alle Bewohner unseres Hauses waren absolut fassungslos. Verärgert sind wir nicht über die Veranstalter, die nur ihren Job machen, sondern über die STADT München, die unentwegt Sondergenehmigungen ausstellt, ohne auf die Anwohner jegliche Rücksicht zu nehmen. Der Lärm dieser Show, zusammen mit mehreren Tausend Schaulustigen, die ein Verlassen des Hauses nahezu unmöglich machten, dauerte eine Woche an. Meine Nachbarn haben eine schulpflichtige Tochter in der ersten Klasse. Sie müssen das Kind mittlerweile mit Ohrstöpseln zu Bett bringen oder sogar ausquartieren damit mindestens 6 Stunden Schlaf garantiert sind, bis uns morgens um 6 Uhr die Presslufthammer der Baustellen wieder wecken. Jetzt wird auch noch der gesamte Färbergraben bis Oktober aufgerissen um Fernkälte zu verlegen - Anwohnerparkplätze, für die die Stadt München im Zentrum zudem die allerhöchsten Sätze erhebt, wurden ersatzlos gestrichen.
Jede Nacht gegen 22 Uhr beginnt zudem der Stadtbekannte Straßenmusikant Helly Meiler mit seiner Show, die, bei schönem Wetter, schon mal bis weit nach 1 Uhr Nachts dauert. Dabei animiert er mehrere Dutzend Passanten mit ihm Stimmungslieder zu gröhlen. Die Polizei, die von den Hausbewohnern regelmäßig zugezogen wird, kennt die Situation und hat auch vollstes Verständnis, scheint jedoch machtlos, da laut deren Aussage nur tagsüber eine Konzession zum Musizieren in der Kaufingerstraße benötigt wird - spät in der Nacht darf hier wohl, ohne Rücksicht auf Anwohner, nach belieben gegröhlt werden.
Ich frage Sie, Herr Ude, was können Sie für uns als Anwohner tun? 6 Stunden Baustellenpause, die dann noch durch Events und Lärmbelästigungen reduziert werden - dies ist auf Dauer nicht gesund und nicht tragbar. Wir sind zwar nur wenige, aber dennoch genauso schützenswert wie alle anderen Bürger der Stadt - oder haben wir weniger Rechte?

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Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Lothar Volz
    am 05. Juni 2012
    1.

    Was soll das eigentlich heißen: ..keine Rechte für Innenstadtbewohner?"
    -
    Welche Rechte haben die Leute, die auf dem Land leben, gegenüber den Stadtmenschen? Ihr Münchner verbraucht in Bayern den meisten Strom, aber der wird größtenteils (noch ca. 50% allein durch Kernkraftwerke) produziert. Und diese Kernkraftwerke befinden sich nicht rein zufällig auf dem Land! Und auch der Atommüll wird nicht in der Stadt München gelagert! Mit welchem Recht?

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