Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Marion Wilken am 28. Juni 2013
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Gesellschaft und Soziales

Kein Hortplatz in München?

Lieber Herr Ude,

ich habe eine ganz einfache Frage: warum ist eine reiche Stadt wie München seit Jahren nicht in der Lage ausreichend Kinderbertreuungsplätze zur Verfügung zu stellen?

Seit ich Mutter bin, marschiere ich durch ein einziges Tal der Tränen wenn es um die Betreuung meines Sohnes geht. Ohne die überteuerten Angebote privater Einrichtungen wäre es mir nicht möglich gewesen wieder in meinen Job zurück zu kehren – den ich sehr schätze und der nachweislich auf meine Arbeitskraft angewiesen ist.

Nun habe ich meinen Sohn Liam Elias bei zwei Horteinrichtungen im Sprengel der Grundschule an der Fürstenrieder Straße sowie in beiden Mittagsbetreuungen rechtzeitig angemeldet, und stehe nun bei allen Institutionen ohne Aussicht auf Erfolg auf der Warteliste. Weder der katholische Hort St. Ulrich, noch die städtische Einrichtung im Riegerhofweg konnten mir Feedback geben, auf welchem Platz der Warteliste ich stehe. Alles was ich höre ist, dass dieses Jahr mehr als 70 Absagen verschickt werden mussten.

Wir sind eine Stadt mit einer SPD Regierung. Leider kann ich nicht erkennen, dass der wirklich prekären Betreuungssituation genug Priorität eingeräumt wurde. Mangelnde Planbarkeit ist für mich ein schwaches Argument – schließlich werden sämtliche Geburten und Neuzugänge der Stadt München im Einwohnermeldeamt registriert.

Die unzureichende Anzahl an Erzieherinnen ist für mich auch eine fragwürdige Begründung. Natürlich sind Münchner Mietpreise für das sehr geringe Gehalt einer Erzieherin kein besonderer Anreiz – aber die Stadt selbst wird doch wohl in der Lage sein, Erzieherinnen Wohnraum günstig zur Verfügung zu stellen! Hier mangelt es an Flexibilität und neuen Ideen.

München ist eine der reichsten Städte Deutschlands. Wir sind in der Lage aus reinen Prestigegründen den Stachus komplett neu zu renovieren. Und wenn es uns in der S-Bahn zu eng wird, bauen wir kurzerhand eine neue Stammstrecke. Und dennoch werden mittlerweile Krippenplätze in Morningshows im Radio verlost? Das ist NICHT sozial – das ist einfach nur beschämend.

Das Problem fehlender Betreuungsplätze ist allgegenwärtig und nicht neu. Ich liebe München und wohne von Geburt an sehr gerne hier. Aber die Nonchalance mit der das Betreuungsdefizit betrachtet wird, macht mich sehr traurig. Denn eigentlich war ich stolz darauf, im tiefschwarzen Bayern mit dem roten München ein soziales Zeichen zu setzen. Für mich ist das Betteln um einen Betreuungsplatz definitiv mit ein Grund, die Familienplanung nun nicht weiter auszubauen.

Ich habe mir auch die anderen Beiträge zu diesem Thema durchgelesen. Bitte, Herr Ude, räumen Sie dem Thema mehr Priorität ein. Denn auch ein zu 36% gedeckter Betreuungsbedarf lässt die restlichen 64% der Mütter im Regen stehen.

Herzliche Grüße,

Marion Wilken

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Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Erhard Jakob
    am 01. September 2013
    1.

    Marion,

    ich möchte Ihnen zu dem sehr sachlich gehalten
    Beitrag gratulieren. Es ist wirklich sehr erstaun-
    lich, wie fair sie bei der Abfassung der Frage
    in Ihrer Situation geblieben sind.
    .
    So weit ich weiß, muss ihnen die Stadt die Mehr-
    kosten der Kinderbetreuung durch private
    Kindereinrichtungen erstatten.
    .
    Bitte erkundigen Sie sich und falls ich Recht
    habe, schenken Sie das Geld, welches
    ihnen eventuell zusteht, nicht der
    Stadt München. Die hat
    schon genug.

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