Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

Es können keine neue Fragen mehr gestellt oder bewertet werden. Bisherige Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Beantwortet
Autor Sandra Paliege am 24. Oktober 2012
6476 Leser · 135 Stimmen (-14 / +121) · 0 Kommentare

Gesellschaft und Soziales

Kampagne für Kinderfreundlichkeit?

Sehr geehrter Herr OB Ude,

an dieser Stelle wollte ich fragen, ob es möglich wäre oder vielleicht sogar schon geplant ist, eine Aufklärungs- / Werbekampagne zur Kinderfreundlichkeit in München zu starten.

Dass München kinderfreundlich ist, stimmt nämlich mitnichten, diese Erfahrung muss ich als Mutter dreier Kinder leider täglich machen und wird mir auch von anderen Müttern bestätigt.

Egal, ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Straßenverkehr, auf Parkanlagen oder beim Einkaufen: Kinder werden als störend empfunden und immer häufiger müssen wir uns Bemerkungen und Kommentare anhören, die jeden Anstand und jede Höflichkeit entbehren und schon fast beleidigend sind, nur weil z.B. die Breite meines Zwillingskinderwagens im Bus Anlass zu Beschwerden gibt "ich würde den NORMALEN Menschen" den Platz wegnehmen.

Es wundert einen nicht, wenn die Geburtenzahlen in einer solchen Umgebung stagnieren - und weil wir in Deutschland und Bayern dringend Nachwuchs brauchen, bitte ich Sie, z.B. mit Plakaten oder Radiospots darauf hinzuweisen, dass Kinder in dieser Stadt nicht nur eine Daseinsberechtigung haben, sondern zwingend erwünscht sind - und das auch, wenn sie mal in der U-Bahn quengeln oder im Park Fußball spielen.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und verbleibe

mit freundlichen Grüßen,

Sandra Paliege

+107

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Christian Ude am 21. Februar 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Paliege,

erlauben Sie mir zunächst den Hinweis, dass es bei der Stadt bereits seit mehr als 15 Jahren das Büro der Kinderbeauftragten gibt. 2007 wurde die Bedeutsamkeit einer offensiven, modernen Kinder- und Familienpolitik durch die Leitlinie „Kinder- und Familienpolitik“ bestärkt und ausgeweitet. Hier sind die wichtigsten Ziele und Handlungsfelder der städtischen Kinder- und Familienpolitik benannt, die zusammen mit vielen Fachleuten und Familien erarbeitet wurden.

Deren Umsetzung wird seither gut begleitet von einer „Fachstelle Familie“ im Stadtjugendamt, in Kooperation mit städtischen und außerstädtischen Akteuren. In der „Fachstelle Familie“ werden auch die notwendigen Grund- lagen und Daten zusammengetragen, an denen sich Kinder- und Familien- freundlichkeit in München messen lässt. Das „Netzwerk Familie“ des Stadtjugendamtes und vielfältige Bemühungen in den anderen Referaten der Stadt tragen darüber hinaus dazu bei, dass die Belange von Kindern und ihren Familien in Verwaltung und Politik stetig (mehr) Beachtung finden und in ihrer Ganzheit betrachtet werden.

Wie Sie dennoch zu Recht bemerken, gibt es dadurch nicht automatisch ein kinderfreundlicheres Klima in der Stadt.

Deshalb setzt sich die Kinderbeauftragte beispielsweise seit 1997 konti- nuierlich über verschiedene Projekte dafür ein, das Klima des Miteinanders von Jung und Alt in München zu verbessern. In der Beschwerde- und Ombudsstelle für Kinder und Familien ihres Büros werden nicht nur Einzel- anliegen bearbeiten, sondern darüber hinaus strukturelle Probleme und Defizite aufgegriffen. So begegnete das Büro dem Umstand, dass es häufig im Wohnumfeld zu Konflikten mit Kindern kommt, mit einer „Briefwurfsendung für mehr Kinderfreundlichkeit“ oder der „Post von der Kinderbeauftragten - für mehr Kinderfreundlichkeit und ein besseres Miteinander“. Hierin gibt es auf alle wichtigen Fragen und Konflikte, die Kinder und Ihre Familien berühren, juristisch korrekte, gut lesbare Antworten. Mit einigen messbaren Erfolgen. Sie haben schon manche Nachbarinnen und Nachbarn oder Vermieterinnen und Vermieter zu einem kinderfreundlicheren Verhalten oder beispielsweise zu „Kinderfreundlichen Hausordnungen“ angeregt.

Das Vorhaben „Kinderorte im Stadtteil sichtbar machen!“ zielt seit 2011 darauf ab, kindergerechte Orte (wie zum Beispiel Spielplätze, Geschäfte, öffentliche Einrichtungen) sowie Erwachsene, die der Kinderfreundlichkeit im Stadtteil ein Gesicht geben, auszuzeichnen und dadurch öffentlichkeitswirksam für mehr Kinderfreundlichkeit zu werben. Nach Laim und Neuhausen - Nymphenburg werden wir 2013 in Allach - Untermenzig aktiv werden – gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern vor Ort.

Seit 2007 gibt es im Rathaus auf Wunsch vieler Münchner Familien die „Münchner Kinder- und Familieninformation“, die bei vielen Gelegenheiten mobil auch in der ganzen Stadt anzutreffen ist. Hier können Fragen gestellt und Beschwerden thematisiert werden. Kritikpunkte verhallen keinesfalls sang- und klanglos, sondern werden systematisch ausgewertet und daraus Handlungsbedarfe abgeleitet.

Zudem plant und organisiert die Kinderbeauftragte der Stadt alle fünf Jahre Kinderrechte-Kampagnen, um auf die Rechte und besonderen Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien aufmerksam zu machen.

Sie sehen, wir bemühen uns, München kontinuierlich kinderfreundlicher zu gestalten, und wir versuchen, einmal Erreichtes zu halten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich auch weiterhin für mehr Kinder- freundlichkeit einsetzen. Gerne können Sie dazu Anregungen, Kritik oder Beschwerden dem Büro der Kinderbeauftragten direkt unter kinderbeauftragte.soz@muenchen.de übermitteln.

Mit freundlichen Grüßen