Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Rainer Gruber am 29. September 2010
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Gesellschaft und Soziales

Ihr SZ-Interview zu Streik und Oktoberfest

Sehr geehrter Herr Ude,

meine Frage ist, wie weit Sie noch im Sinn haben, als Oberbürgermeister alle Bevölkerungsgruppen zu vertreten?
Nach dem Anschlag auf das Oktoberfest vom 26.11.1980 und auf das World Trade Center vom 11.9.2001 konstatieren Sie nun also einen erneuten "Anschlag auf die Bevölkerung und das größte Volksfest der Welt" (SZ v.25./26.9.10). In der Aufregung muß Ihnen das Attribut "menschenverachtend" aus der Schablone gekippt sein, die sonst bei Anschlägen Verwendung findet. Da ein Stadt-Politiker naturgemäß keinen Krieg vom Zaum brechen kann (hier spielen Sie nur die Rolle des biederen Gastgebers - Sie erlauben mir diesen kleinen kabarettistischen Ausfall), müssen Sie sich augenscheinlich mit Rhetorik nach innen begnügen. Nämlich die Gewerkschaften in die Nähe von "Splittergruppen" rücken, die nun - dank der Münchner "harten Linie" - "überall im Land" keine Chance mehr haben werden, den Verkehr lahmzulegen, und die mit ihrer Aktion - auch das darf nicht fehlen - "auch noch den letzten Rest von Verständnis in der Bevölkerung beseitigen". Ich bin Rentner, und habe, wie viele meiner Bekannten und Freunde, kein Verständnis für eine Politik, die den Banken und Energiekonzernen Milliarden in den weit geöffneten Rachen wirft. Umso weniger für Stadt-Politiker, die sich als "harte" Vollstrecker auf der kommunalen Ebene andienen, um diese Milliarden aus dem Geldbeutel der Beschäftigten wieder einzutreiben. Leider ist es nicht nur die Rhetorik eines Kabarettisten, der sich hier als Politiker eine Steilvorlage gönnt, sondern dieser Kabarettist erscheint als der Vollstrecker, mit dem es die Gewerkschaften zu tun haben. Ich und "die Bevölkerung" in meinem Umkreis wünschen diesen einen langen Atem. Aber an Sie habe ich die Frage: wie vereinbaren Sie die Benutzung einer derart harten und sattsam nach Anschlägen bekannten Rhetorik mit Ihrer Verpflichtung als Oberbürgermeister auf alle Bevölkerungsgruppen und speziell als Dienstherr mit der Fürsorgepflicht für Ihre Beschäftigten?

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Rainer Gruber

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