Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Annette T. am 24. Juli 2009
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Gesellschaft und Soziales

Ihr Brief vom 22.07.2009/Kita-Streik

Sehr geehrter Herr Ude,

vielen Dank für den ausführlichen Brief, den ich gestern erhalten habe.

Ich beziehe mich nur auf die Gebühren, die wir Eltern voll tragen müssen, obwohl wir keine Leistung erhalten. Im Gegenteil, wir haben durch einen Streik - den wir weder schlichten können, noch irgendeinen Einfluss darauf haben - noch weitere Kosten. Wie kann es sein, dass Erzieherinnen, welche sich am Streik beteiligen weniger Geld erhalten, wir aber die vollen Gebühren bezahlen und dann zur Antwort erhalten, dass der Verwaltungsaufwand zu hoch wäre, die Gebühren wieder zurück zu erstatten?
Es tut mir leid, dass ist in meinen Augen keine Aussage, hier macht man es sich sehr leicht.
Zahlt man nicht pünktlich, kommt innerhalb kürzerster Zeit ein Versäumniszuschlag von 18,- Euro!!! Aber umgekehrt ist der Verwaltungsaufwand zu hoch?
Vielleicht täusche ich mich ja, aber es scheint, dass man mit diesem Streik noch Geld verdient. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich mich täuschen sollte.

Morgen stehen alle Eltern wieder vor dem Rätsel, wohin mit dem Kind?! Die Notfallpläne sind ja theoretisch gut, aber in der Praxis oft nicht umsetzbar. Die Mütter, mit denen ich gesprochen habe, können alle nicht quer durch die Stadt, um das Kind um 11.20 (!!!) von der Schule abzuholen und irgendwohin zu bringen, um danach wieder zur Arbeit zu fahren. Und das ist nur einer der Gründe, warum die sogenannten "Notfallpläne" nicht tauglich sind.

Eltern gehen arbeiten, weil Sie müssen. Sie benötigen eine Unterbringung für Ihr Kind. Diese entfällt derzeit immer wieder. Leider gibt es auch immer mehr Alleinerziehende. Zu dieser Lebenssituation kommen Umstände hinzu, wie z.B. das Zuziehen in diese schöne Stadt: alleinerziehend, keine Familie, keine Freunde, keine Ausweichmöglichkeit, wenn die Kitas zu sind. Diese Problematik ist diskutiert worden und natürlich tragen wir als Eltern eine große Eigenverantwortung, aber ich denke, dass gerade den Verantwortlichen vieles nicht bewusst ist - oder egal. Es ist 1 desolater Zustand, wenn einem die einzige Möglichkeit der Unterbringung entzogen wird.
Wo aber ist die Unterstützung, auf die seit Wochen alle Eltern warten? Welcher Arbeitgeber macht das noch lange mit? Spielen wir den Gedanken durch, wenn eine berufstätige alleinerziehende Mutter durch solch eine Situation u. einem unverständnisvollen Arbeitgeber Ihre Stelle verliert. Welche Kosten enstehen dann? Wie schwierig wird es sein unter diesen Umständen einen neuen Job zu bekommen?
Berufstätige können ihrer beruflichen Pflicht nicht nachkommen! Urlaubstage werden sinnlos ausgeschöpft - und das vor den Sommerferien!
Noch schwerer, wenn man alleinerziehend ist - beruflich jedoch eine
Stellung hat, die nicht mal eben ersetzt werden kann oder gar
ausfallen kann. Eine Zwickmühle - denn egal wie - man wird nie und niemandem gerecht.

Das ist moralisch denkwürdig - nicht der Streik!

Ich bitte Sie: tragen Sie Verantwortung und handeln Sie.
Wenn Sie uns die Betreuung nicht zusichern können, zahlen Sie bitte
die unberechtigt eingezogenen Gebühren zurück, damit wir die Kinder privat unterbringen können. Die Streiktage müssen anteilig ersetzt werden - denn egal wie - jeder hatte so oder Mehraufwand (Fahrt, Organisation). Jeder KiGa kann melden, wann zu war - das funktioniert sonst auch. Wir können nichts für diesen Streik, wir dürfen nicht noch finanziell bluten. Wir können diesen Streik nicht beenden. SIE SCHON! Wir können den Erzieherinnen ihr Gehalt nicht bezahlen (leider-denn WIR wissen, was diese leisten!). Und nun möchte ich Sie bitten, IHREN Beitrag zu leisten.
Stellen Sie sich bitte vor, es wäre Ihr Kind und Ihr Job, um den es geht.

Bitte tun Sie alles, um diese Situation schnellstmöglich zu beenden - wir können nur auf Sie zählen, und das tun wir auch.
Konkret: Was können Sie NOCH tun, um diese Situation nicht eskalieren zu lassen?

Danke,

A. Tappe

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