Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Peter Bergmann am 27. September 2010
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Freizeit und Sport

Ich schäme mich Münchner zu sein

Sehr geehrter Herr Ude,

leider muss ich meinen Beitrag mit dem Satz "ich schäme mich, Münchner zu sein" beginnen.

Heute waren wir gegen 16 Uhr auf der Wiesn im Hippodrom und fanden an einem Tisch im reservierungsfreien Bereich, der nur mit 2 Schweizern belegt war, noch Platz. In unserem Schlepptau hatten wir 2 Engländer, die wir kurz vorher im Biergarten kennengelernt hatten.

Leider mussten wir lernen, dass reservierungsfreier Bereich im Hippodrom nicht wörtlich zu nehmen ist. Denn zunächst wollte uns eine Hostess u.a. unter zu Hilfenahme des Sicherheitsdienst von dem Tisch weg befördern mit dem Argument, dass man den Tisch schon anderen Personen versprochen hätte. Erst der Hinweis darauf, dass hier der reservierungsfreie Bereich sei, half den Sicherheitsdienst abziehen zu lassen. Darauf hin verlegte man sich seitens des Hippodroms auf eine andere Strategie, um die Plätze doch noch mit Personen belegen zu können, die auf einer Warteliste standen: Man weigerte sich einfach über Stunden uns zu bedienen. Nach dem Motto: wir werden die schon austrocknen. So sagte die Bedienung ganz offen ggü. uns, dass sie Anweisung hätte, uns nicht zu bedienen.
Wohl gemerkt, wir waren nicht betrunken oder haben uns sonst in irgend einer Weise schlecht benommen!!

Als Münchner kann man solch eine Geschäftspraktik, um die reservierungsfreien Plätze zu umgehen, noch nachvollziehen, wenn auch nicht akzeptieren. Aber erklären sie dies einmal Touristen (und damit Gästen der Stadt München) aus England und der Schweiz! Da können sie sich einfach nur noch für die in keinster Weise vorhandene Gastfreundschaft schämen!

Selbst nachdem einige Personen von uns gegangen waren und Fremde an den Tisch kamen, verweigerte man diesen die Bedienung. Hier ging es nur noch darum Prinzipien durchzusetzen.

Ich wusste mir zwar zu helfen und mein Bier über Nachbartische zu organisieren. Mir ist dieser Vorfall als Münchner sehr peinlich. Gerne präsentiert sich München als weltoffenen Stadt mit Herz, und dann umgehen Einzelpersonen wie hier alle Regeln, um ihren persönlichen Gewinn zu maximieren. Wenn dieses Spiel so weiter geht, dann frage ich mich, was wir erst zu erwarten haben, falls München tatsächlich noch einmal Olympiastadt werden sollte.

In diesem Sinne wünsche ich noch gute Geschäfte und hoffe, dass ein solches Vorgehen nicht im Sinne der Stadtverwaltung ist und hier ein Riegel vorgeschoben werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Bergmann

+92

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Antwort
von Christian Ude am 24. November 2010
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Bergmann,

ich kann Ihren Ärger über die Erfahrungen, die Sie bei Ihrem Wiesnbesuch im Festzelt Hippodrom mit dem Servicepersonal gemacht haben, gut nachvollziehen.

Ich habe den Festwirt Josef Krätz, der das Hippodrom betreibt, um eine Stellungnahme zu dem Fall gebeten. Die Geschäftsleitung des Hippodroms teilt mir mit, dass sie den von Ihnen geschilderten Vorfall jetzt leider nur noch schwer rekonstruieren kann, weil der genaue Servicebereich nicht genannt und der Vorfall nicht vor Ort zur Sprache gebracht wurde. Deshalb seien die Geschehnisse im Nachhinein nicht mehr abschließend aufzuklären. Das Hippodrom bestätigt, dass im Zelt als Service Hostessen eingesetzt werden, die den Gästen ohne Reservierung bei der Platzsuche im reservierungsfreien Bereich behilflich sind. Der Wirt bestreitet aber, dass im Hippodrom Tische im reservierungsfreien Bereich freigehalten oder gar vom Sicherheitsdienst geräumt werden, um dort Gäste von einer Warteliste zu platzieren.

Vom Hippodrom wurde mir versichert, dass das von Ihnen geschilderte Verhalten der Servicekräfte nicht im Sinne der Geschäftsleitung ist. Die Geschäftsleitung des Hippodroms bedauert ausdrücklich, dass Ihr Wiesnbesuch im Hippodrom mit unschönen Erlebnissen verbunden war und entschuldigt sich in aller Form für das Verhalten ihrer Mitarbeiter. Das Hippodrom will alles daran setzen, dass sich ein solches Verhalten gegenüber Gästen nicht wiederholt.

Ich kann Ihnen versichern, dass Vorfälle, wie der von Ihnen berichtete, nicht im Sinne der Stadt sind. Das Oktoberfest steht nicht umsonst für Gastfreundschaft und Lebensfreude. Ich hoffe, dass Sie im nächsten Jahr die Wiesn ungetrübt genießen können.

Mit freundlichen Grüßen