Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Tanja Kirschbaum am 28. März 2011
9428 Leser · 107 Stimmen (-1 / +106) · 2 Kommentare

Gesellschaft und Soziales

Hortnotstand in der Isarvorstadt

Sehr geehrter Oberbürgermeister Ude,

Ich bin eine alleinerziehende, voll berufstätige Mutter eines sechsjährigen Jungen. Da ich in München keine familiären Bindungen habe, bin auf eine Ganztagesbetreuung meines Sohnes in einer Tagesstätte angewiesen.

Ich habe mich sehr zeitig, um die Hort- oder Tagesheimbetreuung zum Schulbeginn im Herbst 2011 gekümmert. Wir haben an diversen Schulen vorgesprochen, Schultests absolviert und Stunden über Stunden in Info-Elternabende investiert.
Alle Bewerbungen bei städtischen Horten/Tagesheimen und privaten Einrichtungen wurden abgelehnt.

Insbesondere in den städtischen Horten wurde darauf hingewiesen, dass man als alleinerziehende Mutter nicht bevorzugt wird gegenüber berufstätigen Elternpaaren. Ich habe sogar schon die Erfahrung gemacht, dass mir als Alleinerziehender, die ihre kleine Familie selbst ernährt, mit Mißtrauen begegnet wurde.

Warum ist diese Regelung eingeführt worden und warum wird sie als gerecht empfunden?

Mein Tagesablauf ist von zwei Faktoren bestimmt: von meinem Kind und meiner Arbeit. Ich habe gegenüber einem Elternpaar, dass vielleicht noch auf zwei Großelternpaare zurückgreifen kann, ein eingeschränktes Potential der Kinderbetreuung. Wenn ich nicht arbeiten kann, haben wir überhaupt kein Einkommen. Ich habe mich im vergangenen Jahr in meinem Beruf als Grafikdesignerin selbständig gemacht, meine Agentur befindet sich im Aufbau und nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Der Druck in dieser Branche ist sehr hoch, ich trage das Risiko und die Verantwortung in der Anfangsphase meiner Firma alleine. Der Verdienst ist noch gering. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, ob mein Kind im Herbst überhaupt betreut wird, ist unerträglich.

Die Leitung des städtischen Sprengelhortes hatte fünf Plätze zu vergeben und fünfzig Bewerbungen vorliegen. Alle anderen Horte in direkter Umgebung sind ebenfalls komplett ausgelastet. Die Lage erscheint auswegslos.

Meines Wissens sind in unserem Stadtteil Isarvorstadt/Ludwigsvorstadt vergangenes Jahr drei Elterninitiavhorte entstanden. Die Kommune scheint sich sehr auf die Initiative der Eltern zu verlassen.

Ist Ihnen anhand der Geburtenzahlen und der Statistiken aus den Kindergärten noch nicht klar geworden, dass ein enormer Bedarf an Ganztagesbetreuung besteht?

Ich bitte Sie ganz eindringlich, die Situation in unserem Viertel bis zum Schulbeginn zu verbessern. Mein Vorschlag wäre bei den Horten Tumblingerstraße, Klenzestraße 48 und Stielerstraße Container in die Schulhöfe zu stellen, um dort weitere Hortgruppen zu eröffnen.

Ich benötige dringend einen Platz im Schülerhort für meinen Sohn und bitte Sie um Unterstützung.

Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich im Voraus,

mit freundlichen Grüßen

Tanja Kirschbaum

+105

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Antwort
von Christian Ude am 29. Juli 2011
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Kirschbaum,

ich kann Ihre Situation gut verstehen. Obwohl die Stadt sehr viel Geld in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert, finden nicht alle Münchner Grundschulkinder einen Platz im gewünschten Betreuungsangebot. Die Nachfrage nach Ganztagsplätzen für Grundschulkinder ist in den letzten Jahren überproportional angestiegen. Die Stadt hat darauf reagiert – seit dem Jahr 2005 sind rund 3000 neue Plätze in Horten und Tagesheimen geschaffen worden. Bis 2014 werden weitere 3.400 Plätze entstehen. Die erforderlichen Mittel dafür sind bereits im städtischen Mehrjahresinvestitionsprogramm eingeplant. 80 % der aktuell vorhandenen rund 15.000 Plätze in Münchner Horten und Tagesheimen befinden sich in städtischen Kindertageseinrichtungen.

Jedoch auch die Schulen und damit der Freistaat sind gefordert, sich der Nachfrage zu stellen und mehr Ganztagsklassen einzurichten. Einige Münchner Grundschulen haben sich bereits auf den Weg zur Ganztagsschule gemacht, aber es sind immer noch zu wenige: Im kommenden Schuljahr 2011/2012 werden 28 von 130 Münchner Grundschulen einen Ganztagszug anbieten – der Wunsch der Stadt wäre es aber, dass in Zukunft an allen Münchner Grundschulen eine Klasse pro Jahrgangsstufe als Ganztagklasse geführt wird.

Zur Berücksichtigung von Alleinerziehenden bei der Vergabe von Hortplätzen kann ich Ihnen versichern, dass die städtische Satzung Alleinerziehende und berufstätige Elternpaare gleich behandelt. Beide Gruppen sind ja in gleichem Maß auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder angewiesen.

Im Stadtbezirk Ludwigsvorstadt -Isarvorstadt ist das Betreuungsangebot für Grundschulkinder grundsätzlich gut. Der Versorgungsgrad mit Horten in städtischer und freigemeinnütziger bzw. privater Trägerschaft, Mittagsbetreuungsgruppen und Eltern-Kind-Initiativen liegt mit 81 % sogar über dem städtischen Planungsziel von 80 %. Dieser positive Wert ist überwiegend auf die vom Referat für Bildung und Sport geförderte Ausweitung des Angebotes an Mittagsbetreuung zurückzuführen, da die Raumsituation an den Grundschulen die Einrichtung weiterer Hortplätze bislang nicht zugelassen hatte. Gerade in der Innenstadt ist es mitunter sehr schwierig, zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen, da die dazu benötigten Räumlichkeiten und freien Baugrundstücke nicht vorhanden sind. Umso erfreulicher ist es, dass es dem Referat für Bildung und Sport gemeinsam mit allen Beteiligten gelungen ist, im Hort an der Grundschule Tumblinger Straße die Voraussetzungen dafür zu schaffen, im kommenden Schuljahr eine zusätzliche Hortgruppe zu eröffnen.

Die Aufstellung von „Klassenzimmer-Containern“ - wie von Ihnen vorgeschlagen – wäre dagegen aufgrund der Dauer der dafür notwendigen Genehmigungsverfahren bis zum Beginn des Schuljahres im September 2011 nicht realisierbar gewesen.

Neu ist außerdem, dass die Grundschule Tumblinger Straße ab dem Schuljahr 2011/2012 erstmals einen Ganztagszug anbieten wird, der im September 2011 mit einer Klasse in der 1. Jahrgangsstufe startet.

Ich empfehle Ihnen, weiterhin mit Schule und Hort in Kontakt zu bleiben. Erfahrungsgemäß melden Eltern ihre Kinder oft an mehreren Einrichtungen für ein Ganztagsangebot an. Deshalb ist zu erwarten, dass sich die Zahl der Vormerkungen noch reduzieren wird und bis Schuljahresbeginn noch für viele Eltern die Chance besteht, im Nachrückverfahren einen Platz zu bekommen.

Ich wünsche Ihnen Alles Gute

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Sabine info@leokardia.de
    am 08. April 2011
    1.

    Uns, als einer Familie mit 2 Elternteilen wird immer gesagt, dass bei den Entscheidungen immer zuerst die Alleinerziehenden vor uns dran kommen, dafür haben wir Verständnis und dass sollte auch so sein. Wir haben aber kein Verständnis dafür, dass es nur eine so geringe Anzahl von Hortplätzen gibt! Es sollte für alle die berufstätig sind, weil sie es nicht nur wollen sondern auch müssen, Hortplätze geben. Heutzutage kann ein Alleinverdiener eine Famile in München nicht mehr ernähren. Ich habe mich neulich gefragt, ob München noch familienfreundlich ist.

  2. Autor Sara Seidler
    am 19. Mai 2011
    2.

    Mir wurde gesagt, dass Ehepaare bei denen beide Teile berufstätig sind die gleiche Dringlichkeitsstufe erhalten wie ich (alleinerziehend, 2 Kinder, voll berufstätig).

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