Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor S. Pfennigsdorf am 23. Juli 2009
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Mobilität und Verkehr

Grüne Welle nötig

Sehr geehrter Herr Ude,

Ich sehe in München folgendes Problem, welches mich fast täglich sehr verärgert: Die "Grüne Welle", sprich eine abgestimmte Schaltung der Ampeln auf Hauptstraßen für einen durchgängig fließenden Verkehr, ist praktisch nicht existent. Beziehungsweise sollte es dieses Prinzip geben, versagt es bei meinen Fahrten durch die Stadt regelmäßig. Meine Erhfahrungen beziehen sich dabei hauptsächlich auf den Mittleren Ring und die großen Ausfallstraßen vom Zentrum nach außen.

Oft stehe ich an einer roten Ampel, fahre los bei Grün los und muss an der nächsten Ampel wieder anhalten, weil diese kurz vor mir auf Rot wechselt, ohne dass ich zu schnell oder zu langsam gefahren wäre. Und dies sowohl in den Haupt-,als auch in den Nebenverkehrszeiten. Oder ich stehe bei sehr geringem Verkehrsaufkommen als einziges Fahrzeug an einer roten Ampel einer Kreuzung , ohne dass ein weiteres Fahrzeug kreuzt, jedoch warte ich die komplette Phase wie zu jeder anderen Tageszeit.

Der zweite beschriebene Fall ist hauptsächlich ärgerlich, jedoch der ersten Fall birgt meiner Ansicht nach entscheidende Nachteile:
- höchst unwirtschaftlich --> ich beschleunige an jeder Ampel, verbrauche Kraftstoff, und muss zusätzlich vor jeder Ampel wieder Energie aufbringen, um anzuhalten
--> erhöhte Emissionen, da ständiges Beschleunigen mehr Abgase erzeugt als das Halten der innerstädtischen Geschwindigkeit
--> erhöhter Verschleiß an vielen Teilen der Fahrzeuge
- Fahrten dauern dauern wesentlich länger (je nach Strecke durchaus doppelt so lange möglich)
- erhöhter Stress bei den Fahrern --> ich rege mich über diese Tatsachen auf und habe so Stress (eventuell mit gesundheitlichen Langzeitfolgen)
--> kann zu Ablenkung oder Unaufmerksamkeit führen
--> erhöhte Unfallgefahr - durch den Stress, durch stehende und fahrende Fahrzeuge, durch eventuelle Spurwechsel bei unterschiedlich langen Schlagen auf den Spuren vor einer Ampel
- schlechteres Bild der Stadt gegenüber Besuchern und Bewohnern

All diese Punkte werden meiner Ansicht nach durch die Grüne Welle vermieden, gemindert bzw. ins Gegenteil verkehrt.

Mir ist bewusst, dass die Umsetzung einer Grünen Welle in einer Stadt wie München sowohl extrem komplex als auch kostenintensiv ist, jedoch können andere große Städte und Metropolen dies auch lösen.

Ist es also möglich oder eventuell schon in Planung, dass das Vorkommen der Grünen Welle auf den Hauptstraßen Münchens erhöht wird, vielleicht durch Veränderung der Ampelschaltzeitpunkte oder den Einsatz von verkehrsabhängigen Systemen z.B. mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn?

Ich hoffe, dass Sie ein wenig (grünes) Licht ins Dunkel der Verkehrslage bringen können.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Pfennigsdorf

+26

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Antwort
von Christian Ude am 14. Oktober 2009
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Pfennigsdorf,

Sie haben natürlich Recht mit der Aussage, dass die Grüne Welle ein Vielzahl von Vorzügen aufzuweisen hat. Sie haben aber leider auch Recht mit der Vermutung, dass die Schaltung von Grünen Wellen in einer Großstadt wie München eine außerordentlich komplexe Angelegenheit ist. So ist es zum Beispiel in einem unregelmäßigen, über Jahrhunderte gewachsenen Straßennetz nicht möglich, auf einer Strecke gleichzeitig in beiden Richtungen – stadteinwärts und stadtauswärts - eine Grüne Welle zu schalten. Aus diesem Grund hat man in München folgenden Kompromiss gefunden: Die Bevorzugung wechselt sich regelmäßig ab: Morgens ist die Grüne Welle stadteinwärts geschaltet, abends stadtauswärts. Wer genau entgegengesetzt zu dieser Regelung pendelt, kann die Vorzüge der Grünen Welle nicht nutzen.

Die Stadtverwaltung ist aber bestrebt, die Grüne Welle in München weiter zu optimieren. So wird bei allen Neuplanungen oder Änderungen von Ampelanlagen bereits grundsätzlich darauf geachtet, dass sie im Rahmen der technischen Möglichkeiten mit den jeweils benachbarten Signalanlagen koordiniert und in die Grüne Welle eingebunden werden. Derzeit gibt es auf ca. 200 Streckenzüge in München zeit- und richtungsabhängig eine Grüne Welle.

Es ist den Verantwortlichen aber auch bewusst, dass es darüber hinaus natürlich noch Verbesserungspotentiale gibt. Deshalb beteiligt sich die Stadtverwaltung aktuell auch mit der Versuchsstrecke Frankfurter Ring an Forschungsvorhaben zur Entwicklung von neuen Steuerungsverfahren für Grünen Wellen und erarbeitet derzeit ein Konzept zur Optimierung der Grünen Wellen im Münchner Straßennetz. Erste praktische Ergebnisse werden noch für dieses Jahr erwartet.

Weiterführende Informationen zum Thema “Grüne Welle” finden Sie übrigens im Internetangebot des Kreisverwaltungsreferats unter http://www.muenchen.de/Rathaus/kvr/strverkehr/verkehrsste...

Mit freundlichen Grüßen