Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

Es können keine neue Fragen mehr gestellt oder bewertet werden. Bisherige Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Beantwortet
Autor D. Wentzlaff am 26. März 2010
9458 Leser · 102 Stimmen (-4 / +98) · 0 Kommentare

Bildung und Kultur

Ganztagsbetreuung

Sehr geehrter Herr Ude,

mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass die Stadt München sich mit dem "Münchner Memorandum für Frauen in Führung" für Frauen im Berufsleben einsetzt.

Leider muss ich gleichzeitig feststellen, dass die Stadt derzeit oft nicht einmal die Grundvoraussetzungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen schafft.

Früher in Schwabing zuhause, wohne ich jetzt in Obersendling. In beiden Stadtteilen konnte ich für meine Kinder (3 und 7 Jahre) bislang keinen städtischen Ganztags-Betreuungsplatz bekommen. Nicht Krippe, nicht Hort, nicht Kindergartenplatz. Erst letzte Woche habe ich für 2010/2011 für meinen dann 4-Jährigen Sohn Absagen aus den beiden nächstgelegenen städtischen Kindergärten erhalten.

Ich bin berufstätig in einer Führunsgposition und möchte das gerne bleiben. Derzeit kann ich das, weil ich meine Kinder mit viel Glück in Eltern-Kind-Initiativen unterbringen konnte. Ich nehme dafür unter anderem etwa 8 Stunden/Monat ehrenamtliche Arbeit und täglich 1 Stunde Fahrtzeit in Kauf. Einige Frauen aus meinem Bekanntenkreis in ähnlicher Situation haben es noch schwerer, weil sie gar keinen Betreuungsplatz haben. Die Situation ist aktuell so kritisch dass selbst allein erziehende berufstätige Frauen keine Plätze erhalten.

Daher meine Anliegen:
- Das Ganztagsbetreuungsangebot muss dringend und schnell ausgebaut werden.
- Die Vergabe muss endlich zentral gesteuert werden. Wie in einem anderen Beitrag bereits veröffentlicht, ist das Verfahren derzeit eine Zumutung. Um überhaupt Chancen zu haben, ist die Anmeldung an vielen Einrichtungen angeraten. Da dies grundsätzlich nur Dienstag nachmittags geht, müssen sich berufstätige Frauen alleine dafür 4-5 Nachmittage freinehmen. Frauen mit mehreren kleinen Kindern haben es noch schwerer.

Solange diese Grundvoraussetzungen nicht geschaffen sind, zielen auch gut gemeinte Mentoring-Programme für einen Großteil der Frauen ins Leere.

Wie stehen Sie dazu?

Mit freundlichen Grüßen,

D.Wentzlaff

+94

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Christian Ude am 30. Juni 2010
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Wentzlaff,

die Stadt München hat ihr Ausbauprogramm für Kindertageseinrichtungen in den letzten Jahren mit hoher Priorität vorangetrieben. So sind seit 1990 rund 14.000 Kindergartenplätze und 6.330 Hort- und Tagesheimplätze geschaffen worden. Aktuell stehen in München rund 48.800 Betreuungsplätze in Kindergärten, Horten und Tagesheimen zur Verfügung. Bis zum Jahr 2013 werden weitere 4.325 Kindergarten- und 3.400 Hort- und Tagesheimplätze entstehen, was im Stadthaushalt mit rund 160 Mio. Euro zu Buche schlagen wird.

Diese Zahlen belegen, dass München auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dem Ausbau der Kinderbetreuung eine hohe Priorität einräumt! Trotz dieser enormen Anstrengungen gibt es Stadtbezirke, in denen Engpässe bei der Versorgung mit Kindergarten- oder Hortplätzen bestehen. Oft ist es dort besonders schwierig, geeignete Grundstücke bzw. Immobilien für Kindertageseinrichtungen zu finden. Die Stadt München wird jedoch ihre Bemühungen fortführen und weiter in den Ausbau der Kinderbetreuung investieren.

Um den Eltern für die Auswahl einer Betreuungseinrichtung genügend Zeit zu geben und eine stressfreie Anmeldung zu ermöglichen, bieten die städtischen Kindertageseinrichtungen an, ein Kind bereits ab Oktober des Vorjahres an mehreren Einrichtungen vormerken zu lassen (vorgezogene Anmeldung). Die vorgezogene Anmeldung ist entweder in den regelmäßigen Sprechstunden am Dienstag oder nach individueller Terminvereinbarung möglich.

Dieser Service wird von den Eltern besonders geschätzt und intensiv wahrgenommen. Um Wege zu sparen, kann ein Kind sowohl im Rahmen der vorgezogenen Anmeldung als auch am offiziellen Einschreibetermin (erster Dienstag im März) an bis zu fünf weiteren Einrichtungen angemeldet werden. Die Eltern füllen dazu lediglich einen einzigen Antrag auf Aufnahme aus, der anschließend allen in Frage kommenden Einrichtungen vorliegt. Im Anschluss an den regionalen Abgleich erhalten die Eltern eine Zusage von einer der gewünschten Einrichtungen bzw. werden auf den Vormerklisten weiter geführt, sofern noch keine Zusage erteilt werden konnte.

Eine weitere Serviceverbesserung für die Eltern bilden die sogenannten Einschreibeinseln, die derzeit in mehreren Piloteinrichtungen erprobt werden. Dabei bilden die Einrichtungen einen regionalen Zusammenschluss. An einer zentralen Einrichtung (= Einschreibeinsel) werden die Eltern neben der oben beschriebenen Mehrfachanmeldung auch umfassend über die Konzepte der jeweiligen Häuser und deren pädagogische Schwerpunkte informiert. Diese Möglichkeit rundet das bestehende Verfahren durch ein optimiertes Beratungsangebot ab.

Alle städtischen Kindertageseinrichtungen bieten außerdem vor dem allgemeinen Einschreibetermin im Januar und Februar einen Tag der offenen Tür an, bei dem sich Eltern und Kinder in Ruhe informieren und die Räumlichkeiten der Kita besichtigen können.

Sofern Sie an Ihrem Wunschkindergarten zunächst eine Absage erhalten haben, sollten Sie dennoch in Kontakt mit der Kindertageseinrichtung bleiben. Erfahrungsgemäß ändert sich bis zum Beginn des Kindergartenjahrs im September in den Vormerklisten noch einiges, so dass eine erste Absage nicht endgültig sein muss.

Gegebenenfalls besteht auch noch die Möglichkeit, einen Platz in einer nichtstädtischen Einrichtung zu bekommen. Eine Übersicht über alle städtischen und nichtstädtischen Kindertageseinrichtungen in München erhalten Sie über die städtische Datenbank unter www.muenchen.de/kinderbetreuung.

Mit freundlichen Grüßen