Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

Es können keine neue Fragen mehr gestellt oder bewertet werden. Bisherige Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Archiviert
Autor N. Goldschatz am 20. Juli 2012
3693 Leser · 75 Stimmen (-2 / +73) · 2 Kommentare

Mobilität und Verkehr

Förderung des Radverkehrs in München

Sehr geehrter Herr Ude,
Energieeffizienz und CO2-Einsparung sind erfreulicherweise inzwischen in aller Munde. Viele große Städte haben vor diesem Hintergrund massive Anstrengungen unternommen, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Umstieg vom Auto auf das energieeffizienteste Verkehrsmittel überhaupt, das Fahrrad, für die Bürger attraktiv zu machen. Amsterdam, Kopenhagen und sogar einige italiensche Städte zeigen, wie das geht.

München hat diesbezüglich einiges getan, der erreichte Stand liegt aber um Längen hinter dem Standard beispielsweise Kopenhagens zurück. Und das liegt nicht nur an dem schlechteren Ausbau des Wegesystems und dem nach wie vor in München erkennbaren Präferieren des Autoverkehrs, für den Unsummen ausgegeben werden, sondern es liegt auch an der Art, wie in München mit Fahrradfahrern umgegangen wird.

Derzeit betreibt die Münchner Polizei einmal wieder eine Jagd-Kampagne, in deren Rahmen ganz offensichtlich wettbewerbsartig Fahrradfahrer gestellt und mit Verwarnungen belegt werden. Dabei ist ganz augenscheinlich das alleinige Ziel, möglichst ansehnliche Quantitäten zu erreichen, Inhalte, Angemessenheit , Würdigung der Rahmenbedingungen sind dabei kein Thema. Die Menge machts.

Ich möchte Ihnen Details zu einem in Wildwest-Manier gefahrenen Zugriff zweier Ordnungshüter ersparen (es sei denn, Sie wären interessiert daran), der bei einer Jagd auf einen Bankräuber sicherlich verständlich und nachvollziehbar gewesen wäre, nicht aber, weil ein einsamer Radfahrer für 50 Meter Weges den Fahrradweg auf der linken Seite benutzte, um das Überqueren einer Hauptverkehrsstraße an ungesicherter Stelle zu vermeiden. Nota Bene ohne dass ein anderer Verkehrsteilnehmer auch nur minimal dadurch behindert, belästigt oder gar gefährdet worden wäre.

Wissen Sie Herr Ude, ich habe bisher das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit aus der Überzeugung heraus benutzt, dass es für jedermann notwendig ist, Beiträge zur Erhaltung unseres Klimas zu leisten. Nun musste ich aber die Erfahrung machen, dass ich als Autofahrer viel besser behandelt werde und noch dazu geschützter unterwegs bin, als als Fahrradfahrer. Und so insentiviert kehre ich eben reumütig zum Auto zurück, und beteilige mich wieder an der wohl tolerierten Umweltbelastung.

Ich würde mir wünschen, dass Sie auf übereifrige Polizeibeamte dahingehend einwirken (lassen), Augenmaß zu wahren, keine sinnentstellenden Treibjagden zu veranstalten, und die Verkehrsteilnehmer, mit demotivierenden Ansprachen von an sich guten Ansätzen abzubringen. Vielleicht liegt diesem Verhalten ja auch eine falsche Insentivierung der Beamten zu Grunde, dann wäre das ein Ansatzpunkt.

Mitbürger zum umweltfreundlichen Handeln zu motivieren endet eben nicht bei baulichen Maßnahmen - die in München wie gesagt auch ein Problem darstellen - sondern muss sich ganz besonders damit befassen, die Bereitschaft zum Mittun zu erhalten. Meine Frage ist: Was haben Sie in dieser Sache vor?

Mit freundlichen Grüßen

+71

Die Abstimmung ist geschlossen, da der Beitrag bereits archiviert wurde.

Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Martin Wunderlich
    am 21. Juli 2012
    1.

    Letzte Woche war ich in zwei Faellen Zeuge dieser "Treibjagden auf Radfahrer", die die Polizei nun wieder verstärkt durchzuführen scheint: 2 Polizei-Radler in zivil, die die Radler bei der Überquerung der Max-Joseph-Brücke an der Tivolistr. abfingen; und zweitens, zwei Streifenpolizisten an dem als Fußweg ausgewiesenen Holzsteg zwischen Maximiliansbrücke und Kabelsteg. Auch wenn ich bezweifle, dass OB Ude hier direkt auf die Exekutive Einfluss nehmen kann, so wird hier doch ein völlig falsches Signal gesetzt. Von der oben beschriebenen Förderung des Radverkehrs a la Kopenhagen ist München leider noch weit entfernt. Tunnels für den Mittleren Ring sind allem Anschein nach wichtiger, weil Wählerstimmen bringend, als der massive Ausbau der Radl-Infrastruktur.

  2. Autor H. L.
    am 21. Juli 2012
    2.

    gute Idee: Benutzen breiter Radwege in beiden Richtungen an besonderen Stellen erlauben (ein paar Stellen gibt es ja schon) bzw. an das Augenmaß von Polizeistreifen appelieren. Es ist ein Unterschied, ob man einen schmalen, an einem stark frequentierten Fußweg grenzenden Radweg in Gegenrichtung befährt oder sich allein auf weiter Flur befindet.
    Kritikwürdig sind Radfahrer des Nächtgens ohne Licht, egal ob auf dem Radweg oder der Straße!
    Schwerpunkt auf den Ausbau umweltfreundlicher Fortbewegung in der Stadt ist immer noch angesagt, klar; ein Umstieg zurück auf's Auto als Fortbewegungsmittel ist m.E. nicht notwendig - je mehr Radler auf den Straßen, je mehr MVV-Nutzer, desto größer der Druck auf die Stadt und die Parteien, die Umweltfreundlichkeit in Ihrem Programm stehen haben.

  3. Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.