Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Cornelia Link am 24. August 2011
9389 Leser · 107 Stimmen (-9 / +98) · 2 Kommentare

Mobilität und Verkehr

Flugverbot über der Stadt

Sehr geehrter Herr Ude,

seit einiger Zeit beobachte ich, dass Verkehrsflugzeuge in relativ geringer Höhe die Stadt überqueren,obwohl kein Gewitter in der Nähe einen Umweg notwendig macht. Ich empfinde das als Belästigung . Außerdem glaubte ich zu wisssen, dass es ein Überflugverbot gibt. Ist dem nicht so?
Ich bedanke mich für Ihre Antwort!
Mit freundlichen Grüßen

Dr.Cornelia Link

+89

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Antwort
von Christian Ude am 10. November 2011
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Dr. Link,

die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH hat die Aufgabe, die An- und Abflüge von Luftfahrzeugen zu koordinieren und so eine sichere Abwicklung des Verkehrs zu gewährleisten. Dies geschieht für den Flughafen München auf festgelegten Flugrouten in der Weise, dass anfliegende Verkehrsflugzeuge in je nach Verkehrsaufkommen auszuweitenden s-förmigen Schleifen zur Landebahn geführt werden (sog. Up-/Downwind-Verfahren). Die so gestaltete Kontrolle des Flugverkehrs ist aufgrund der begrenzten Kapazität des Landebahnsystems erforderlich. Dadurch ist es unvermeidbar, dass Verkehrsflugzeuge regelmäßig auch das Stadtgebiet München überfliegen. Ein Überflugverbot gibt es nicht. Die Höhe der Verkehrsflugzeuge beträgt hier zwischen 1.000 und 3.000 Meter über Grund.

Die Landeshauptstadt selbst hat keine rechtlichen Befugnisse, auf den Luftverkehr im Luftraum über München einzuwirken.

Die Regelungs- bzw. Überwachungs- oder Anordnungsbefugnisse liegen beim Bundesminister für Verkehr, der Bundesanstalt für Flugsicherung sowie beim Luftamt Südbayern.

Werden Sie weiterhin durch Luftfahrzeuge erheblich belästigt, haben Sie nur die Möglichkeit, sich direkt an den Fluglärmschutzbeauftragten des Luftamtes Südbayern bei der Regierung von Oberbayern, Herrn Dr. Biberger (Tel. 089/21 76 - 25 87) zu wenden, um mit ihm das weitere Vorgehen in Ihrem Fall zu besprechen.


Ungeachtet der Tatsache, dass die Stadt München keine eigenen rechtlichen Befugnisse besitzt, auf den Flugverkehr über dem Stadtgebiet einzuwirken, werden wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten (keine Ausnahmegenehmigungen, keine Aufweichung der Nachtflugbeschränkungen in München II etc.) auch in Zukunft mit Nachdruck für eine Verbesserung der derzeitigen Fluglärmsituation einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Günter Friedl
    am 23. September 2011
    1.

    Sehr geehrte Frau Dr. Link,

    ich unterrichte an Bayerns größter Flugschule Luftrecht. Der Luftraum über München ist keineswegs gesperrt (ausser zur Wies´n und da auch nur bis 4500ft. MSL und in einem Radius von 3 NM). Das Fluglärm eine Belästigung darstellt steht ausser Frage. Allerdings geht es halt ohne Luftverkehr nicht (wahrtscheinlich nutzen auch Sie das Flugzeug regelmässig) und deshalb versucht man den Fluglärm "gleichmässig" zu verteilen. Man macht das mit der sog. Sigma2-Verteilung, also einer statistischen Methode. Dafür zuständig ist das BMVBS und als beliehener Unternehmer die Deutsche Flugsicherung. Die DFS legt die Lufträume und die An-/Abflugrouten fest.

    Allerdings haben die Fluglosten (und auch die Piloten nach Freigabe durch den Losten) immer die Möglichkeit aus flugbetrieblichen Gründen oder aus Sicherheitsgründen von den Routen abzuweichen. Das muß nicht unbedingt ein Gewitter sein. Auch ein Ausfall oder Wartungsarbeiten von Flugnavigationseinrichtungen/Radarsystemen/Bordelektronik usw... kann ein Grund für eine andere Flugführung sein. Oftmals ist es auch notwendig, Flugzeuge anders zu staffeln weil z.B. ein Langstreckenflug seine Kraftstoffreserven angreifen muß und deshalb Priorität in der Landesequenz erhält.

    Wenn Sie mehr über diese Dinge erfahren wollen, dann bitte ich um Ihre Rückmeldung.

    Günter Friedl

  2. Autor Detlef Hirth
    am 02. Oktober 2011
    2.

    Sehr geehrte Frau Dr. Link,
    ich nutze die Gelegenheit, mich anhand Ihres Beitrages zum Kommentar von Herr Friedl zu äußern.
    Herr Friedl wird sicherlich korrekte Informationen in seinem Kommentar verwertet haben. Tatsache ist aber, dass seit der zweiten Aprilwoche 2011 plötzlich täglich eine erhebliche Anzahl von Flugbewegungen über der Stadt zu beobachten sind, die sich im Norden Münchens i.d.R. in einer Höhe zwischen 6.000 und 9.000 Fuß vollziehen. Eine Häufung ist in den Abendstunden bei den Anflügen zu verzeichnen. Ebenso werden bereits ab 05:00 Uhr Anflüge über die Wohngebiete geleitet. Alles in allem sind besonders die Bewohner Schwabings und der weiter nördlich gelegenen Stadtteile hierdurch einer erheblichen Lärmbelästigung ausgesetzt. Von einer gleichmäßigen Verteilung der Lärmbelastungen durch an- und abfliegende Fluggeräte mittels der Sigma2-Verteilung kann wohl absolut keine Rede sein. Auch sind diese zahlreichen Überflüge wohl kaum durch "Ausfall oder Wartungsarbeiten von
    Flugnavigationseinrichtungen/Radarsystemen/Bordelektronik
    usw... " bzw. durch mangelnde Kraftstoffvorräte an Bord zu begründen, wie Herr Friedl erklärt.
    "Mehr über diese Dinge zu erfahren" wie Herr Friedl vorschlägt, mindert die Lärmbelastung wohl eher nicht.
    Der Flughafen München hat eine Fluglärmbeschwerdestelle eingerichtet, Telefon 089 97540410. Allerdings wurde von dieser Stelle vehement bestritten, dass eben mit besagter 2. Aprilwoche 2011 eine Änderung der Flugrouten erfolgte. Ebenso bestritt der Herr von der Fluglärmbeschwerdestelle der Regierung von Oberbayern (der übrigens nur für Verstöße gegen geltenden Flugrechts zuständig ist) selbige Tatsache.
    Ich bin schon sehr gespannt auf die Antwort, sollten wir genug Stimmen für eine Beantwortung erhalten.

    Mit freundlichen Grüßen

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