Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Detlef Hirth am 22. November 2011
10792 Leser · 138 Stimmen (-6 / +132) · 3 Kommentare

Sonstige

Flugbewegungen über München

Sehr geehrter Herr Ude,
die Rubrik „direktzu“ Christian Ude zieht es offenbar vor, durch Deaktivieren der Kommentarfunktion eine Diskussion der Antworten aus dem Rathaus zu verhindern.
Deshalb an dieser Stelle meine Fragen an Sie.
Liebe Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen, die Sie die Antwort auf den Beitrag „Flugverbot über der Stadt“ formuliert haben.
Es ist richtig, dass die DFS mit der von Ihnen beschriebenen Aufgabe betraut ist. Richtig ist auch der Hinweis auf festgelegte Flugrouten. Sicherlich ist es auch richtig, dass die Stadt selbst keine rechtlichen Befugnisse, auf den Luftverkehr im Luftraum über München einzuwirken. Ebenso ist richtig, dass „Regelungs- bzw. Überwachungs- oder Anordnungsbefugnisse beim Bundesminister für Verkehr, der Bundesanstalt für Flugsicherung sowie beim Luftamt Südbayern liegen. Die Beschreibung des sog. Up-/Downwind-Verfahrens trifft die derzeitige Situation im Luftraum über der Stadt.

Meine erste Frage lautet zu diesem Punkt: In welchen Bereichen des Luftraumes über München resp. auf welchen Flugrouten wurden die anfliegenden Verkehrsflugzeuge, die jetzt über die Stadt fliegen, vor dem 8. April 2011 zum Flughafen München geführt? Denn vor dem 8.April 2011 waren die zahlreichen Flugbewegungen über dem Norden der Stadt nicht zu verzeichnen.

Meine zweite Frage bezieht sich auf die erwähnte begrenzte Kapazität des Landebahnsystems: Hat sich diese vom 7. zum 8. April 2011 so plötzlich vermindert, dass ab dem 8. April 2011 eine Vielzahl von lärmenden Flügen über das Stadtgebiet geführt werden müssen?

Meine dritte Frage lautet: Weshalb wird der Bürger an den Fluglärmschutzbeauftragten des Luftamtes Südbayern verwiesen, der nach eigener Aussage lediglich für den Lärm der Fluggeräte zuständig ist, die die Mindesthöhe von 600m über Grunde verletzen und der mir empfohlen hat, mich an „meine“ Politiker zu wenden?

Die vierte Frage ist: Was haben Sie bisher zur Verminderung des Fluglärms über der Stadt getan und wie setzen Sie sich konkret „auch in Zukunft mit Nachdruck für eine Verbesserung der derzeitigen Fluglärmsituation“ ein?

Im übrigen zu Ihrer werten Information: Am 20. November 2011 (Sonntag) sind bis 16:00 Uhr mindestes 25 Abflüge und mindestens 13 Abflüge sowie etliche Flüge von besonders lärmenden Turbopropmaschinen ab 05:42 Uhr u.a. unmittelbar und in geringer Höhe über die Parkstadt Schwabing geführt worden.

Ich bin außerordentlich gespannt auf Ihre Antworten.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Hirth

+126

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Antwort
von Christian Ude am 11. Mai 2012
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Hirth,

zur Beantwortung Ihrer Fragen war die Einholung einer Stellungnahme der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH notwendig, welche nun vorliegt und es mir ermöglicht, Ihnen die gewünschten Auskünfte zu geben. Doch nun zu Ihren Fragen im Einzelnen:

1. In welchen Bereichen des Luftraumes über München resp. auf welchen Flugrouten wurden die anfliegenden Verkehrsflugzeuge, die jetzt über die Stadt fliegen, vor dem 08. April 2011 zum Flughafen München geführt?

Von Westen her zur Landung anfliegende Verkehrsflugzeuge können den Norden der Stadt beim Anflug tangieren. Es handelt sich dabei um den Gegenanflug der Südpiste. Der veröffentlichte Streckenverlauf dieses Gegenanfluges ist seit Jahren unverändert und verläuft ungefähr zwischen Garching und Maisach. Auch vor dem 08. April 2011 wurde dieses Verfahren über dem Norden der Stadt durchgeführt. Verkehrsflugzeuge die von Westen her zur Landung anfliegen, befinden sich aufgrund der kürzeren Restflugstrecke zur Landepiste im Regelfall in niedrigeren Flughöhen über dem Norden der Stadt als von Osten her zur Landung anfliegende Flugzeuge. Von welcher Seite die Verkehrsflugzeuge die Piste anfliegen, ist von der Windrichtung abhängig. Die Landung wie auch der Start erfolgen immer gegen den Wind.

2. Hat sich die begrenzte Kapazität des Landebahnsystems vom 07. zum 08. April 2011 so plötzlich vermindert, dass ab dem 08. April 2011 eine Vielzahl von lärmenden Flügen über das Stadtgebiet geführt werden müssen?

Die Kapazität des Landebahnsystems ist unverändert. Aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen (Luftverkehrsgesetz und Luftverkehrsordnung) können sich jedoch auch Flugzeuge abseits veröffentlichter Flugrouten befinden. Die Anflugverfahren für die Südpiste führen dazu, dass die Landeshauptstadt entweder durch Flugzeuge überflogen wird, die auf direktem Wege in den Gegenanflug geführt werden (Flugweg über westliche und nördliche Stadtteile) oder je nach Verkehrslage und aktueller Verkehrsdichte verkürzt in den Gegenanflug gedreht werden (Flugweg über allen Stadtteilen möglich).

3. Weshalb wird der Bürger an den Fluglärmschutzbeauftragten des Luftamtes Südbayern verwiesen?

Dem Bürger werden bei Fragen zum Schutz vor Fluglärmbelastung neben dem Luftfahrt-Bundesamt, dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung und der Deutschen Flugsicherung auch das Luftamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern als zuständige Aufsichtsbehörden bzw. Regelungs- oder Überwachungsstellen angegeben. Alle genannten Stellen sind in spezifischer Weise an der Festlegung bzw. Ausgestaltung von Flugrouten beteiligt und können im Rahmen ihrer Zuständigkeiten Auskunft geben.

4. Was haben Sie bisher zur Verminderung des Fluglärms über der Stadt getan und wie setzen Sie sich konkret „auch in Zukunft mit Nachdruck für eine Verbesserung der derzeitigen Fluglärmsituation“ ein?

Zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm hat die Vollversammlung des Stadtrates im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die 3. Start- und Landebahn am Flughafen München mit Beschluss vom 19.12.2007 u.a. eine möglichst frühzeitige Beteiligung der Kommunen bei der Planung der Flugrouten sowie eine Optimierung unter dem Aspekt des Anwohnerinnen- und Anwohnerschutzes gefordert.
Die Vertreter der Landeshauptstadt München in den verschiedenen Gremien der Flughafen München GmbH haben demzufolge auch stets Maßnahmen zur Lärmoptimierung mitgetragen, sowohl was die Gestaltung der flugbetrieblichen Vorgaben als auch die Ausgestaltung entsprechender Betriebsregelungen und die Setzung ökonomischer Anreize für den Einsatz besonders leisen Fluggerätes betraf.

Auch als derzeitiger Präsident des Deutschen Städtetags (DST) befasse ich mich seit längerem mit der Thematik des Schutzes der Bevölkerung vor Fluglärm.
Bereits mit der Novellierung des Luftverkehrsgesetzes im Jahr 2007 konnte der DST erreichen, dass der Schutz der Anwohner vor Fluglärm besonders zu berücksichtigen ist (§ 29b Abs. 1 Satz 2 LuftVG).
Um den Belangen der Bevölkerung zum Schutz vor Fluglärm besonders Rechnung zu tragen, hat das Präsidium des DST erst jüngst in seiner Sitzung im Februar 2012 u.a. folgende Forderungen beschlossen:

• Vorrang des aktiven Schallschutzes gegenüber passiven Schallschutzmaß-nahmen;

• Beibehaltung der heutigen Regelung in § 29b Abs. 1 Satz 2 LuftVG, wonach der Schutz der Menschen vor Lärm, insbesondere der Schutz der Nachtruhe besonders zu berücksichtigen ist;

• besonderes Augenmerk wird seitens des DST darauf gelegt, dass künftig die Festlegung der Flugrouten unter Einbeziehung der Fluglärmkommission und der betroffenen Gemeinden als Träger öffentlicher Belange erfolgen soll.

Auch in der Vergangenheit hat die Landeshauptstadt München eine Vielzahl von Forderungen, Anregungen und Initiativen aus der Bürgerschaft, dem Stadtrat und den Bezirksausschüssen an den Bundes- bzw. Landesgesetzgeber, die Bundes- und Landesministerien sowie die jeweiligen Minister bzw. die nachgeordneten Behörden gerichtet. Die Forderungen reichten von Überflugverboten des Stadtgebietes, Änderungen der Flugrouten, Beschränkungen der Flugzeiten, Erhöhung der Mindestflughöhe bis hin zum Erhalt von Mitwirkungsrechten.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (3)Schließen

  1. Autor Maria Käser
    am 23. November 2011
    1.

    Sehr geehrter Herr Hirth,
    ja es ist unglaublich wie hier der schwarze Peter vom Einen zum Anderen geschoben wird. Man wird von den entsprechenden Behörden zugemüllt mit Fachinformationen, die ein normaler Bürger sowieso kaum versteht. Und dann erst diese unterschiedlichen Zuständigkeiten. Auch wir hier in Laim müssen seit dem Frühjahr dieses Jahres feststellen, daß der Flugverkehr immer mehr, immer niedriger und somit immer lauter über der Stadt wird. Soviel ich weiß, wurden die Flugrouten geändert, was aber bedeutet, daß hier sang- und klanglos auf dem Rücken der Münchner Bürger einer unsägliche und zusätzliche Lärm- und Dreckbelastung vorgenommen wird. Die Aussage, daß solche Flugbewegungen nur vorkommen, wenn nicht vorhersehbare Ereignisse eintreten, ist schlichtweg falsch. Es werden doch schon die Ticket ausgestellt, mit Flugzeiten z.b. um 5.00 Uhr morgens. Also ich komme mir langsam bei diesem Thema richtig verarscht vor. Schlimm denke ich, wird es erst noch richtig, wenn die 3. Bahn gebaut wird und der Frachtverkehr, der ja hauptsächlich Nachts stattfindet, ausgebaut werden soll. Na dann gute Nacht!
    Gruß, von einem Laimer Fluglärmgeplagten!

  2. Autor Holger Theis
    am 29. November 2011
    2.

    Die Flugroutenbelegung 2011 kann unter folgender Adresse nachgelesen werden:
    http://www.munich-airport.de/de/company/umwelt/laerm/flug...

    Sehr geehrter Herr Ude, es gibt in der heutigen Zeit so viele Nachrichtenmeldungen. Aus diesem Grund habe ich große Schwierigkeiten die aktuellen Meinungen zu erkennen. Ich hätte gerne Ihre aktuelle Meinung zum Thema Umwelt- und Klimaschutz, hierbei vor allem zum geplanten Bau der 3. Start- und Landebahn am Münchner Flughafen erfahren. Obgleich eine Fluglärmbelastung mich persönlich im Südwesten (Forstenried) - zum Glück - nur geringfügig stört, und diese unter Umständen als subjektive Empfindung angenommen werden könnte, ist meines Erachtens der Bau einer 3. Start- und Landebahn mit einer massiveren Umwelt-, Klima- und Gebäude- bzw. Denkmalbelastung durch die Verbrennung von fossilen Treibstoffen (Kerosin) verbunden, was nach derzeit doch scheinbar vorherrschender Meinung des raschen Klimawandels (Klimaerwärmung) nicht mehr vertretbar ist. Die in den letzten Jahren stetig steigenden Passagierzahlen mögen zwar ein Indiz dafür sein, dass die Kapazitäten des Münchner Flughafens mit seinen beiden Start- und Landebahnen in Zukunft nicht mehr ausreichen, aber eben keine Garantie! Gerne bin ich auch an den Meinungen anderer Mitbürger interessiert. Mit freundlichen Grüßen Holger Theis

  3. Autor Detlef Hirth
    am 03. Dezember 2011
    3.

    Sehr geehrte Frau Kneißl,
    zum Thema Verzögerungs- und Hinhaltetaktik:
    Mein Beitrag "Fluglärm über der Parkstadt Schwabing" wurde am 05.09.2011 veröffentlicht. Am 10.10.2011 wurde dieser Artikel als "Top-Beitrag ausgewählt und bereits zur Beantwortung weitergeleitet" (Zitat aus der Benachrichtigungsmail). Heute schreiben wir den 3. Dezember 2011 und bis dato hat es der Zirkel um den Herrn Oberbürgermeister nicht geschafft, eine Antwort zu produzieren. Da hat man wohl Bedenken bei diesem für Herrn Ude heiklen Thema.

    Den Verweis aus der Beantwortung des Beitrages "Flugverbot über der Stadt" auf den Fluglärmschutzbeauftragten des Luftamtes Südbayern
    kann ich mittlerweile nur wie folgt kommentieren:
    Am 14.10.2011 stellte ich an Herrn Dr. Biberger per Mail zwei Fragen. Eine davon war sinngemäß "Auf welchen Routen flogen die Flugzeuge vor dem 8. April 2011 über die Stadt?" Trotz telefonischen Nachfassens habe ich bis heute keine Antwort erhalten.
    Desweiteren hat die Flughafengesellschaft ein Fluglärmbeschwerde-telefon eingerichtet (Tel.: 089 97540410). Die freundliche Stimme auf der Bandansage täuscht, die da einen sofortigen Rückruf verspricht. Dieser Rückruf erfolgt maximal ein einziges Mal. In einem solchen Rückruf wird dann Verständnis für die Lärmbeschwerde geheuchelt, man ergeht sich noch in technischen Details zu den lärmerzeugenden Fluggeräten und das war es dann.
    Ach ja, man vergaß auch hier nicht die Empfehlung sich an "unsere Politiker" zu wenden.
    Alles in allem lediglich ein weiteres Feigenblatt.
    Soviel zu weiteren Fakten, wie die Bürger, wie Sie es sehr deutlich formulieren , "verarscht" werden, während Tag für Tag die lärmenden Flugzeuge über uns hinweg donnern.

    Sehr geehrter Herr Theis,
    ich habe einmal versucht, die Flugrouten über den o.g. Link anzuschauen und zu verstehen. Zweiteres ist mir nicht gelungen, da ich aus diesen Abbildungen die Flugführung über München nicht erkennen kann. Detailliertere Informationen habe ich leider nicht gefunden.

    Mit freundlichen Grüßen. Detlef Hirth

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