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Autor Klaus Wolter am 01. Juli 2009
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Mobilität und Verkehr

Feinstaubzonen - und deren Unsinn

Sehr geehrter Herr Ude,

seit dem 01. Oktober 2008 gibt es in München sog. Umweltzonen. Somit ist es Fahrzeugen ohne Plaketten nicht mehr gestattet, in den Bereich innerhalb des mittleren Rings zu fahren. Sowohl für Privatpersonen als auch Gewerbetreibende, die nicht über die nötigen Mittel verfügen, sich ein plakettenfähiges Fahrzeug (resp. Fahrzeuge) zu beschaffen stellt dies einen schweren Eingriff dar.
Das alles wäre durchaus als erträglich zu betrachten, wenn es denn in irgendeiner Form sinnstiftend wäre. Allerdings tragen diese (bundesweit) eingeführten sog. Umweltzonen weder zur Luftreinhaltung bei noch wird damit ein anderer Zweck erfüllt.

Wegweisend erscheint mir hier die Entscheidung der Stadt Amsterdam, diesen Unsinn sofort und auf der Stelle zu beenden - eine vorliegende Studie des europaweit mit guten Reputationen ausgestatte Forschungsinstitutes Nederlandse Organisatie voor Toegepast Naturrwetenschappelijk Onderzoek (TNO) führt deutlich vor Augen: Generell trage der motorisierte Straßenverkehr ohnehin nur fünf Prozent zum innerstädtischen Feinstaub bei. Zudem lässt sich in diesem Gutachten nachlesen, daß Dieselfahrzeuge mit einem Alter von mehr als 10 Jahren mehr Ruß emittieren als vier- bis fünfjähre; dafür emittieren die jüngeren aber erheblich mehr NOx!

Bereits vor dem blinden Aktionismus mit den Umweltzonen war auch die Studie des renomierten Frauenhoferinstituts (2006) bekannt, daß der Einfluß des Wetters erheblich höher ist als der menschgemachte Anteil.

Die Stadt München hat es m. W. bisher unterlassen, eine neue Feinstaubbilanz erstellt - vermutlich aus gutem Grund. Stuttgart hat eine solche Bilanz und darin wird eine Minderung um 3-5 % festgestellt - das sind Meßtoleranzen!

Benziner emittieren sowieso keinen Feinstaub - dennoch werden sie aus der Stadt ausgesperrt. Ein Benziner produziert auf die selbe Weise Feinstaub wie ein Fahrrad - durch Reifenabrieb und Bremsabrieb. Da vermutlich niemand auf die Idee kommt, Fahrrädern die Einfahrt in Umweltzonen zu verbieten, sollte man ernsthaft - nach dem Vorbild Amsterdams - darüber nachdenken, die Umweltzone nebst den zugehörigen Schildern dem Verwertungskreislauf zuzuführen. Anstatt hierfür teuer Geld auszugeben, hätte man es besser für Spritzwagen (wie es sie früher auch gab) ausgegeben. Das könnte die Feinstaubbelastung vermutlich mehr reduzieren als sog. Umweltzonen.

Seit Einführung dieser Zonen müssen die Besitzer von Fahrzeugen, die nicht mit einem Kat nachgerüstet werden können, erhebliche Wertverluste in Kauf nehmen - freie Werkstätten, die sich innerhalb des mittleren Rings befinden, verlieren einen Gutteil ihres Kundenstamms (und somit die Stadt logischerweise auch einen Teil ihrer Steuereinnahmen) und werden genötigt, ins (umweltzonenfreie) Umland zu ziehen.

Mein Anliegen ist eine kritische und nicht durch operative Hektik geprägte Auseinandersetzung mit dem Thema; weder die TNO noch das Frauenhoferinstitut steht in dem Ruf, besonders kraftfahrzeugfreundlich zu argumentieren. Wann ist damit - und somit in der einzig logischen Folge - mit dem Ende der sog. "Umweltzonen" zu rechnen?

Vielen Dank für die Zeit des Lesers - über eine Stellungnahme zu meinem Anliegen würde ich mich sehr freuen; nochmehr natürlich über den Abbau der Schilder, die mir die Zufahrt in den Bereich innerhalb des mittleren Rings u. U. teuer machen.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus u. Kerstin Wolter
(Mini; Bj. 1990, 998 ccm, 6,5 Liter/100 km - keine Plakette; im Gegensatz zu unseren Nachbarn; BMW X 6, 2979 ccm, lt. Hersteller ca. 15 Liter/100 km - der hat eine grüne Plakette)

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