Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Kathrin Gutknecht am 21. Mai 2012
7858 Leser · 164 Stimmen (-9 / +155) · 3 Kommentare

Bildung und Kultur

Fehlende Hortplätze an der Bazeillesschule

Sehr geehrter Herr Ude,

wir richten uns mit dem folgenden Problem an Sie:

An der Grundschule in der Bazeillesstrasse herrscht für das kommende Schuljahr ein grosser Mangel an Hortplätzen. Die Ursache hierfür ist sicherlich auch darin begründet, dass die Grundschule in den kommenden 2 Schuljahren saniert wird und die bestehenden Betreuungsangebote (Hort und Mittagsbetreuung) ihre Gruppen deshalb verkleinern mussten.

Nach unserem aktuellen Kenntnisstand fehlen ab September 2012 an der Grundschule der Bazeillesschule etwa 50 Betreuungsplätze für Erstklässler.
Wir als betroffene Eltern haben uns zusammengeschlossen und die verbleibenden Möglichkeiten für die Betreuung unserer Kinder geprüft.

Die Standard-Aussage, die wir bisher von öffentlichen Stellen erhalten, wenn wir auf unser Problem aufmerksam machen wollen, ist, „daß sich bis zum Schulanfang schon alles regeln wird“. Davon gehen wir in unserem Fall nicht aus, da die Betreuungsangebote im Umkreis vollständig ausgelastet sind und sich durch die Sanierung der Bazeillesschule eine besondere Situation ergibt.

Geplante Neu-Eröffnungen werden für unsere Kinder zu spät verfügbar sein bzw. ist deren Kapazität bereits für einen neu entstehenden Bedarf geplant und ausgelastet.
Z.B. entstehen in dem Neubau-Gebiet „Welfenhöfe“ neue Betreuungsplätze, diese werden aber erst im Frühjahr 2013 bereit stehen und sind so dimensioniert, dass sie den dort zusätzlich entstehenden Neu-Bedarf decken. Auch die geplante Entstehung eines Tagesheimes für die Bazeillesschule ist für unsere Kinder zu spät. Ebenso wird die eventuelle Einführung eines Ganztagszuges im Anschluss an die Sanierung der Schule für unsere Kinder zu spät greifen.

Wir als betroffene Eltern halten es für nicht zumutbar, die Betreuung unserer Kinder auf Basis nachbarschaftlicher Hilfe zu organisieren oder die Berufstätigkeit aufzugeben, weil unsere Kinder in einem ungünstigen Zeitraum eingeschult werden.

Wir bitten Sie daher um eine konkrete Aussage, wie das Betreuungsproblem für unsere Kinder gelöst werden kann bzw. wie Sie uns als Eltern unterstützen werden, damit wir in Eigenregie eine Betreuung gründen können. Folgende Szenarien wären von unserer Seite denkbar und hilfreich:

Wir als Eltern wären zur Gründung einer Mittagsbetreuung bereit, scheitern jedoch derzeit an der Verfügbarkeit bzw. an den Kosten der dazu notwendigen Räumlichkeiten.
Kann die Stadt München uns bei der Gründung einer Mittagsbetreuung unterstützen, indem
• weitere Container für die Mittagsbetreuung zur Verfügung gestellt werden? Wenn nicht auf dem Gelände der Bazeillesschule, dann vielleicht in einem der nahegelegenen Parks (Tassilo-Park, Schwester-Eubelina-Platz)
• die Miete für geeignete Räume übernommen bzw. bezuschusst wird?
• Räume unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, wie sonst innerhalb des Schulgebäudes üblich?

Auch die Gründung eines Horts als Elterninitiative wäre für uns denkbar. Allerdings bestehen diverse Auflagen, die eine rechtzeitige Gründung verhindern.
Kann die Stadt München uns bei der Gründung eines Hortes als Elterninitiative unterstützen, indem
• einige Auflagen temporär ausgesetzt werden, die innerhalb der kurzen verbleibenden Frist bis September 2012 nicht zu erfüllen sein werden. (z.B. die Verfügbarkeit von 10m² Aussenfläche pro betreutes Kind)
• der Umbau von Räumlichkeiten bezuschusst oder vorfinanziert wird?

Wir freuen uns auf Ihre Antwort und hoffen auf rasche, unkomplizierte Hilfe!

Mit freundlichen Grüssen,

Kathrin Gutknecht und Barbara Paulmichl

+146

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Antwort
von Christian Ude am 26. September 2012
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Gutknecht, sehr geehrte Frau Paulmichl,

wie ich vom zuständigen Referat für Bildung und Sport erfahren habe, konnten inzwischen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Elterninitiative „Auenkinder e.V.“ ab dem 01.10.2012 eine Betreuung von Grundschulkindern anbieten kann. Für Ihr Engagement zur Schaffung zusätzlicher Betreuungs- plätze danke ich Ihnen sehr.

Im Rahmen des Fördermodells für Eltern-Kind-Initiativen kann ein einmaliger Sachkostenzuschuss für Umbaumaßnahmen und Erstausstattung beantragt werden, was inzwischen erfolgte. Das Referat für Bildung und Sport hat insgesamt 190.000 Euro zugesagt, davon zirka 120.000 Euro für den Umbau und 70.000 Euro für die Erstausstattung Ihrer Einrichtung.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Mittel aus der Münchner Förderformel zu beantragen, insbesondere einen Mietkostenzuschuss. Dieser errechnet sich aus den Mindestplatzzahlen und ist somit unabhängig von der tatsächlichen Belegung.
Ausführliche Informationen zur Münchner Förderformel finden Sie auf der Internetseite www.foerderformel.muc.kobis.de.

Die Mittagsbetreuung ist inzwischen zu einer wichtigen Säule der nachmittäglichen Betreuung geworden. Eltern engagieren sich ehrenamtlich, um so vielen Kindern wie möglich einen geeigneten Betreuungsplatz zu bieten. Die Landeshauptstadt München fördert diese Form der Betreuung unter anderem mit einem freiwilligem Personalkostenzuschuss und mit der erforderlichen Ausstattung der genutzten Räume im Schulgebäude. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an das Referat für Bildung und Sport, Fachabteilung für Grund- Haupt- und Förderschulen (E-Mail-Adresse: f4.rbs@muenchen.de).

Die Mittagsbetreuung ist eine Einrichtung der Schule, die von Eltern auf privatrechtlicher Basis organisiert wird. Die fachliche Aufsicht über die Mittagsbetreuung an staatlichen Grundschulen übt das Staatliche Schulamt aus. Für die Bereitstellung der notwendigen Räume ist die jeweilige Schulleitung verantwortlich.

Die beengte Situation, die aufgrund der notwendigen Generalsanierung des Schulgebäudes und der dadurch notwendig gewordenen vorübergehenden Auslagerung des Schulbetriebs in eine mobile Schulraumeinheit entstanden ist, ist derzeit leider unumgänglich. Ich bin zuversichtlich, dass durch diese Maßnahme die Schul- und Betreuungssituation am Standort Bazeillesstraße signifikant verbessert werden kann.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (3)Schließen

  1. Autor Rüdiger Lehmann
    am 21. Mai 2012
    1.

    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    In der Tat muss schnell etwas geschehen, denn mir und zahlreichen weiteren Eltern hier im Viertel steht das Wasser bis zum Hals.
    Nach dem Bewerbungsmarathon waren wir ausgelaugt - aber langsam macht sich Verzweiflung breit - bis zum Schulbeginn sind es ja nur noch ein paar Wochen und in den Ferien passiert meist nichts.

    Klar hört man von offizieller Seite "das regelt sich schon" - weil es sich zwangsläufig regeln muss. Die Kinder müssen nun mal in die Schule. Es würde mich nur interessieren, was hinter der sogenannten "Regelung" steckt. Ist irgendwo erfasst, wieviele Kinder aufgrund eines Gastschüler-Antrages jeden Tag durch die halbe Stadt gekarrt werden? Wieviele Kinder "heute hier, morgen dort" bei Nachbarn, Großeltern, Geschwistern etc. aber nicht in einem stabilen pädagogischen Umfeld betreut werden. Wieviele Eltern tatsächlich ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Job aufgeben, dass sie ihrem Nachwuchs um halb zwölf die Haustür öffnen können?

    Auch ich wünsche mir von offizieller Seite ein offenes Ohr und "Hilfe zur Selbsthilfe". Bitte unterstützen Sie das Engagement der Bazeillesschulen-Eltern!

    Probleme "regeln" sich nicht von selbst - Probleme müssen gelöst werden. Am besten von Stadt und engagierten Bürgern gemeinsam!

  2. Autor Christian Bokelmann
    am 23. Mai 2012
    2.

    Sehr geehrter Herr OB Ude,

    auch ich kann mich den Worten der Beitragenden nur anschließen. Ich finde es beängstigend, dass bei einer geschätzten Anzahl von 150 schulpflichtigen Kinder für den Sprengel der Schule in der Bazeillesstraße nicht einmal 15 Hortplätze zur Verfügung stehen. Es kann und darf doch nicht im Sinne der Stadt München sein, dass berufstätige Eltern Ihre Arbeit aufgeben, um eine adäquate Betreuung des eigenen Nachwuchses sicherzustellen. Die Bedeutung von Kindern wird so oft auf Bundes-, Landes- und auch kommunaler Ebene hervorgehoben, nur kommt es mir oft wie ein reines Lippenbekenntnis vor. Bildung ist das höchste Gut ! Ja und nun? Nicht einmal das vom Bund propagierte Ziel der Krippenplätze 2013 wird erreicht werden, und wenn man dann den Marathon von Krippe zu Kindergarten gelaufen ist, geht es gleich in die nächste Tretmühle der Tagesbetreuung in der Grundschule. Ich denke nicht, dass sich die Eltern der Verantwortung einer Erziehung der Kinder entziehen wollen, es ist aber nun einmal ein normales Familienmodell geworden, dass beide Elternteile arbeiten (müssen) und dementsprechend auch die Betreuung der Kinder ermöglicht werden muss. Diese Entwicklung ist nicht neu und seit vielen Jahren bekannt.

    Ich freue mich sehr auf Ihre Aussagen und Antworten auf unsere Beiträge, insbesondere auch zur Förderung von "initiativen" Eltern! Gemeinschaftlich sind sicher viele Lösungen möglich !

    Herzliche Grüße
    Christian Bokelmann

  3. Autor Paula Villa
    am 24. Mai 2012
    3.

    Sehr geehrter Herr OB Ute
    auch ich möchte mich dem Beitrag unbedingt anschließen. Wir sind als Familie fassungslos, dass es der Stadt München so wenig gelingt, die Rahmenbedingungen für zwei zentrale Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens angemessen zu organisieren: Die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit einerseits, die Gleichstellung von Männern und Frauen andererseits.
    Konkret: Auch wir haben - wie erschreckend viele andere auch - für unser zweites Kind keinen Hortplatz im Sprengel der Bazeillestr. bekommen und müssen fürchten, ab September Vieles aufgeben zu müssen, was wir uns mühsam erarbeitet haben: Entweder ein Elternteil verzichtet auf den Beruf - oder wir leisten uns eine private Kinderbetreuung ('nanny'). Beides ist für uns aus vielen Gründen inakzeptabel. Dies nicht zuletzt, weil wir für unser Kind das Beste wollen. Und das beinhaltet unbedingt eine angemessene Betreuung für ein Grundschulkind: gemeinsam mit anderen Kindern, im Rahmen eines guten pädagogischen Konzepts unter staatlicher Aufsicht, in Gemeinschaft mit Nachbarn - und abseits egoistischer Einzellösungen, die wir uns evtl. zwar leisten könnten, die wir aber ethisch und politisch völlig falsch finden.
    Nun hat sich eine sehr engagierte Gruppe von Familien im Sprengel bzw. in der Nachbarschaft gefunden, die genau dies eigeninitiativ umsetzen wollen. Wir sind hier ebenfalls engagiert und sind überzeugt, dass dies die unter den gegebenen Bedingungen die beste Lösung für alle - Eltern und Kindern - wäre. Um die Mittagsbetreuung/den Hort realisieren zu können, brauchen wir Ihre Unterstützung! Bitte nehmen Sie sich der Sache an. Sie würden damit zeigen, dass es München ernst meint mit einer modernen Familien- und Geschlechterpolitik. Wir als Bürger und Bürgerinnen tun unseren erheblichen Teil dazu, tun Sie dies bitte auch.
    Gespannt auf Ihre Antwort verbleibe ich
    mfG
    P. Villa

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