Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor S. Stresing am 03. Januar 2014
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Gesellschaft und Soziales

Familienpass 2014

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
mit Interesse haben wir den Flyer des Familienpasses 2014 erhalten. Wir waren irritiert darüber, dass auf dem Titelfoto keine Ehepaarfamilie mit Kindern (Mehrzahl) abgebildet ist. Noch irritierender aber ist die Definition von Familie, die sich dort wiederfindet:
„Für die Landeshauptstadt München ist Familie immer da, wo Kinder sind! Der Begriff „Familie“ schließt also Alleinerziehende, Familien mit Pflegekindern und Großeltern mit Enkelkindern ebenso ein, wie homosexuelle Partnerschaften mit Kindern.“
Wir empfinden es als Ehepaarfamilie diskriminierend, dass wir im Verständnis Ihrer Verwaltung keine Familie sind und bitte Sie um eine Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Familie Stresing

+221

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Antwort
von Christian Ude am 27. März 2014
Christian Ude

Sehr geehrte Familie Stresing,

den Familienpass bietet die Landeshauptstadt München seit sieben Jahren an. Er steht allen Familien offen und wurde mit Unterstützung von Sponsorinnen bzw. Sponsoren und Stiftungen zu einem erfolgreichen und günstigen Angebot für alle Familien gemacht.

Seitdem wurden auf dem Titelblatt immer wieder verschiedene Familien- konstellationen abgebildet: Neben der Eltern-Kind-Familie, die vollkommen selbstverständlich unter diesen Begriff fällt, auch alleinerziehende Mütter und Väter, eine Großmutter mit ihren Enkelkindern – und in diesem Jahr gleichgeschlechtliche Paare mit ihren Kindern.

Sie sehen, dass das Sozialreferat damit die Vielfalt aller Familienformen thematisiert, um gerade keine bestimmte Form zu diskriminieren – getreu des ja auch von Ihnen zitierten Leitsatzes „Für die Landeshauptstadt München ist Familie immer da, wo Kinder sind“.

Mit freundlichen Grüßen


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  1. Autor Janine Wolter
    am 03. Januar 2014
    1.

    Sehr geehrter Herr Stresing, sehr geehrter Herr Ude,

    ich finde die Diskussion um den Flyer etwas daneben und diskriminierend.
    Jedoch nicht, weil Otto-Normal-Familien angeblich ausgeschlossen werden, sondern weil die Erwähnung anderer Familienformen die konservative Otto-Normalfamilie aus Mann, Frau, Kind, Kind nun angeblich ausgrenzt. Angeblich.
    Dabei wurden eben besonders die anderen Familienformen, die explizit in dem Flyer erwähnt werden, jahrelang von der konservativen Familienformen ausgegrenzt. Was dieser Flyer nun etwas wieder gut machen soll.
    Betont man nun mal eindeutig zusätzlich(!) andere Familienformen, fühlt sich die konservative Familienformen gleich diskriminiert. Dabei hat sie selbst jahrzehntelang diskriminiert.

    Es ist doch sehr verständlich, wie der Text in dem Flyer gemeint ist. Konservative Familien werden auf keinen Fall ausgeschlossen. Im Gegenteil. Der konservative Familienbegriff wird im Jahr 2014 um weitere Familienformen ergänzt. Es steht ja auch eindeutig in dem Flyer, dass "der Begriff "Familie"" andere Familienformen EINSCHLIEßT.

    Wenn ich auf der Straße die Leute nach der Definition "Familie" frage, werden mir 99% mit "Mutter-Vater-Kind" antworten.
    In der Sprachwissenschaft nennt man sowas Implikation oder Präsupposition.

    Der Begriff Familie wird also in dem Flyer nur explizit ERWEITERT.
    Für das Bewusstsein der Münchner BürgerInnen.

    Herr Stresing, Sie sollten als Bundesgeschäftsführer und Pressesprecher des Deutschen Familienverbandes weniger die Minderheiten diskriminieren, sondern in der Lage sein, solche albernen Diskussionen im Jahre 2014 zu unterlassen. Auch der Familienverband sollte fähig sein, den Familienbegriff zu erweitern und wissen, dass die "alte" Form Mutter-Vater-Kind dennoch weiter existieren wird.

    Die Reaktionen bei Facebook zu dem Post des Familienverbandes waren nicht umsonst sehr zwiespältig.

    https://www.facebook.com/ajax/sharer/?s=2&appid=23052...

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=637433186315238&a...

    Ich als Mutter fühle mich keineswegs von dem Flyer diskriminiert, sondern vielmehr von dem Deutschen Familienverband nicht vertreten.

    Auch ein Familienverband sollte mit der Zeit gehen und nicht in regelmäßigen Abständen kleinkarierte und konservative Äußerungen von sich geben.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Janine Wolter

  2. Autor Janine Wolter
    am 03. Januar 2014
    2.

    Hier noch ein kritischer Kommentar eines Bloggers zur unverständlichen Diskussion seitens des Familienverbandes:

    http://derteilzeitblogger.wordpress.com/2014/01/03/der-de...

  3. Autor Samuel Deuschle
    am 03. Januar 2014
    3.

    Wieso wird einer Minderheit die solche antihumane Einstellung vertritt solche Aufmerksamkeit gegeben? Wer legitimiert solche Aktionen?

  4. Autor Martin Krafft
    am 03. Januar 2014
    4.

    Zugegeben, mir geht die ganze Gleichmacherei auch auf den Geist, aber "Familie ist immer da, wo Kinder sind" schließt sie ja ein, als "Ehepaarfamilie mit Kindern (Mehrzahl)". Einzig kinderlose Ehepaare dürfen sich nach Auffassung der Stadt nicht mehr Familie nennen. Das ist schon ein Armutszeugnis, daß man vor lauter "modernen Familienkonstellationen" sowas vergißt.

  5. Autor Martin Reeber
    am 04. Januar 2014
    5.

    Wo steht denn, dass die klassische Familie ausgeschlossen ist? Ist die Bilderbuchfamilie Stresing sich in ihrer Rolle dermaßen unsicher, dass sie die Definition einer klassischen Familie schwarz auf weiß bestätigt braucht?
    Und laut Facebook wohnt die Familie Stresing in Berlin. Warum nicht mal den eigenen Bürgermeister dazu befragen? Oder ist Ihnen Herr Wowereit zu vorbelastet bei dem Thema? ;)
    Ziemlich skuril, ihr sogennanter Verein...

    Mfg Martin Reeber, Steuerzahler aus München, mit dessen Geld solche Flyer gedruckt werden, und der damit auch kein Problem hat.

  6. Autor Maria Käser
    am 07. Januar 2014
    6.

    Ich finde es schon erstaunlich, für was für eine Erbsenzählerei manche Menschen ihre Zeit und Energie aufwenden. Das sind wohl Probleme einer völlig übersättigten Zivilisation. Unabhängig davon finde ich nicht, dass es an dem Spruch "Familie ist immer da wo Kinder sind" was zu bemäkeln gibt!

  7. Autor Michael Baleanu
    am 08. Januar 2014
    7.

    An dem Spruch "Familie ist immer da, wo Kinder sind" ist auf jeden Fall zu bemäkeln, dass es die entsorgten Eltern ausschliesst. Gerade die Kultur der Patchworkfamilien oder der "Eineltern"-Familien schliesst ein Elternteil aus, meistens die Väter.

    Diese dürfen lediglich ihre Werte überweisen, statt sie zu vermitteln. So lange sie leben, dürfen viele ihre Kinder nicht erleben. Nur wenn sie sterben, dann hat niemand was dagegen sie zu erben, falls das Pflegeheim noch etwas übrig gelassen hat.

    Sollte jemand erneut die Gewaltkeule herausgraben, sei er auf die Studie der katholischen Universität Eichstätt verwiesen, die erstaunlicherweise ein Überhang weiblicher Partnergewalt in Bayern ermittelte:

    Dass es manchmal nicht mehr möglich ist, miteinander zusammenzuleben, ist sicherlich unbestritten.

    Es ist aber genau so unbestritten, dass jede Trennung der Eltern, eine Traumatisierung der Kinder bedeuten kann.

    Mal ganz zu schweigen, von dem Beispiel das diesen Kindern gegeben wird: Die Beliebigkeit des Seins, die durch das Zerrüttungsprinzip eingeführt wurde, fördert die Verantwortungslosigkeit.

    Die schöne Definition der Verantwortlichkeiten in einer Familie "Eltern und Kinder schulden einander Beistand und Rücksicht" (§1618a BGB) wird nur noch aus der materiellen Sicht der Professionen gesehen, die sich aus den mehr als 690.000 Familienverfahren (im Jahr 2010) auf dem Rücken der Trennungs- und Scheidungsfamilien (und vor allem auf den Rücken der Kinder) bereichern.

    Daher ist der Spruch "Familie ist immer da, wo KInder sind!" eine himmelschreiende Diskriminierung all derjenigen, die von ihren Kindern ferngehalten werden und nur noch als Geldquelle missbraucht werden. Dieser Spruch ist nichts anderes als die Lebensphilosophie des Beratungs- und Betreuungskomplexes:
    - "Divide et impera!" (Teile und herrsche!),
    - setze nachhaltig Streit in den Familien,
    denn nur dann gilt

    "Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf (JA-SozPäds, Verfahrensbeistände, Umgangspfleger, Mediatoren, Anwälte, Psychologen, Psychiater, Erzieher.I.nnen, Köch.I.nnen, usw.)

    ... wenn der Vater fehlt."

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