Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor V. von Heydebrand am 11. April 2012
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Wirtschaft und Finanzen

Essen wegwerfen? Bitte spenden!

Sehr geehrter Herr Ude,

Letztens ging ich kurz nach 20 Uhr an einer Bäckerei vorbei und sah, wie die Verkäuferin die ganzen übrigen Backwaren (Belegte Brötchen, Teilchen, ..) wegwarf. Ich war schockiert und fragte sie, weshalb die Backwaren nicht beispielsweise an die Tafel gespendet würden. Die Verkäuferin erzählte mir, dass das wegen bestimmter Richtlinien (Gesundheit) verboten wäre und man deshalb alles wegwerfen muss.

Da frage ich mich, kann das wirklich sein? Da will die ganze Welt die Umwelt schonen und den Armen helfen, schickt Essenspakete in von Hungersnöten betroffenen Regionen, und beschwert sich, dass man mit den Ressourcen sorgsam umgehen muss, und dann sowas? Viele Menschen in Deutschland und auch in München können sich selbst die wenigen Euro für Backwaren nicht leisten und gehen deshalb zur Tafel (was ich sehr gut finde). Aber was ich einfach nicht verstehen kann: Die Tafeln sind immer auf Spenden angewiesen, und immer mehr Menschen sind auf Tafeln angewiesen, wieso also wird dann trotz eines sehr sinnvollen Verwendungszwecks des auch abends um 20 Uhr noch sehr genießbaren Essens alles weggeworfen?

Und ich will gar nicht an die ganzen Supermärkte denken, die "fast" abgelaufenene Produkte wegwerfen, anstatt sie an Hilfsbedürftige weiterzugeben.

Ich finde es natürlich sinnvoll, dass Brötchen von vor 2 Wochen nicht an die Tafel weitergeben werden, aber jeder normale Mensch ist doch auch um 20 Uhr ein Belegtes Brötchen, welches er sich um 15 Uhr gemacht hat, oder die Semmel vom Bäcker erst am nächsten Morgen.

Es gibt bestimmt einen guten Grund, weshalb es diese Wegwerf-Bestimmung gibt, aber ich finde man sollte diese nochmal überdenken und ein wenig abändern, sodass nicht jeden Tag Tonnen von leckerem, genießbaren Essen im Müll landen, während viele Menschen mit leerem Magen ins Bett gehen, weil ihnen das Geld für diese Produkte fehlt.

Ich hoffe Sie nehmen sich dieses Problem zu Herzen und können eine gute Lösung finden.

Mit freundlichen Grüßen,
Verena v. Heydebrand

+141

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Antwort
von Christian Ude am 28. Juni 2012
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Heydebrand,

als Befürworter der „Münchner Tafel“, die auch von der Stadt wirksam gefördert wird, habe ich mich Ihres Anliegens „Essen wegwerfen – bitte spenden“ gerne angenommen. Leider kann ich nur sehr begrenzt eine Lösung anbieten.

Erst einmal vorneweg: Bei unseren Nachfragen bei den verschiedenen Organisationen, die Essen an Bedürftige abgeben, waren wir immer wieder beeindruckt, mit welchem Engagement sich Münchnerinnen und Münchner, Firmen (und hier auch Großbäckereien und Bäckereien) und Institution sich hier einsetzen und wie groß die Spendenbereitschaft ist. Gleichzeitig ist uns bei diesen Gesprächen auch eindrucksvoll vor Augen geführt worden, wie groß der Bedarf an gespendeten Lebensmitteln ist.

Die "Münchner Tafel" teilt an 18.000 Menschen wöchentlich 100 Tonnen Lebensmittel aus. Um diese riesigen Menge bewältigen zu können, sind täglich 15 Fahrzeug von morgens bis abends unterwegs, um gespendete Lebensmittel einzusammeln und anschließend an soziale Einrichtungen und Verteilstellen im Stadtgebiet München auszugeben. Um diese logistische Herausforderung zu bewältigen, geht die "Münchner Tafel" nach differenziert ausgearbeiteten Tourenplänen vor. So werden jeden Tag allein 70 Märkte angefahren. Die "Münchner Tafel" ist mit diesen riesigen Mengen an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Sonderabholungen bei kleinen Bäckereien sind daher oft gar nicht möglich.

Die "Münchner Tafel" unterliegt zu Recht der Lebensmittelaufsicht. Entsprechend werden die Lebensmittel nach Vorschrift in Kühlfahrzeugen und Kühlboxen transportiert. Empfindliche und somit leicht verderbliche Lebensmittel dürfen gar nicht transportiert werden. Darunter fallen auch belegte Semmeln. Diese hatten Sie ja in Ihrem Schreiben angesprochen.

Darüber hinaus hat die "Münchner Tafel" ein festes Prinzip: Sie nimmt keine abgelaufenen Lebensmittel an, da sie um eine würdige Vermittlung sehr bemüht ist und keinesfalls das Gefühl entstehen lassen möchte, dass hier Abfall weitergegeben wird.

Auch die „Möwe Jonathan“ die sich mit ihrem Bus um Obdachlose kümmert, ist immer wieder über die immense Spendenbereitschaft der Münchnerinnen und Münchner überrascht. Sie sieht sich aber auch aus den oben geschilderten Gründen nicht in der Lage belegte Brote und Semmeln anzunehmen. Gleiches gilt auch für die Heilsarmee, die jedoch immer wieder Bedarf an Brotleiber aus Bäckereien hat.

Mit freundlichen Grüßen


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  1. Autor Maria Käser
    am 11. April 2012
    1.

    Ich weiß, daß Bäckerein und auch div. Supermärkte übrig gebliebene Ware an die Münchner Tafel abgeben. Ich vermute, daß es an Auflagen bzw. Richtlinien nicht liegt, sondern eher am Willen bzw. der Organisation, dieser von Ihnen erwähnten Bäckerei. Man hätte ja auch noch die Möglichkeit eine Happy Hour, so wie es sie beim Hofpfister gibt, einzuführen. Hier können dann die Leute zu einem ermäßigten Preis die Ware kaufen. Alles nur eine Frage des Wollens, meine ich. Möglichkeiten gäbe es viele, um Lebensmittel nicht wegschmeißen zu müssen.

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