Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Leopold Schuller am 24. Juli 2009
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Gesellschaft und Soziales

Erzieherinnen würdig bezahlen - Aufstockung aus Bund

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister;
der Kurz-Bericht in der SZ vom 23.7.09 "KITA Streik erreicht Rathaus" veranlasst mich, Sie zu bitten, sich als Sozialdemokrat zum Anwalt der berechtigten ErzieherInnen-Forderungen zu machen. Da meine Frau und auch meine Tochter diesen Beruf - aus sozialen Gründen - ausüben (beide in KITAs der LH Mch angestellt), erlebe ich hautnah, wie dürftig deren Bezahlung ist. Laut SZ-Bericht hat Herr Böhle appelliert, diesen Beruf durch Streiks nicht schlecht zu machen und der CSU Populismus vorgeworfen. Auch Sie selbst, Herr Oberbürgermeister, haben darin der CSU einen ´Angriff auf den Flächentarifvertrag´ vorgeworfen. Über Hrn. Böhle wundere ich mich ja nicht. Er hat zum Thema KITA-Streiks schon unsachlichere Statements abgegeben. Er zeigt aber einmal mehr, dass er entweder noch immer nicht verstanden hat, worum es den ErzieherInnen geht oder er weigert sich beharrlich, tiefer in das Thema vorzudringen. Stattdessen verweist er auf die sicherlich begrenzten Haushaltsmittel der Stadtverwaltungen und ignoriert völlig, dass eine Erzieherin mit so einem schmalen Gehalt in teuren Städten wie München alleine unmöglich klarkommen kann. Das ist - mit Verlaub - schändlich und mir unverständlich, warum es dazu Streiks bedarf, dies den Stadtverwaltungen klar zu machen. Gewiss gibt es derzeit in den gegebenen Haushalten nur einen geringen Spielraum für Gehalts-Steigerungen. Ich bin aber - mit vielen anderen (auch vielen Eltern von KIGA-Kindern) - der Meinung, dass es eben die Aufgabe von Menschen wie Hrn. Böhle und - mit Verlaub - auch von Ihnen ist, hier mit Nachdruck und Unerbittlichkeit an Bund und Land heranzutreten, die dafür benötigten Finanzmittel rasch bereitzustellen. Es ist einfach nicht mehr vermittelbar, warum für alles Mögliche Geld teilweise zum Fenster hinausgeworfen wird, man den Banken Milliarden und Aber-Milliarden in den Rachen wirft (weil sie angeblich ja systemtelevant sind), aber für Erzieherinnen ist nur ein Almosen übrig. Ich sage Ihnen: Auch die Arbeit von ErzieherInnen - und natürlich auch von Lehrern (die werden gottlob etwas besser bezahlt) - IST SYSTEMRELEVANT!! Ich appelliere daher an Sie, dass Sie sich als intelligenter und sprachgewandter Politiker für eine deutliche Verbesserung einsetzen und nicht weiter zulassen, dass auf dem Rücken der ErzieherInnen Finanz-Engpässe ausgetragen werden. Deren Aufgaben heute sind mit denen von vor etwa 10-20 Jahren nicht mehr vergleichbar. Wie wir inzw. alle wissen (Stichworte: PISA, Früh-Förderung, Integration, ...), können wir in Mitteleuropa unseren Wohlstand NUR dadurch weiter aufrecht halten, wenn wir einen deutlichen Wissensvorsprung vor den Schwellenländern bewahren. Ansonsten wandern Top-Berufe in Industrie und Wissenschaft weiter rasant ab in andere Länder und wir gucken - salopp gesagt - in die Röhre. Es wäre fatal und auch schäbig, den ErzieherInnen weiter einen gerechten Lohn vorzuenthalten.
In unser aller Interesse hoffe ich auf Ihre Unterstützung und wünsche Ihnen allen Erfolg dabei. Ich bitte Sie, dahingehend auch bei den gewiss in nächster Zeit anstehenden Gesprächen im Zuge der von VERDI organisierten Streiks einzulenken bzw. Initiativen darzulegen.
Danke im voraus.
Mit freundlichen Grüßen,
Ing. Leopold Schuller / München.

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