Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Gabi Gerhardt am 11. Januar 2013
6926 Leser · 178 Stimmen (-10 / +168) · 2 Kommentare

Sonstige

Erhöhung der Stromkosten

Sehr geehrter Herr Ude,

ich habe eine Frage an Sie in Ihrer Funktion als Aufsichtratsvorsitzender der Stadtwerke München.
Ab März werden in München die Strompreise um 12-13% erhöht. Für einen Haushalt, der 2500 kWh jährlich verbraucht, bedeutet dies eine Mehrbelastung von ungefähr 85 €. Mir ist bekannt, dass fast alle Stromanbieter ihre Strompreise in diesem Jahr erhöhen .
Dennoch meine Frage. Wie ist die deutliche Erhöhung der Strompreise damit zu vereinbaren, dass gleichzeitig für riskante (Groß-)Projekte, wie die Erweiterung des Betriebshof in der Ständlerstr. Geld vorhanden ist. Dieser Betriebshof wird nicht für den MVV benötigt, sondern soll an einen privaten ausländischen, hochverschuldeten Investor vermietet werden.

Wäre es nicht im Sinne der Münchner Bürger, die im deutschen Vergleich die höchsten Mietkosten zu zahlen haben, auf solche Projekte zu verzichten und stattdessen, den Strompreis nicht oder kaum zu erhöhen?
Besteht die Hauptaufgabe der Stadtwerke nicht in dem Bereitstellen von Strom, Wasser und Gas und nicht in der Vermietung von Gewerbeimmobilien?

Über eine konkrete Antwort würde ich mich freuen.

Vielen Dank im Voraus

Mit freundlichen Grüßen
Gabi Gerhardt

+158

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Antwort
von Christian Ude am 18. April 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Gerhardt,

die Energiewende wirkt sich leider auch auf den Strompreis und die Netzentgelte aus. Wie in den Medien bereits mehrfach berichtet sind zum 1. Januar verschiedene staatliche Abgaben deutlich gestiegen, wie z.B. die bundesweite Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, die Umlage für die Befreiung stromintensiver Betriebe von den Netzentgelten oder die KWK-Umlage. Insgesamt machen Steuern, Abgaben, Umlagen und die regulierten, von der Bundesnetzagentur festgelegten Strom-Netzentgelte im Jahr 2013 bereits rund 70 Prozent des Strompreises aus. Sehr viele Stromanbieter haben daher schon zum 1. Januar ihre Preise um bis zu 20 Prozent erhöht.

Die SWM haben die Preise für ihre M-Strom Privatkunden in München seit April 2012, und damit fast ein Jahr lang, konstant gehalten. Zum 1. März müssen auch sie den erhöhten Umlagen und Netzentgelten Rechnung tragen und die Preise für M-Strom Privatkunden in München anpassen. Die SWM tragen die Mehrkosten für ihre Kunden damit länger als viele andere Wettbewerber. Die Höhe der Anpassung liegt in etwa im Bundesdurchschnitt.

Trotz der notwendigen Erhöhung haben die SWM auch weiterhin die günstigsten Gesamtkosten für Strom, Erdgas und Trinkwasser im Vergleich der Grundversorger in den 10 größten deutschen Städten. Und das, obwohl München in nahezu allen Bereichen die teuerste Großstadt Deutschlands ist.

SWM sind Testsieger: Studie bestätigt überzeugende Preise und guten Service

Die SWM bieten ihren Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, eine hohe Qualität ihrer Produkte und ausgezeichneten Service. Das belegt auch die „Studie Stromanbieter“ des Deutschen Instituts für Service-Qualität im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv. Die SWM gehen darin als Testsieger bei den überregionalen Stromanbietern hervor. Wörtlich heißt es: „Der Münchner Grundversorger überzeugte durch niedrige Preise und guten Service mit einer freundlichen und kompetenten telefonischen Beratung.“ In der Studie wurden Service und Konditionen von 44 regional und überregional aktiven Stromanbietern in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt untersucht (mehr Infos dazu unter www.disq.de/studien.html).

Erst vor kurzem hatten die SWM außerdem vom Energieverbraucherportal zum vierten Mal in Folge die Auszeichnung als TOP-Lokalversorger erhalten (www.top-lokalversorger.de).

Keinerlei Zusammenhang zwischen Stromkosten und dem Projekt Eisenbahnwerkstätte

Zwischen der aktuellen Strompreiserhöhung und dem Projekt Eisenbahnwerkstätte auf dem SWM Gelände in Ramersdorf besteht keinerlei Zusammenhang. Bei dem Projekt entlang der DB Gleisanlagen handelt es sich um die Errichtung einer Eisenbahnwerkstätte für das sogenannte E-Netz Rosenheim, welches im Herbst 2010 nach einem Ausschreibungsverfahren der Bayerischen Eisenbahngesellschaft an die Veolia Regio GmbH (VVR) vergeben wurde. Die VRR hat mittlerweile intern entschieden, die Bayerische Oberlandbahn GmbH (BOB) mit der Betriebsdurchführung zu beauftragen. Die Errichtung einer Eisenbahnwerkstatt für das E-Netz Rosenheim ist zur Erfüllung einer öffentlichen Verkehrsaufgabe erforderlich. Das E-Netz Rosenheim besteht aus dem Schienenpersonennahverkehr auf den Strecken Salzburg-Rosenheim-München, Kufstein-Rosenheim-München und Rosenheim-Holzkirchen-München.

Der Standort Ständlerstraße hat sich nach Untersuchung alternativer Standorte als der am besten geeignete herausgestellt, insbesondere aus Gründen der Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Mit der wirtschaftlich sinnvollen Verwertung vorhandener Immobilienstandorte, noch dazu für ein Projekt, für das ein öffentliches Verkehrsinteresse besteht, werden Deckungsbeiträge erzielt, die wiederum zur Erfüllung von Aufgaben in der Landeshauptstadt genutzt werden können.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Jürgen Berrendorf
    am 13. Januar 2013
    1.

    Der Beitrag hat einen gewissen Charm und ist sehr Gut.

    Der Schluß der Autorin, das mit dem Bauverzicht des Eisenbahnbetriebswerkes gesparte Geld für eine weniger saftige Strompreiserhöhung zu verwenden, ist insbesondere für all die Münchner von Interesse, die nicht gerade auf Rosen gebettet sind.

    Auf die Antwort unseres OB bin ich mal gespannt, ebenso zur Hauptaufgabe der SWM, insbesondere im Wahljahr.

  2. Autor Frank R. Busch
    am 13. Februar 2013
    2.

    Ich möchte den Beitrag noch dahingehend ergänzen, wie sich die Strompreiserhöhung der Stadtwerke damit verträgt, dass die Stadtwerke - auf Druck der Politik! - auf den Verkauf bzw. die Versteigerung eines größeren Areals in der Innenstadt verzichtet/ verzichten muss und so entgangene Erlöse von bis zu 40 Millionen Euro hat. Im Gegenzug wurden die Stadtwerke gedrängt jetzt selbst in das Immobiliengeschäft einzusteigen und dort jetzt - indirekt über den Strompreis subventionierte! - Werkswohnungen anzubieten.

    Entgangene Erlöse + zusätzliche Ausgaben für Werkswohnungen = Strompreiserhöhung

    Vielen Dank!

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